Schützender Schild für Wikinger

Mangelhafter Holzschutz und eindringende Feuchtigkeit hatten die Dachkonstruktion des Wikinger-Museums in Haithabu zerstört, dass gesamte hölzerne Tragwerk musste ersetzt werden. Die Hauptaufgabe für die Rolf Kleinfeld GmbH: das ursprüngliche Erscheinungsbild der Dachlandschaft wiederherzustellen – mit einer 2,5 mm dicken Bleihaut aus unterseitig verzinntem Kirchenblei.

Wikinger_1
Auf dem Dach kamen Bleischare zum Einsatz, die an Wulsthölzern befestigt sind. Im Hintergrund gut zu erkennen: das während der Sanierungsarbeiten aufgestellte Wetterschutzdach. Fotos: Röhr + Stolberg GmbH

Das Wikinger-Museum in Haithabu steht für hautnah erlebbares Wikingerleben. Ein architektonisches Highlight der Anlage ist das moderne Ausstellungsgebäude: sieben einzelne, bleigedeckte Holzhäuser, die sich wabenartig aneinanderfügen und an eine Flotte Wikingerschiffe erinnern, die kieloben an Land liegen. Nur wenige Orte in Europa präsentieren die Wikingerkultur so anschaulich wie das Museum nahe Schleswig. Auf dem weitläufigen Freigelände kann man zwischen rekonstruierten Wikingerhäusern und einer Landebrücke dem echten Wikingerleben mit allen Sinnen nachspüren. Wie lebten die Menschen in dieser frühmittelalterlichen Stadt, die vom 9. bis zum 11. Jahrhundert ein wichtiges Handelszentrum in Nordeuropa war? Wie gestalteten sich ihre Lebensverhältnisse, welche Waren spülte der Fernhandel an ihre Küste? Was prägte den Alltag der Frauen? Welchen Gefahren waren die Männer ausgesetzt? Archäologen haben unzählige Details darüber herausgefunden und lebensnah in die Ausstellung integriert. Während man die schmalen Bohlenwege zwischen den verputzten Flechtwerkhäusern entlangläuft, meint man fast, die Hämmer der Handwerker, klapperndes Geschirr oder raue Rufe über kabbeligem Wasser zu hören. Möglicherweise inspirierten diese oder ähnliche Vorstellungen den skandinavischen Architekten des Ausstellungsgebäudes zu seiner außergewöhnlichen Bauskulptur. Unterschiedliche Geschichten ranken sich um die ungewöhnliche Form. Die eine besagt, dass der Architekt die Gebäudeform mit Planen abgedeckten Schiffen nachempfunden hat. Eine andere Variante interpretiert die Holzwaben als Wikingerboote, die mit dem Kiel nach oben an Land liegen. Anders als ihre realen Vorbilder jedoch erwies sich diese Konstruktion als undicht. Von außen und innen eindringende Feuchtigkeit griff Dachdeckung und Holzkonstruktion an und gefährdete die Statik.

Korrodierte Bleche und Schimmel im Tragwerk


Dem Gebäude aus dem Jahr 1983 mangelte es an konstruktivem Holzschutz, sodass Feuchtigkeit in sämtliche Holzbauteile eindringen konnte, sie aufweichte und einen Nährboden für Pilze bereitete. Die Schäden machten die grundlegende Sanierung des wabenartigen Komplexes notwendig. Das Großprojekt wird zu über 50 % durch Mittel des Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert. Für die Restaurierung mussten die Dachschalung und die äußere Holzfassade erneuert und Luftdichtigkeit und Dämmung entscheidend verbessert werden. Ein Teil der Feuchtigkeit war von außen eingedrungen. Weil die Belüftungsebenen der Dächer nur unzureichend funktionierten, konnten Kondens- und Regenwasser unter der Dachhaut nicht schnell genug abtrocknen. Zusätzlich hatte Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren die unterschiedlichen Konstruktionsebenen durchdrungen und die Zersetzung der Holzbauteile vorangetrieben.

In einem der sieben Gebäude wird die Luftfeuchtigkeit sogar künstlich auf konstant circa 55 % relativer Luftfeuchte bei 18 °C gehalten, um für die dort ausgestellten mittelalterlichen Wikingerschiffe das richtige Klima zu schaffen. Für die Runderneuerung wurden einzelne Teile aus dem Tragwerk der Wände und Dächer sowie die gesamte Holzfassade zurückgebaut. Alleine mit dem Abriss der alten Bleieindeckung waren zehn Mitarbeiter des Bedachungsunternehmens Rolf Kleinfeld GmbH zwei Wochen lang beschäftigt: Sie nahmen insgesamt 70 t Bleibleche mit einer Stärke von 2 mm ab. Die neue Eindeckung ist stolze 20 t schwerer, weil sie vorschriftsmäßig mit Blechen in 2,5 mm Stärke ausgeführt werden musste.


Jürgen Seifert

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH, Ausgabe 23.2017.

Kommentar verfassen:

captcha