Sanierung mit System

Die DIN 1986-100 stellt besonders im Sanierungsfall hohe Ansprüche an die Flachdachentwässerung. Wie die fehlende Notentwässerung an einer Halle neu konstruiert wurde, zeigt eine Werft in Papenburg.

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Eine große Herausforderung: Die Arbeiten mussten bei laufendem Betrieb in den Werkhallen ausgeführt werden.Fotos: Value-Tec/Kleines Foto: Meyer Werft

Die Festigkeit und Standsicherheit ist eine wesentliche Forderung der Bauproduktenrichtlinie. Flachdächer in Leichtbauweise werden grundsätzlich als nicht geeignet für die Regenwasserrückhaltung und Regenspeicherung angesehen. Flachdächer gemäß DIN 1986-100 (Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke) besitzen allerdings eine Rückhaltefunktion. Eine Regenwasserspeicherung erzeugt jedoch Belastungen, die die Schneelasten deutlich übertreffen.

Klimawandel mit Auswirkungen

Mit dem Klimawandel wächst auch das Risiko, das im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben kann. Unbestritten ist, dass massive Veränderungen der Niederschläge in den vergangenen Jahren die Folge des Klimawandels sind. Die Oderflut mit dem halben Jahresniederschlag in einer Woche oder der Niederschlag in Dortmund vom 26.07.2008, wo in 4 Stunden das 2,5-Fache eines Monatsniederschlags, 203 Millimeter Regen, fielen, sollen nur stellvertretend diese Entwicklung verdeutlichen. Vor 30 Jahren wurde die maximale Regenmenge noch mit 180 Millimeter Niederschlag innerhalb von 24 Stunden beziffert.

Wie bereits die jüngste Vergangenheit gelehrt hat, sind extreme Wetterbedingungen wie zum Beispiel Starkregenereignisse, nicht mehr in den Bereich unvorhersehbarer Jahrhunderterscheinungen zu verbannen. Der Planer, der Erbauer und auch der Betreiber großflächiger Hallenbauten werden sich zukünftig mit dem Thema der Vorhersehbarkeit und der tatsächlichen technischen Berücksichtigung solcher extremen Niederschlagsereignisse zu befassen haben.

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Mit speziellen Aufhängevorrichtungen wurden die Entwässerungsleitungen aufgehängt.

Einhaltung von Vorschriften zur Abwendung von Schäden

Bereits der Blick auf die gesetzlichen Regelungen, zum Beispiel § 823 Abs. 1 BGB, der pflichtwidriges Tun oder Unterlassen mit Schadensersatzpflichten belegt, aber auch strafrechtliche Vorschriften wie zum Beispiel § 229 StGB, fahrlässige Körperverletzung, verdeutlicht, dass höchstmögliche Sorgfalt zur Abwendung von Personen- und Sachschäden zu beachten ist. Wie auch eine jüngere Entscheidung des Bundesgerichtshofs zur pflichtwidrig unzureichenden Überprüfung einer Dachkonstruktion durch einen Bauingenieur im Fall der Bad Reichenhaller Eissporthalle gezeigt hat, ist die Planung und Errichtung einer solchen baulichen Anlage mit der erforderlichen Sorgfalt und unter Einhaltung der hierzu bestehenden Vorschriften durchzuführen. Im Fall der Nichtbefolgung drohen nicht nur ganz erhebliche zivilrechtliche, sprich finanzielle Konsequenzen, sondern eventuell auch strafrechtliche Sanktionen.

Inwieweit Pflichtenverstöße durch für bauliche Anlagen Verantwortliche, die trotz Warnhinweisen keine Maßnahmen zur Beseitigung der Gefahr ergriffen haben, zukünftig zu entsprechenden Konsequenzen führen werden, ist derzeit in der gesamten Tragweite noch nicht absehbar. Die neueren Erkenntnisse über die Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen und ihre gravierenden Folgen für Mensch und Sachwerte werden jedoch mit Sicherheit Konsequenzen für Fachplaner, Erbauer sowie Betreiber von Hallenanlagen haben.

Nicht nur die Berücksichtigung der Extremregenereignisse und die zu berücksichtigenden Notentwässerungssysteme sind in der neuen DIN 1986-100 geregelt, sondern auch der Schutz vor dem Überlastungs- und Überflutungsfall. Empfehlenswert ist es daher, die vorhandenen Gebäude auf mögliche "Schwachstellen" zu untersuchen und gegebenenfalls die entsprechenden Sanierungsmaßnahmen einzuleiten.

Tilo Strehlau

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 16|2011.

Letzte Aktualisierung: 14.01.2016