Schimmel raus, neues Dach rein

Unbelüftete Flachdächer in Holzbauweise gelten als kritische Konstruktionen. Warum dies so ist, stellten die Bewohner einer Studentenwohnanlage bereits kurz nach Fertigstellung des Gebäudes fest: durch Schimmelpilzverdacht in der gesamten Konstruktion aufgrund mangelhaft verlegter Dampfsperre. Ein Expertenteam aus Sachverständigen, Abdichtungs-Arge und Bauphysiker brachte die Lösung.

Sanierung unbelüftetes Flachdach Studentenwohnheim Titelstory DDH 03
Schwarze Schimmelsporen an der Unterseite der OSB-Beplankung, dunkle Flecken in der Mineralwolle: Das rund 1200 m² große Flachdach einer Studenten-Wohnanlage musste nach wenigen Jahren bereits neu saniert werden. Fotos: Gärtner

Die Sanierung des Flachdaches einer Studenten-Wohnanlage mit ca. 1200m² Dachfläche wurde erforderlich da durch fehlerhafte verlegte Luftdichtheitsschichten im Inneren des Gebäudes, die gesamte Konstruktion durch Konvektionen Schimmelpilzbelastungen ausgesetzt war und diese sich auch an der Unterseite der Holzwerkstoffplatte (OSB) deutlich zeigten.

Nachweis von Schimmelsporen negativ

Im Planungsstadium erfolgten exemplarische Untersuchungen auf Schimmelpilz welche mit Klebekontaktproben im Labor dann verifiziert wurden. Vor Beginn der Arbeiten wurde eine Luftkeimmessung in Innenbereich des Gebäudes durchgeführt um einen Hinweis oder einen Nachweis auf Schimmelpilzbelastung zu erhalten und nach der Sanierung erfolgte dazu eine Kontrollmessung. In beiden Fällen waren keine Schimmelpilzbelastungen feststellbar so dass daraus auch geschlossen werden konnte dass durch die Sanierungsarbeiten eben keine Schimmelpilze freigesetzt wurden.

Wieder geschlauft, aber diesmal luftdicht

Der baubegleitende Sachverständige erstellte ein Leistungsverzeichnis über die durchzuführenden Arbeiten. Als Sanierungsart wurde die Sanierung von oben, also von außen, gewählt mit einer geschlauften Verlegeart der Dampfsperre, welche auch als luftdichte Schicht dient. Die Gründe für diese Verlegeart lagen unter anderem in der baurechtlich definierten Höhe des Gebäudes so dass eine zusätzliche Aufdachdämmung zu deutlichen Diskrepanzen geführt hätte. Ebenso wurden die Anschlussmöglichkeiten der luftdichten Schicht an die innen vorhandene luftdichte Schicht so besser erkannt und konnten so einfacher appliziert werden. Die innere luftdichte Schicht besteht hier aus zum Teil vorhandenen Putzen die nicht ausreichend hochgeführt sind so dass diese auch mit der entsprechenden von oben zu verlegenden luftdichten Schicht ergänzend ausgeführt werden mussten. Partiell konnte direkt am Ringanker angeschlossen werden.

Zum Fachbuch Schimmelpilze in Gebäuden

Geprüfte Ausführungsvariante inklusive Wufi

Im Jahre 2007 wurde eine fast gleichartige Dachsanierung für den gleichen Bauherrn in einer anderen Stadt vorgenommen. Nach ca. 7 Jahren nach Fertigstellung der damaligen Konstruktion erfolgte eine Untersuchung durch Prof. Oswald, welche bestätige dass der gewählte Aufbau funktionsfähig ist und der Experte stellte unter anderem die Ausgleichsfeuchte der OSB-Platte mit 10% fest. Die anerkannten Regeln der Technik, hier die DIN 4108 Teil 3 sowie das Merkblatt- Wärmeschutz des deutschen Dachdeckerhandwerks, fordern für solche Konstrukte eine instationäre Berechnung. Ein auf solche instationäre Berechnung spezialisiertes Büro wurde hinzugezogen, welches den geplanten Aufbau nach DIN EN15026 nachgewiesen hat (sogenannte WUFI-Berechnung).

Die gute Erfahrung mit der dabei ausführenden Firma, der Abdichtungs-ARGE bestehend aus den Innungsbetrieben Wilh. Bachenberg GmbH aus Puderbach und der Schwickert GmbH & CO KG aus Neuhäusel, war Grundlage der Entscheidung für diese Ausführungsvariante.

Herbert Gärtner

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 03.2019.

Ratgeber Schäden bei der Sanierung

Fachbuch Typische Schäden am Dach

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Uli von dach+holz.tv hat bei den Ausstellern des Holzbau Forums 2019 geschaut, was es so Neues gibt. Jetzt ansehen.

Letzte Aktualisierung: 23.01.2019

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