„Rechtssicherheit verschaffen“

Schnell mal einen Mitarbeiter von einem Dachdeckerkollegen ausleihen? Vorsicht, denn die Kollegenhilfe ist nur unter genau definierten Bedingungen zulässig. Fritz-Marius Sybrecht, Geschäftsführer im Innungsverband Westfalen, sagt, worauf Dachdecker achten müssen, und spricht über den einfachsten Weg zur kollegialen Unterstützung

Fritz-Marius Sybrecht
Fritz-Marius Sybrecht, Geschäftsführer des Innungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Westfalen, im Gespräch mit DDH am Rudolf-Müller-Stand auf der DACH+HOLZ International. Fotos: DDH

Herr Sybrecht, welche Möglichkeiten hat ein Dachdeckerbetrieb, wenn er für einen Auftrag Unterstützung benötigt?

Lassen Sie mich zur Beantwortung Ihrer Frage etwas weiter ausholen. Wer Hilfe im Betrieb benötigt, der sollte – einfach gesprochen – Fachpersonal einstellen. In der Regel möchte sich aber der Dachdecker bei einem ausnahmsweise größer ausfallenden Auftrag nicht zusätzlich arbeitsvertraglich binden. Das würde ihm im Übrigen bei dem zunehmenden Fachkräftebedarf auf dem Bau auch gar nicht so einfach gelingen. Besteht folglich nur vorübergehendes Interesse an zusätzlichen Arbeitskräften, so hat der Betriebsinhaber im Wesentlichen drei Möglichkeiten zur flexiblen Gestaltung. Er könnte ein Subunternehmen im Wege eines Werk- oder Subunternehmervertrags beauftragen, – soweit zulässig – einen Arbeitnehmer von einem Betrieb derselben Branche entleihen oder aber als Kooperationspartner zusammen mit einem anderen Betrieb Leistungen erbringen in der sogenannten Arbeitsgemeinschaft.

Aber die Arbeitnehmerüberlassung ist doch seit Anfang der Achtzigerjahre verboten?

Das ist richtig. Dieses Verbot, speziell für die Baubranche, ist Ausfluss des damaligen Arbeitsförderungsgesetzes, lässt aber zwei Ausnahmen zu. Zum einen die anzeigepflichtige Arbeitnehmerüberlassung – auch landläufig Kollegenhilfe genannt – und zum anderen die erlaubnispflichtige Arbeitnehmerüberlassung. Die beiden Ausnahmen sind an gesetzliche Bedingungen geknüpft.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die Kollegenhilfe zulässig ist?

Also die „Kollegenhilfe“ setzt voraus, dass Verleiher und Entleiher beides Dachdeckerbetriebe sind. Beide müssen seit mindestens drei Jahren von demselben Rahmen- und Sozialkassenverfahren oder aber deren Allgemeinverbindlichkeit erfasst sein und der Verleiher darf nicht 50 oder mehr Arbeitnehmer beschäftigen. Letztere Voraussetzung dürfte wohl für 90 % der Dachdeckerbetriebe gelten. Außerdem wird von der zuständigen Stelle der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der Anzeige gefordert, dass durch die Überlassung im Verleihbetrieb Kurzarbeit oder Entlassungen vermieden werden. Die Anzeige hat zudem schriftlich zu erfolgen.

Hat sich an den Regelungen in letzter Zeit etwas geändert?

Der Gleichstellungsgrundsatz besteht grundsätzlich ab dem ersten Tag der Überlassung an einen Entleiher (§ 8 Abs. 1 AÜG). Eine Abweichung vom Equal Pay für die ersten neun Monaten einer Überlassung setzt voraus, dass ein Tarifvertrag i.S.d. § 8 Abs. 2 AÜG auf das Arbeitsverhältnis anzuwenden ist. Ein solcher Tarifvertrag, nach dem der Verleiher dem Leiharbeitnehmer anderweitig geschuldete Arbeitsbedingungen zu gewähren hat, existiert im Dachdeckerhandwerk allerdings nicht.

Und wie finden sich die Betriebe?

Das ist eine gute Frage! Bisher kamen die Betriebe über die direkte Ansprache und damit ein Überlassungsvertrag über den meist regional angesiedelten Kollegen zustande. Zur Unterstützung haben wir vom Landesinnungsverband Westfalen unter www.kollegenhilfe-portal.de ein Internetportal eingerichtet.

Welche Leistungen übernimmt das Portal für die Betriebe?

Mit dem Portal wollen wir zur Sicherstellung und Einhaltung der gesetzlichen Voraussetzungen für die Ausnahme vom Überlassungsverbot beitragen. Es bietet zudem, quasi wie ein virtueller Marktplatz, die Koordinierung der dort eingestellten Gesuche.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 05.2018.

Letzte Aktualisierung: 28.02.2018