Rundum eckig

Schnittmuster und Formteile für Innen- und Außenecken tragen zur Langlebigkeit einer Dachabdichtung bei. Gleichzeitig ermöglichen sie eine schnelle Ausführung. Wir beschreiben, wie sie richtig eingesetzt und verarbeitet werden.

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Für die fachgerechte Verarbeitung im Detailbereich werden neben den üblichen Dachdecker-Werkzeugen für Schweißbahnen zusätzlich eine Handandrückrolle und ein kleiner Brenner benötigt. Foto: Bauder

Zur Abdichtung von Flachdächern werden Bahnen aus Bitumen oder Kunststoff seit vielen Jahren eingesetzt. Durch ihre Materialeigenschaften haben sie ihre dauerhafte Funktionstüchtigkeit über Jahrzehnte bewiesen. Nach den gültigen Flachdachrichtlinien sind Bitumenbahnen im Längs- und Quernahtbereich mindestens achtzig Millimeter zu überdecken und Detailanschlüsse mindestens zweilagig auszuführen. Bei Kunststoffbahnen beträgt die Überlappungsbreite nach den Fachregeln vierzig Millimeter, Details können einlagig ausgeführt werden. Nach DIN 18531 Teil 3 beträgt die Überlappungsbreite bei mehrlagigen Bitumenabdichtungen ebenfalls achtzig, bei Kunststoffabdichtungen vierzig Millimeter. Grundsätzlich werden für die Detailausbildung die gleichen Abdichtungsbahnen verwendet, wie für die Dachfläche. Bei kaltselbstklebenden Bitumenbahnen empfiehlt sich die Aktivierung der Bahn mit einem kleinen Brenner oder Fön. Notwendig ist diese Art der Nahtverschweißung immer dann, wenn eine temporäre Wasserdichtheit (Behelfsabdichtung oder Notabdichtung) erreicht werden soll.

Die richtigen Werkzeuge

Für die fachgerechte Verarbeitung von Bitumenbahnen im Detailbereich werden neben den üblichen Dachdecker-Werkzeugen für Schweißbahnen zusätzlich eine Handandrückrolle und ein kleiner Brenner oder ein Fön (3.000 Watt Leistung, Düse circa achtzig Millimeter breit) benötigt. Werden kaltselbstklebende Bahnen eingesetzt, ist zusätzlich ein Cuttermesser notwendig, um die rückseitige Abdeckfolie einzuschneiden.

Für die Detailverarbeitung von Kunststoffbahnen sind ein Handschweißgerät vorzugsweise mit kleiner Düse (zwanzig Millimeter), eine große Andrückrolle und eine Messingrolle empfehlenswert. Bei handwerklich zu fertigenden Details sollten eine Schere sowie verschiedene Hilfsmittel wie Trennblech und Handschuhe vorhanden sein. Die Verarbeitung von Innen- und Außenecken bei Bitumenbahnen- und Kunststoffbahnenabdichtungen geschieht folgendermaßen:

Innenecke mit Bitumenbahnen

Die Bitumendampfsperre wird aus der Fläche in die Dachrandecke gelegt und an der Attika bis Oberkante Eckkeil hochgezogen. Die Inneneck-Bahn wird aus einem quadratischen Zuschnitt hergestellt mit einer Kantenlänge von 18 bis 20 Zentimeter. Somit ist die Überlappungsbreite nach den Fachregeln von mindestens achtzig Millimeter sicher eingehalten. Im Beispiel wird eine kaltselbstklebende Bahn eingesetzt, deren Unterseite mit einer Silikonfolie versehen ist. Diese dünne Folie wird mit einem Cuttermesser eingeschnitten (Tiefenanschlag benutzen, um die Bitumenbahn nicht zu beschädigen) und nur teilweise abgezogen. Jetzt kann die Detailbahn als Innenecke zusammengefaltet und geklebt werden. Diese so vorgefertigte Innenecke wird mit einer Andrückrolle in die Attikaecke eingeklebt. Die Silikonfolie wird dabei schrittweise abgezogen. Nach der Verlegung der Wärmedämmung wird die erste Abdichtungslage im Beispiel auch kaltselbstklebend - verlegt und darauf der Dämmkeil im Wandanschlussbereich. Die Zuschnitte für die Ausbildung der Innenecke werden hergestellt und in die Ecke eingeklebt. Dabei wird mit dem unteren Zuschnitt begonnen. Darauf wird mit der gleichen Bahn die Attika abgedichtet und die Bahn in der Innenecke nur noch gestoßen. Die Herstellung der Innenecke bei der Oberlage erfolgt in gleicher Weise. Hier kann als Material die Oberlagsbahn oder die erste Abdichtungslage eingebaut werden. Diese ist nicht beschiefert, dadurch kann die obere Abdichtung leichter aufgeschweißt werden. Die Abdeckung der Attika mit Bitumenbahnen erfolgt aber mit dem Oberlagsmaterial.

Außenecke mit Bitumenbahnen

Auch hier wird die Abdichtung zuerst in der Fläche verlegt und die Außenecke der Attika aus Bahnenzuschnitten hergestellt. Nach Verlegung der Dämmung, der ersten Abdichtungslage auf der Dämmung und der Eckkeile wird die Außenecke aus drei Zuschnitten gefertigt. Die Verarbeitung beginnt mit dem unteren Zuschnittteil und endet mit der Abdeckung der gesamten Attika. Die Oberlage wird bei der Außenecke in gleicher Weise verlegt wie die erste Abdichtungslage, sodass ein durchgängig gleichmäßiges Bild der Bitumenoberlage entsteht.

Innenecke mit Kunststoffbahnen

Die Anschlussbahn wird auf die Flächenabdichtung geführt, das überschüssige Material keilförmig mit der Schere ausgeschnitten und der Anschluss homogen aufgeschweißt. Für ein schnelles und sicheres Gestalten von Innenecken eignen sich Formteile wie Fertigecken besonders gut. Die Fertigecke wird auf der Dachbahn in die Ecke gesetzt und ebenfalls verschweißt.

Formteil Innenecke
Formteil Innenecke

Gegenläufige Stöße sind bei dieser Art der Detailgestaltung zulässig und unvermeidbar.

Wenn kein Formteil zur Verfügung steht, können Innenecken auch als Quetschfalte stehend, liegend oder als Zusatzecke ausgebildet werden. Dazu wird das Material nicht eingeschnitten, sondern als Falte gelegt und in zwei getrennten Arbeitsschritten gezielt bearbeitet. Wie in der Flächenherstellung gilt auch bei der Detailausbildung: mindestens zwei Zentimeter homogene Nahtbreite

Innenecke Quetschfalte
Quetschfaltenausbildung Innenecke Schritt 1. Fotos: Bauder
Quetschfaltenausbildung Innenecke Schritt 2
Quetschfaltenausbildung Innenecke Schritt 2

Außenecke mit Kunststoffbahnen

Insbesondere an Außenecken empfiehlt sich der Einsatz von Formteilen, da an diesem Detail im Gegensatz zur Innenecke Material fehlt. Der Anschlussstreifen wird um die Außenecke geführt, im Fußbereich eingeschnitten und auf die Flächenab-dichtung aufgeschweißt. Die Ecken werden bei Kunststoffbahnen immer rund oder schräg geschnitten. Bahnenkanten sind zur Vermeidung von Kapillaren durch Anschrägen vorzubereiten. Das Formteil wird auf die Ecke aufgesetzt, zuerst in die Kehlen und anschließend komplett aufgeschweißt.

Formteil Außenecke
Formteil Außenecke

Holger Krüger

Letzte Aktualisierung: 18.03.2010