Sanierung oder Abbruch asbestverdächtiger Gebäude

Obwohl Asbest seit 1993 in Deutschland verboten ist, stoßen Hausbesitzer und Handwerker in älteren Gebäuden immer noch auf asbesthaltige Produkte.

Asbestausstattung
Der ZVDH-Jugendbotschafter Eric (rechts) mit einem Kollegen in voller „Asbestausstattung“ Foto: ZVDH

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) nun die „Leitlinie für die Asbesterkundung zur Vorbereitung von Arbeiten in und an älteren Gebäuden“ veröffentlicht.

Die neue Leitlinie hilft dabei, Baumaßnahmen in Gebäuden, die mit Asbest belastet sein könnten, besser zu planen und gut vorbereitet durchzuführen. Die Leitlinie ist ein Ergebnis des Asbestdialogs, der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) initiiert und zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) durchgeführt wurde. Der ZVDH war maßgeblich an den Entwicklungen im Asbestdialog und der TRGS 519 hierzu beteiligt. Aktuell sind immer noch über 35 Millionen Tonnen asbesthaltiges Material verbaut, meist in Form von Asbestzement. Bei Abbrucharbeiten sowie Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an Gebäuden können Asbestfasern und -staub freigesetzt werden. Von 2001 bis heute fiel rund vier Millionen Tonnen asbesthaltiger Müll an. Ende 2012 waren immer noch fast 89.000 Beschäftigte in Deutschland mit Asbestprodukten in Kontakt.

Asbest nicht nur auf Dächern und an Fassaden

Es ist den meisten zwar bekannt, dass Asbest in Dach- und Fassadenplatten oder Brandschutzisolierungen verwendet wurde. Weniger bekannt ist dagegen, dass Asbest ebenso in Bodenbelägen und den darunter befindlichen Klebern sowie in Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und bauchemischen Produkten verbaut wurde.

Die Leitlinie gibt allgemeinverständliche Empfehlungen für den Fall, dass Asbest in Gebäuden vermutet wird bzw. dass Bauteile bearbeitet oder entfernt werden, die Asbest enthalten könnten. Die Leitlinie zur Asbesterkundung gibt einen Überblick über den Stoff Asbest sowie über typische Anwendungsgebiete und Einbauorte von Materialien mit starker und schwacher Asbestbindung. Ein wesentlicher Bestandteil der Leitlinie ist der Vorschlag, bei der Asbesterkundung schrittweise vorzugehen. Dies veranschaulichen Flussdiagramme. Dabei weist die Leitlinie auf alle notwendigen Maßnahmen von der Planung bis zur Abfallentsorgung hin. Zudem stellt sie alle relevanten Rechtsbereiche im Zusammenhang dar. Unter den Begriff Abbrucharbeiten fallen neben kompletten Abriss- und Rückbauarbeiten auch Eingriffe wie das Entfernen von asbesthaltigen Putzen, Fliesenklebern, Anstrichen und Beschichtungen.

Sicherer Umgang bei der Asbestentsorgung

In einem weiteren Abschnitt zeigt die Leitlinie, wie alle am Bau Beteiligten zusammenwirken, wenn sie anlassbezogen Asbest erkunden und ermitteln, wenn sie eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und abschließend Asbest entsorgen. Ziel ist es, den Umgang mit Asbest im Baubestand bis zur Entsorgung des Abfalls sicher zu gestalten. Die „Leitlinie für die Asbesterkundung zur Vorbereitung von Arbeiten in und an älteren Gebäuden“ kann als PDF hier heruntergeladen werden: https://bit.ly/Leitlinie-Asbest2020

Neufassung der TRGS 519

In Deutschland durften bislang nach der TRGS 519 nur sachkundige Fachleute „ASI-Arbeiten“ durchführen. Die neue Fassung des TRGS 519 enthält neue Qualifikationsmodelle sowie neue Bestimmungen, die die Vermittlung der Inhalte betreffen. Als Qualifikationsmaßnahme gelten nunmehr auch Veranstaltungen, die in der Verantwortung von Körperschaften des öffentlichen Rechts durchgeführt werden.

Josef Rühle

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 12/2020

Letzte Aktualisierung: 15.06.2020