Schwachstelle Kopfnaht

Tipps für die sichere Ausführung von Quer-, Kopf- und anderen Nahtverbindungen bei Polymerbitumenschweißbahnen (PYE/PYP) mit Bestreuung erhalten Sie im ersten Teil unserer neuen Serie Flachdach-Praxis.

ZDH 15 2017 Abb
Optisch saubere Ausführung einer Eckkombination in Polymerbitumenschweißbahn Fotos: Eiserloh

Elastomerbitumenbahnen (PYE) müssen, Plastomerbitumenbahnen (PYP) können mit einer geeigneten Bestreuung bedeckt sein, so der Wortlaut in der aktuellen Fachregel für Abdichtungen. Genau diese Bestreuung bereitet den Ausführenden bei Nahtverbindungen auf bestreuten Oberlagen einige – meist unterschätzte – Schwierigkeiten. Bei Polymerbitumenschweißbahnen mit leichtem Oberflächenschutz liegt der Anlass oft darin, dass die mit wärmestandfestem Polymerbitumen ausgerüsteten Oberlagen die Beschieferung im Nahtbereich nicht oder nicht genügend durchdringen können um eine langfristig wasserdichte Verbindung zu gewährleisten. Die Bestreuung, in aller Regel ein Schiefersplitt, wirkt kapillar und zieht Wasser. Die Folge sind Ablösungen in den geschweißten Nahtbereichen.

Schaut man sich die Qualität der Bestreuung von Hochwertbahnen genauer an, muss man sich die Frage stellen, wie die erwärmte flüssige Bitumenmasse der überdeckenden Bahn durch die Schicht der kleinen fest eingewalzten Schieferplättchen dringen soll? Diese Schieferplättchen können ohne vorbereitende Maßnahmen, meiner Einschätzung nach, keine dauerhafte Verbindung mit der oberen Bitumendeckschicht der unterdeckenden Bahn eingehen. Immerhin könnten bei Abdichtungen mit Elastomerbitumenbahnen (PYE) und geplantem schweren Oberflächenschutz wie Kiesschüttung, Plattenbelägen, Begrünungen und Umkehrdächern im Flächenbereich der Abdichtung, zwecks einfacherer zuverlässigerer Nahtverbindungen, bestreuungsfreie Polymerbitumenschweißbahnen (DU/E1) verarbeitet werden. Der ausführende Betrieb müsste die Bestellung der Schweißbahnen darauf abstimmen und den Mitarbeitern die „neue“, einfachere Vorgehensweise bekannt machen. In den An- und Abschlussbereichen – also bei Oberlagen, die über den schweren Oberflächenschutz hochzuführen sind – sind dann wiederum beschieferte PYE-Oberlagsbahnen erforderlich, die sich aber einfacher und sicherer auf den unbeschieferten/nackten Oberlagsbahnen der Flächenabdichtung aufschweißen lassen.

Schwachstelle Kopfnaht Teil 2
Kontrolle einer sauberen und vermeintlich wasserdichten Nahtverbindung bei Hochwertbahnen. Die Beschieferung ist fast uneingeschränkt im Neuzustand.

Die üblichen Ausführungsfehler

Bei allen Verbindungen, bei denen das unterseitige Polymerbitumen der überdeckenden Bahn unmittelbar auf beschieferte Oberlagsbahnen geschweißt werden muss, häufen sich die Ausführungsfehler und Mängel der Nahtverbindungen in beachtlichem Umfang. Durch die höheren Wärmestandfestigkeiten der heutigen Hochwert-Polymerbitumenschweißbahnen von bis zu 150° C und dadurch bedingten höheren Verarbeitungstemperaturen erfordert es mehr Zeit, bis die obere Deckmasse unter Wärmezufuhr mittels Gasbrenner so weit erhitzt ist, dass die Beschieferung in die warme Bitumenmasse einsinken (einsintern) kann. Diese je nach Bahnentypen unterschiedlichen „Erwärmungszeiten“ muss der Ausführende beim Arbeiten mit der Flamme berücksichtigen. Sinnvollerweise mit einer Probeschweißung einschließlich der Nahtkontrolle vor Beginn der Abdichtungsarbeiten, wie es in ähnlicher Form bei Kunststoffen seit Jahrzehnten gängig ist. Erst wenn sich die dunkle Bitumenmasse sichtbar durch die Beschieferung zeigt, ist der Ausführende in der Lage, die Überdeckung der Schweißbahn unter Druck dauerhaft wasserdicht zu verbinden – Die unterschiedlichen, teilweise fehlerhaften Baustellenvarianten wie das Abziehen der Beschieferung mit einer Kelle oder mittels Drahtbürste.

Schwachstelle Kopfnaht 3
Hier ist deutlich erkennbar, dass die Bestreuung weitest- gehend eingesintert ist und einer einwandfreien Nahtver- bindung nichts mehr im Wege stehen sollte.

So geht´s richtig

Mehrere Bitumenbahnenhersteller liefern seit einigen Jahren bei beschieferten Oberlagsbahnen bestreuungsfreie Kopfnähte und bewerben diese Produktverbesserung als Sicherheitsnähte durch homogene („Masse in Masse“) Verbindungen. Generell gilt: Eine dauerhafte Nahtverbindung auf beschieferten Oberflächen ist ohne eine angemessene Vorbehandlung des beschieferten Nahtbereiches nicht möglich. Bei Abdichtungsarbeiten mit beschieferten Polymerbitumenschweißbahnen ist besonders die Ausführung der Nahtverbindungen auf der beschieferten Oberfläche zu beachten.

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Diese Nähte bedürfen wegen ihrer Vorbehandlung und sorgfältigen sowie gewissenhaften Ausführung einer angemessenen Zeit. Nach dem Anlegen der zu verschweißenden Bitumenbahn wird deren Ende auf der unterdeckenden Bitumenbahn angezeichnet und der Überdeckungsbereich von mindestens 10 cm derart erwärmt, dass die Beschieferung einsintern kann. Dieser Zustand lässt sich durch eine dunkle Verfärbung des Überdeckungsbereiches kontrollieren, da der Schiefersplitt einsinkt und die schwarze Bitumenmasse hervortritt. Bei erkennbaren Unregelmäßigkeiten ist entsprechend nachzuarbeiten.

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Hans Peter Eiserloh

Letzte Aktualisierung: 06.10.2017

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