Sanierung Stadthalle Münstermaifeld: Unterdeckung als Sonderkonstruktion

Das Dach der Stadthalle Münstermaifeld war undicht, dazu kam noch Kondensat von innen. Als Sanierung kam eine Sonderkonstruktion zum Einsatz, die zwar nicht regelkonform aber praktikabel ist.

Sanierung Stadthalle Münstermaifeld Aufmacher
16 Grad Dachneigung, 12m Sparrenlänge und verschachtelte Dachflächen auf über 1000 qm: Die Sanierung der Stadthalle Münstermaifeld forderte von den Dachdeckern eine besondere Vorgehensweise bei Materialauswahl und Ausführung - nicht unbedingt regelkonform, aber funktionierend. Fotos: Gärtner

Die Bauherren hatten im Vorfeld schon ein Angebot eingeholt, welches auf eine Dachsanierung mit Sandwichelementen hinauslaufen sollte. Nach der Untersuchung durch den Sachverständigen wurden zunächst die Mängel festgestellt. Im Innenbereich war die luftdichte Schicht an den Anschlüssen nicht ausreichend ausgeführt, die Anpresslatten waren sehr locker, sogar teilweise nicht vorhanden. Der Kleber der Luftdichheitsebene besaß keine Festigkeit so dass die eigentlich verklebten Bahnen locker und lose herunterhingen oder ganz leicht gelöst werden konnten.

Fehlende Luftdichtheit, kaum Hinterlüftung, geringe Neigung

Auch die weiteren Bereiche zeigten Defizite: die Takkerklammern lagen frei und waren nicht abgedeckt so dass Rissbildungen an den Takkerklammern entstehen konnten die zu weitern Luftundichtigkeiten führten. Auch Verklebungen der Nähte waren nicht überall konsequent durchgeführt. Desweiteren waren Regeneintragstellen von außen deutlich zu erkennen, insbesondere im Traufbereich. Von außen stellte sich Dachfläche wie folgt dar:

Sanierung Stadthalle Münstermaifeld (1)
Die Vogelperspektive zeigt die vielen Ausklappungen innerhalb des Steildaches.

Auf dem 1.100m² großen Dach war eine Betondach gedeckt. Die Dachneigung beträgt 16 Grad bei einer Sparrenlänge von 12m. Diese geringe Dachneigung allein stellt schon ein relativ hohes Risiko dar. Weitere zusätzliche Problematik bildet die Gliederung des Daches. Im Traufbereich sind aus gestalterischen Gründen Gauben eingesetzt die den überwiegenden Teil der Traufe darstellen und somit eine Belüftung unmöglich machen. Naturgemäß sind die Gauben mit Kehlen an die Dachflächen angeschlossen so dass auf dem recht flachen Dach, mit großer Sparrenlänge, im Traufbereich durch die Kehlen eine zusätzliche weitere erhöhte Beanspruchung besteht. Wie schon erläutert ist die Belüftung kaum möglich so dass nur an den kurzen Traufstücken eine kontinuierliche geregelte Lüftung und Zuluft herstellbar ist. Bei der vorgefundenen Konstruktion war die Traufbohle so angeschlagen dass diese einen Großteil des Belüftungsraum weggenommen hat so dass eine tatsächliche Lüftung praktisch nur durch die Wellenbildung der Betondachsteine entstehen kann, dies ist bei dieser Konstruktion mit der flachen Neigung und der großen Sparrenlänge als nicht geeignet zu betrachten.

Sanierung Stadthalle Münstermaifeld Nageldichtvlies
Morgendliche Arbeitsvorbereitung für den Tag: Nageldichtvliese unterhalb der Konterlatte werden aufgetakkert.

Weitere wurde bei exemplarischen Kontrollöffnungen festgestellt, dass die Wärmedämmung die eigentlich eine Vollsparrendämmung darstellen sollte, nicht fachgerecht verlegt ist, es entstanden große Lücken bei der Verlegung so dass die Vollsparrendämmung nicht voll appliziert wurde und so die stehende Luft potentiell zu Kondensatbildung führt. Bei diversen Dachöffnungen stellte der Sachverständige fest, dass die vorhandene Unterdeckbahn für die Beanspruchung nicht geeignet war. Die Unterdeckbahn war Schimmelpilzbelastet, dies liegt an der zu geringen Belüftungsmöglichkeit, und an den möglichen Konvektionsströmen von innen nach außen, durch die nicht fachgerechte luftdichte Schicht. Diese Unterdeckbahn war also bei Erstellung der Konstruktion schon regelwidrig und hat als Zusatzmaßnahme nicht ausgereicht. Nach Feststellung der Fakten war es deutlich, dass das vorhandene Angebot zur Sanierung mit Sandwichelementen keine zielführende Lösung darstellt wegen der dabei entstehenden bauphysikalischen Problematik und den Imponderabilien.

Herbert Gärtner

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 15.2020

Letzte Aktualisierung: 10.08.2020