Regeldachneigung und Zusatzmaßnahmen: Eine „regensichere“ Ausführung

Wohin entwickelt sich die Technik und wie geht der ZVDH damit um? Dachdeckermeister Oliver Dröse im Gespräch mit Josef Rühle, Geschäftsführer Technik beim ZVDH, über das Thema Regeldachneigung.

Unterdeckbahn Zusatzmaßnahme Regensicherheit
Schneeschutzsysteme und Auswirkung auf die regensichernde Zusatzmaßnahme Foto: ZVDH

DDM Dröse: Aktuell verspürt die Branche eine gewisse Unsicherheit beim Umgang mit der Regeldachneigung und den damit verbundenen regensichernden Zusatzmaßnahmen. Was hat es damit auf sich?

Josef Rühle: Das Problem besteht in den teilweise auftretenden Unterschieden zwischen der Auslegung des ZVDH im Fachregelwerk, der anerkannten Regel der Technik und den Angaben der Hersteller. Dabei werden vor allem immer wieder zwei Punkte genannt: die Regeldachneigung sowie die Zusatzmaßnahmen. Da Regeldachneigung kein geschützter Begriff ist, kann es zu unterschiedlichen Auslegungen kommen.

Wie definiert der Zentralverband die Regeldachneigung?

Als Regeldachneigung wird die unterste Dachneigungsgrenze bezeichnet, die sich in der Praxis als regensicher erwiesen hat. Die Definition basiert auf einer belastbaren Anzahl an Dachdeckungen und Bauarten, bei denen die Funktionalität nachgewiesen worden ist. Zudem muss berücksichtigt werden, dass das Regelwerk im Kontext zur Regeldachneigung den Gebäuden „Üblichkeit“ unterstellt, also keine exponierten Sonderformen vorsieht, zum Beispiel sehr windstarke und regenreiche Gebirgsgegenden oder direkt an der Küste gelegen. Bauweise, Standort und Belastungen entsprechen daher einem konventionellen Gebäude. Weichen Standort oder Bauweise hiervon ab, sind den Örtlichkeiten entsprechende weitergehende Qualitäten der Produkte und der Ausführungsart erforderlich.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Regensicherheit?

Eine „regensichere“ Ausführung bezieht sich auf die Dachdeckung, nicht auf eine Bauart, das ist ein wichtiger Punkt. In der Grundregel für Dachdeckungen, Abdichtungen und Außenwandbekleidungen findet man unter Abschnitt 1 eine weitreichende Aussage: Den am Bau Beteiligten muss bewusst sein, dass eine Abweichung von der Fachregel eine erhöhte Sorgfaltspflicht bei Beratung und Ausführung verlangt. Der Grund dafür ist, dass selbst für den Fall, in dem es dadurch nicht zum Schaden kommt, nun der Ausführende beweisen muss, dass er eine der Regelausführung gleichwertige Leistung erbracht hat.

Unter welchen Bedingungen, zum Beispiel durch die Verwendung entsprechender Zusatzmaßnahmen, ist denn eine Unterschreitung der Regeldachneigung zulässig?

Das Fachregelwerk hat seit 1997 die Möglichkeit zur Unterschreitung der Regeldachneigung geschaffen. Einerseits musste auf veränderte Bauweisen reagiert werden, andererseits sind auch die Kundenforderungen und Ansprüche an die Funktionalität der Dachdeckung und Dachkonstruktion gestiegen.

Wichtig ist vor allem, dass die Regeldachneigung nicht durch Kombination aus Dachdeckung und Zusatzmaßnahmen bestimmt wird. Grundsätzlich ist zunächst die im Regelwerk genannte Regeldachneigung Planungs- und Ausführungsgrundlage.

Sofern nun ein Produkt verwendet werden soll, das laut Hersteller auch eine geringere Dachneigung zulässt, als sie im Regelwerk vorgeschrieben ist, dann können wir an dieser Stelle nur dringend dazu raten, dass ein Nachweis der Gebrauchstauglichkeit erbracht wird. Hier liegt auf der Hand, dass dies aktuell nur auf Grundlage der normativ definierten Tests seitens der Hersteller möglich ist. Eine langjährige Bewährung in der Praxis kann es bei innovativen Produkten schlichtweg nicht geben. Sich deshalb auf regensichernde Zusatzmaßnahmen zu berufen, kann unserer Auffassung nach nicht ausreichend sein. Gerade diese Produkte müssen eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen erfüllen.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11/2020


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Letzte Aktualisierung: 14.05.2020