Roto: Fenster im Plus

Insgesamt schneidet die Roto-Gruppe 2018 vor allem aufgrund der „eigenen starken Performance“ gut ab. Sie prognostiziert einen Gesamtumsatz von rund 660 Mio. Euro, der damit in einem per saldo weltweit „passablen“ Marktumfeld etwa 5 % über Vorjahresniveau liegt.

Dr. Keil, Roto
In seiner Analyse der internationalen Bauwirtschaft zog Dr. Eckhard Keill für 2018 eine überwiegend „ordentliche Bilanz“. Foto: Roto

Mit erheblicher Sorge sieht der Bauzulieferer die „höchst brisante Gemengelage“ als Resultat großer politischer Unsicherheiten, die u. a. durch eine gefährliche Spirale von „Sanktionen und Gegensanktionen“ entstehen und Marktentwicklungen sowohl immer stärker negativ beeinflussen als auch kaum noch einschätzbar machen. Ungeachtet dessen strebt die Gruppe für 2019 ein erneutes Umsatzplus zwischen 3 % und 5 % und damit eine positive Firmenkonjunktur an. So beschrieb der Vorstand während des 13. Internationalen Fachpressetages Status und Perspektiven des in Familienbesitz befindlichen Global Players. Wie es Mitte November 2018 im österreichischen Graz außerdem hieß, soll der auf jeder Ebene von konkretem Kundennutzen bestimmte Kurs dauerhaft für Differenzierung und damit Wettbewerbsüberlegenheit sorgen.

In seiner Analyse der internationalen Bauwirtschaft zog Dr. Eckhard Keill für 2018 eine überwiegend „ordentliche Bilanz“. In Europa wächst das Bauvolumen nach Erhebungen des Forschungsnetzwerks Euroconstruct für seine 19 Mitgliedsländer 2018 stärker als die Gesamtwirtschaft. Das prognostizierte Plus von 2,5 % könne aber nicht mehr an das „Boomjahr“ 2017 (+ 3,9 %) anknüpfen. Bei einer insgesamt differenzierten Situation hob Keill aber die „erfreuliche Tatsache“ hervor, dass die Bautätigkeit in allen untersuchten Staaten zunehme. Im Wohnungsbau führten Ungarn, Irland und Portugal das Wachstums-Ranking an. Dagegen ordneten die Institute Deutschland mit einem relativ geringen Anstieg ebenso wie Frankreich, Schweiz, Norwegen und Schweden in ihrem letzten verfügbaren Marktbericht am Ende der Skala ein. Bei derzeit noch überwiegend guten Rahmenbedingungen seien aber Risiken unübersehbar. Dazu gehörten die weiter stark steigenden Immobilienpreise sowie die z. B. von Handelskonflikten und dem nahenden Brexit ausgehenden möglichen Bremseffekte.

Geschäftsgebäude Mangelware

Deshalb rechneten die Euroconstruct-Experten damit, dass der Wohnungsneubau ab 2019 erheblich an Schwung verliert. Dagegen verfüge der bisher relativ wenig beachtete Nichtwohnungs-Hochbau im Prinzip über sehr günstige Perspektiven. Der Roto-Vorstandsvorsitzende: „In Europa werden nicht nur Wohnungen, sondern auch Geschäftsgebäude Mangelware. Sie alle brauchen im Übrigen Fenster und Türen.“

Abschließend warf Keill einen Blick auf die deutsche Bauwirtschaft. Insgesamt betrachtet, behaupte sie auch 2018 ihre Position als „Konjunkturlokomotive“. Für den Wohnungsbau sei aber zu konstatieren, dass die Schere zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen seit 2009 immer weiter auseinanderklaffe. Zudem mache der Aufschwung um den Renovierungsmarkt „wieder einen ziemlich großen Bogen“. Hier schlage sich der bekannte Kapazitätsengpass im Baugewerbe unvermindert nieder. Der dafür ursächliche Fachkräftemangel erweise sich als immer größerer Hemmschuh. Weitere Risikofaktoren stellten der seit 11 Jahren stärkste Preisanstieg für Wohngebäude sowie die „eher fragwürdige staatliche Förderpolitik“ dar. Das gerade eingeführte Baukindergeld etwa könne speziell in der aktuellen Situation völlig unerwünschte Mitnahmeeffekte auslösen. Die Erwartung, dass der Wachstumstreiber bald „Wirtschaftsbau“ heiße, bestehe zu Recht.

In seinem Überblick über die aktuelle Roto-Entwicklung machte Finanzchef Michael Stangier als Ausgangsbasis auf den 2017 erzielten Gruppenumsatz von 633,5 Mio. Euro (knapp 2 % mehr als 2016) aufmerksam. Der Plan, dieses Niveau 2018 um 3 % bis 5 % zu übertreffen, sei – „wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert“ – absolut realistisch.

Die Division Fenster- und Türtechnologie (FTT) weise per 30. September 2018 trotz teilweise schwieriger Marktbedingungen ein moderates Umsatzplus gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode aus. Nach einem von „Vorzieheffekten“ der Ende 2017 angekündigten Preiserhöhung geprägten starken 1. Quartal habe sich das Wachstumstempo im Jahresverlauf verlangsamt.

Letzte Aktualisierung: 15.11.2018