3/2014: Rückgang auf breiter Ebene

Moderat nach unten bewegt sich weiterhin die Konjunktur für Dachdecker. Das Gewerk schneidet dabei schwächer ab als der Bau insgesamt – wichtige Trends im Neubau sind für Dachdecker eher von Nachteil.

Geschäftsaussichten im Vergleich 3/4 2013 und 2014
Beurteilung der Geschäftsaussichten nach Schulnoten im Vergleich. Blau=3. Quartal 2013, Grün=3. Quartal 2014. Grafik: DDH

Fast hat man sich gewöhnt an uneinheitliche, auf den ersten Blick nicht zueinander passende Meldungen zu Konjunktur und Wirtschaft. Begründet ist dies nicht zuletzt in den unterschiedlichen geografischen und zeitlichen Bezugsrahmen der Meldungen und ihren zugrunde liegenden Analysen. Klar ist: Im Großen hängt alles voneinander ab, und doch gibt es – ob deutsche Volkswirtschaft oder die Dachdeckerbranche – jeweils zahlreiche Einzelfaktoren, die die jeweilige Lage und Entwicklung erklären und beeinflussen.

Zwei aktuelle Beispiele: Auf der internationalen Ebene warnte der IWF zuletzt vor einer drohenden globalen Wirtschaftskrise und hat seine Wachstumsprognose für 2014 deutlich gesenkt. Aktuelle Risikofaktoren: die nicht ausreichende Erholung in der Eurozone, zu geringe Investitionen angesichts der Niedrigzinspolitik sowie eine wieder wachsende Gefahr der Überhitzung der Finanzmärkte. Fast zeitgleich vermeldet das Statistische Bundesamt positive Zahlen vom nach wie vor robusten deutschen Arbeitsmarkt. Zum ersten Mal liegt die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland über 43 Millionen Menschen.

Niedrigzins als neue Normalität

Beurteilung der Geschäftslage im Vergleich 3/4 2013 und 2014
Beurteilung der Geschäftslage nach Schulnoten im Vergleich. Blau=3. Quartal 2013, Grün= 3. Quartal 2014

Das Dachdeckerhandwerk zieht unterdessen eine gemischte Zwischenbilanz. Zwar schneidet „der Bau“ in vielen Meldungen – etwa bei den Baugenehmigungen – sehr positiv ab. Die isolierte Betrachtung des Dachdeckerhandwerks zeigt jedoch, dass die Entwicklung der Branche in den vergangenen zwei Jahren deutlich hinter der des Bauhauptgewerbes gesamt zurückgeblieben ist. Woran liegt es? Das durch die Zentralbanken am untersten Limit gehaltene Zinsniveau wirkt sich grundsätzlich noch immer positiv auf den Bausektor aus. Inzwischen gibt es jedoch eine weitere Lesart der Situation: Demnach haben Verbraucher inzwischen realisiert, dass der Zinssatz absehbar nicht steigen wird – das Niedrigzinsniveau wird als neue Normalität wahrgenommen, mögliche Investitionen, etwa im Bereich der energetischen Sanierung, nach hinten verschoben. Dies trifft Dachdecker besonders. Auch die sinkenden Energiepreise und dadurch bedingt längere Amortisationsphasen energetischer Sanierungen verringern den Handlungsbedarf für Hausbesitzer.

Weniger Dach pro Wohneinheit

Im weiterhin anziehenden Neubaubereich hat sich der Mehrfamilien-Wohnungsbau als Wachstumstreiber etabliert. Die Rechnung ist einfach: In diesem Segment wird pro Wohneinheit deutlich weniger Dachfläche verbaut – auch das ist nachteilig für Dachdecker. Zudem wird im Markt zunehmend über sich verändernde Dachlandschaften diskutiert, der Trend beim Neubau geht dabei in Richtung Pult- und Flachdach, die tendenziell weniger arbeitsintensiv für Dachdecker sind. Ein weiterer Faktor für vergleichsweise schwache Umsätze sind die Einbrüche im Bereich Photovoltaik und Solarthermie. Für die meisten Dachdecker kein Kerngeschäft, das Gewerk ist jedoch stärker involviert als der Bau insgesamt.

In Summe viele Faktoren, die helfen, die verhaltene Entwicklung zu erklären. Im 3. Quartal sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum Rückgänge auf breiter Ebene zu verzeichnen. Die Einschätzung der Geschäftslage verringert sich von der Durchschnittsnote 2,4 im Vorjahr auf nun 2,6. Dabei hat sich vor allem der Anteil an Betrieben mit dem Urteil „sehr gut“ verringert (–4,9 Prozentpunkte), die Note ausreichend wurde deutlich häufiger vergeben (+4,8 Prozentpunkte).

Malte von Lüttichau

Das ausführliche Konjunkturbarometer lesen Sie in Ausgabe DDH 24.2014.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2014