Sanierungspreis 19: Glanzvoll restauriert

Arbeiten in knapp 60 m Höhe, eine Dachneigung von rund 80°, dazu eine Kombination aus 300 Jahre alten Ziegeln und neuen gebrannten – die Sanierung des Kirchturms in Sipplingen war besonders. Dies sah auch die Jury des Sanierungspreises 2019 so – und kürte das Projekt zum Gewinner in der Kategorie Dach.

Sanierungspreis 2019, Dachflächen am Kirchturm
Fast senkrecht präsentieren sich die Dachflächen am Kirchturm in Sipplingen. Langzeitsicher wurden sämtliche Ziegel verschraubt. Fotos: Holzbau Schmäh

Schon von Weitem ist das historische Gebäude direkt am Steilufer des Bodensees zu erkennen: Wie ein grün schimmernder, schützender Schuppenpanzer präsentiert sich das markante Turmdach der Pfarrkirche St. Martin in Sipplingen weit über die Firste der Nachbarbebauungen.

Verkehrssicherheit des alten Daches dahin

Abgerutschte Ziegel und somit Passantengefährdung waren die Gründe für die Prüfung des Kirchturms. Durch das Kirchenamt beauftragte Seilkletterer konnten erste Sofortmaßnahmen wie die Sicherung der vom Absturz bedrohten Ziegel und die teilweise Befestigung schadhafter Ziegel erledigen. Dies reichte jedoch bei Weitem für die Befreiung der Verkehrssicherungspflicht nicht aus.

Die detaillierte Schadenskartierung zeigte deutlich, dass eine flächendeckende Renovierung des Kirchendaches notwendig war. Zudem sollten im Zuge der Sanierung weitere Aufgaben erledigt werden. Hierzu zählten im Bereich Dach die Überarbeitung des Glockenstuhls und der historischen Holzkonstruktion sowie die Teilerneuerung der Kupferbleche. Im Bereich der Fassade standen die Beseitigung von Schäden im Sandsteinbereich und ein neuer Anstrich auf dem Plan. Ebenso die Nachvergoldung der Uhrenzifferblätter und der Kugeln sollten mit der Gerüststellung erledigt werden. Im Innenbereich zählten Renovierungsarbeiten des Turmaufgangs und an der Turmtreppe zu den primären Aufgaben.

Hohe Sanierungskosten gemeinsam gestemmt

Zunächst sollte die veranschlagten Kosten von 1,14 Millionen Euro die Gemeinde Sipplingen aufgrund einer Anerkennungsurkunde aus dem Jahr 1896 verpflichtend übernehmen, was aufgrund der hohen Summe undenkbar war. Großzügige Kostenbeteiligungen seitens der Kirche und Drittmittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz machten es möglich, die umfassende Renovierung zu verwirklichen. Dies war nach der gesamten Schadensaufnahme dringend nötig, zumal die Kirche St. Martin zuletzt 1979 saniert wurde. In einer beschränkten Ausschreibung wurde nach einem leistungsfähigen Unternehmen gesucht. Den Zuschlag für die Arbeiten am Dach und an der historischen Tragwerkskonstruktion erhielt die Firma Holzbau Schmäh aus Meersburg.

Geschäftsführer Sebastian Schmäh: „Wir sind ein Betrieb, der selbst eine lange Historie hat – immerhin knapp 150 Jahre. Vielleicht ist es genau das, was uns an solchen Projekten reizt: Gebäude mit Charakter und Vergangenheit zu erhalten. Die Grundmauern der St.-Martin-Kirche sind aus dem 13. Jahrhundert und der Turm ist immerhin von etwa 1500. Für uns war klar, dass wir an der Ausschreibung teilnehmen, nicht nur wegen des wirtschaftlichen Faktors, der bei solchen Projekten überhaupt nicht im Vordergrund steht. Vielmehr war es die Herausforderung, so ein historisches Objekt zu sanieren. Wer kann schon sagen, dass er Ziegel von 1500 in der Hand halten kann – und diese dann wieder eindeckt. Das war ganz klar der Peak bei diesem Objekt.“

Arbeiten in luftiger Höhe Ziegel aus dem 15. Jahrhundert genutzt

Der Kirchturm ist 58,50 m hoch und umfasst eine Dachfläche von 385 m2. Die Sanierung der Holzkonstruktion und der historischen Biberschwanzeindeckung wurde komplett von Holzbau Schmäh übernommen. Mit Benjamin Wurster hatte das Unternehmen auch den richtigen Bauleiter gewählt, der in rund neun Monaten Bauzeit das Projekt begleitete, selbst Hand anlegte und die Jahreszeiten in rund 60 m Höhe erlebt hat. Wurster: „Für uns stand zu...

Michael Zenk

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 08/2020



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Letzte Aktualisierung: 22.04.2020