Sachverständigen-Tagung in Mayen

EnEV, Planungshilfen oder Entwässerungsfragen – die diesjährige Sachverständingen-Tagung lockte über 200 Teilnehmer ins BBZ. Fachtechniker und Juristen brachten dieTeilnehmer auf den neuesten Stand.

Mayen Sachverständigentagung 2019
Aktion in Sachen Abdeckung: Kaum eine der bislang ausgeführten Konstruktionen würde einem statischen Nachweis standhalten. Fotos: DDH

Mit Informationen zum neuen Gebäudeenergiegesetz eröffnete Josef Rühle, Bereichsleiter Technik des ZVDH, den Vortragsreigen der diesjährigen Sachverständigentagung im Bundesbildungszentrum der Dachdecker in Mayen.

Langwierige Entwürfe und schlummernde Schäden

Entwürfe lägen bereits seit 2017 im Ministerium, erklärte Rühle. Sie beinhalteten die Zusammenführung des Energieeinspargesetzes (EnEG), der Energieeinsparverordnung (EnEV) und des Energiewärmegesetzes (EEWärmeG). Spätestens 2021 sollen demnach alle Gebäude nach den dort geforderten Niedrigstenergiestandards gebaut werden. Im dann einheitlichen Anforderungssystem würden Energieeffizienz und erneuerbare Energien unter Beibehaltung der aktuellen energetischen Anforderungen integriert. Danach versuchte Wolfgang Reinders, Justitiar des ZVDH, Licht ins Dunkel der juristischen Definitionen zu bringen. Er stellte dar, was die allgemeinen Regeln der Technik sind und welche Verbindlichkeit sie haben. Sie seien immer zwingend einzuhalten, warnte Reinders. Andernfalls läge automatisch ein Mangel vor, auch wenn dieser noch nicht zutage getreten sei.

Grauzone Abluftöffnung

Über die verschlankten Hinweise Außenwandbekleidungen informierte Christian Anders, technischer Referent des ZVDH. Er zeigte die neue Gliederung, Begriffe und Geltungsbereiche. So wird zum Beispiel der Geltungsbereich der Bekleidungsarten neu definiert nach Art der Ausführung der Ablüftung. Der Standsicherheitsnachweis findet keinen Platz mehr. Innungsmitglieder erhalten aber Planungshilfen hierzu beim ZVDH, warb Anders. Vizepräsident Michael Zimmermann gab einen Überblick über die Messtechniken in Bezug auf Baufeuchte. Guter Wärmeschutz sei gleichzeitig guter Feuchteschutz, so Zimmermann. Dazu stellte er verschiedene Geräte vor und erklärte deren Funktionsweise sowie Genauigkeit. „Messergebnisse stellen im Prinzip nur eine bestmögliche Schätzung der Baufeuchte dar“, so sein Fazit. „Messen und dokumentieren Sie unbedingt die Holzfeuchte beim Einbau. Der Elektriker ist der Mörder der Luftdichtheit“, warnte Zimmermann.

Unendliche Geschichte Bauteilöffnung

Die Anwälte Dr. Thomas Brübach und Rudolf Krechel beleuchteten Rechte, Pflichten und Haftung der gerichtlich bestellten Sachverständigen anhand verschiedener Gerichtsurteile. Die Vorschriften ergeben sich aus der Zivilprozessordnung, dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Strafgesetzbuch. Ihr Tipp: „Halten Sie sich strikt an den Gutachtenauftrag des Gerichts, damit Sie sich nicht angreifbar machen!“ So sei eine eigenständige Öffnung eines Bauteils ohne Weisung nach allgemein herrschender Auffassung nicht Aufgabe des Sachverständigen. Schlusspunkt des zweiten Tages setzten wiederum die beiden Techniker des ZVDH.
Josef Rühle widmete sich den Gefahren bei der Kaskadenentwässerung. Welche Regelwerke werden tangiert? Dazu muss der Dachdecker Fragen vom Geruchsverschluss bis zum Nagetierschutz bei der Planung beantworten. Mit problematischen Entwässerungsfragen hatte auch Christian Anders Vortrag zu tun. Er zeigte den aktuellen Stand in Bezug auf die Regeln zur Erstellung barrierefreier Übergänge. Im Jahr zuvor hatte er den Appell an die Teilnehmer gerichtet, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Seit knapp einem Jahr gebe es eine Zusammenarbeit mit dem Verband der Fensterhersteller. „Wir wollen einen breiten Konsens erzielen“, so Anders. Die anschließende Diskussion war wie zu erwarten sehr lebhaft und zog sich bis weit über die geplante Uhrzeit hinaus.

Sachverständige lösen keine Rechtsfragen

Der Werkvertrag und die relative Position des Sachverständigen dazu stand im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Matthias Zöller zum Thema: Die Bewertung des optischen Mangels – objektive und subjektive Materialeigenschaften.“ Denn auch vor Gericht, betonte Zöller, sei der geschlossene Vertrag der Rahmen, innerhalb dessen sich der Richter bewegen müsse. Dies gelte auch für den Sachverständigen, dessen Aufgabe darin bestünde, ein technisches Problem zu lösen und bei Mängeln mögliche Varianten aufzuzeigen. „Sie müssen“, betonte Zöller, „keine Rechtsfragen lösen. Das ist ein Vorteil.“

Zum Abschluss verdeutlichte Dipl.-Ing. (FH) Bernhard W. Schmitt die mit Windlasten verbundenen Kräfte, die auf Verbindungsmittel bei Dächern einwirken.
Schmitt zeigte die Einflussfaktoren – Geschwindigkeitsdruck, Gebäudehöhe, Dacharten, Untegründe Art und Länge der Verbindungsmittel – auf und gab praktische Hinweise zur Berechnung der korrekten Ausführung. Die Musterberechnungen zeigten deutlich: Jeder Millimeter bei Verbindungsmitteln zählt.

Brigitte Latsch

Den gesamten Artikel lesen Sie in DDH 21/22.19



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Letzte Aktualisierung: 06.11.2019

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