Reetdach bei Plön: Halm für Halm

Ein altes Schulhaus in der Nähe von Plön erhielt eine neue Reetdeckung. Der Dachstuhl wurde dafür in weiten Teilen erneuert und angepasst, um eine ebene Fläche für das neue Schilfrohr zu gewährleisten. Dazu baute die Firma Reetdach-Kontor Dachfenster eines belgischen Hersteller ein, die im Aussehen den Modellen früherer Zeiten entsprechen, energetisch aber auf dem neusten Stand sind.

Reetdach Plön Krumstroh Hiss (5)
Das kleine alte Schulhaus bekommt sein neues Reetdach: Nachdem das Reetdach-Kontor-Team die Ost-, Nord- und die Westseite eingedeckt hat, folgt nun die Eindeckung der Fläche auf der Südseite mit reich verziertem Firstschmuck. Fotos: IG Pro Reet/Krumstroh

Die Neueindeckung des Daches mit Reet, die nach allen Regeln des traditionellen Handwerks ausgeführt wurde, dauerte vier Wochen inklusive des Aufbaus der Unterkonstruktion. Bemerkenswert ist dabei, dass die unterschiedlichen Höhen der Sparren in der Unterkonstruktion ausgeglichen und passend zum Dachverlauf aufgefüttert wurden. Langfristig gesehen war dieses die sinnvollere Lösung, weil das einfache Ausgleichen der Unebenheiten mit Reet unterschiedliche Deckstärken und somit unterschiedliche Halmneigungen im Verlauf entstehen lässt, die den Wasserablauf und die Tiefe der Wassereindringung ins Reet beeinflussen. Das Ziel ist demnach, eine plane Lattung hinzubekommen und keine Unebenheiten zu provozieren. Früher wurde das Reetdach mehr mit Gefühl und gemäß Erfahrung aufgebaut. Heute haben sich die Ansprüche geändert. Unter anderem wird beim Dacheindecken stärker auf den späteren Dachausbau geachtet. Deshalb müssen alle Arbeiten zur Dacheindeckung sowie die Ausführung oberhalb der Sparren verlaufen, damit man von unten den ordentlichen Sparren sieht. Die Details bei der Ausführung sind wichtig, ebenso wie die Ausfertigung des Daches mit einem Reetkappfirst, bei dem das Reet mit langen Halmen verdrahtet wird. Etwas Besonderes ist zudem die Reetfirstlüftung mit einem Röhrenlüftersystem, das ebenfalls installiert wurde.

Schachtdraht hält alles an Ort und Stelle

Für das Eindecken wurde jedes Bund per Hand auf das Dach geworfen, auseinandergebreitet und Schicht für Schicht bis hoch zum First des alten Fachhallenhauses verlegt. Die Reetbunde werden dabei mit 4,5 mm starken Stangendrähten („Schachtdraht“), die parallel zur Dachlatte verlaufen, an den Dachstuhl herangezogen. Der Stangendraht liegt mit etwa 15 bis 17 cm in der Mitte der Eindeckstärke von 30 bis 35 cm. Im nächsten Arbeitsschritt wird der 1 mm starke Bindedraht mit einem speziellen Nähbesteck um die Dachlatte herumgeführt und über dem Stangendraht verdrillt .

Zum Fachbuch Typische am Dach :

Ulrich Krumstroh

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 18.2018

Letzte Aktualisierung: 20.09.2018