Selters statt Sekt

Während im Bauhauptgewerbe zum Jahresende sogar Champagner gereicht werden darf, erreicht die wirtschaftliche Entwicklung im Dachdeckerhandwerk nur Selters-Niveau. Dass aber Mineralwasser auf Dauer deutlich gesünder ist als Alkohol, war nur eine Erkenntnis beim diesjährigen Dachkonvent in Berlin.

Dachkonvent Felix Fink
Gab einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des Dachdeckerhandwerks: Felix Fink. Fotos: DDH

Als Treffen von hochrangigen Entscheidern aus der Dachbranche hat sich der Dachkonvent über die Jahre als Netzwerktreffen erfolgreich etabliert. Neben dem zwanglosen Austausch steht bei der traditionell zum Jahresende stattfindenden Veranstaltung immer die Frage im Raum, wie sich die Dachbranche insgesamt wirtschaftlich entwickelt hat. Nach der Begrüßung durch ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk, der aktuelle Projekte des ZVDH sowie die Nachwuchsplattform und den neu gegründeten Lenkungskreis Digitalisierung vorstellte, ging es mit Felix Finks Vortrag direkt in die Zahlen. Und die zeigen weiterhin eine zweigeteilte Situation, berichtete Fink.

Dachdecker haben verstanden

Während die Bauwirtschaft und Bauhauptgewerbe boomten, hätten die Dachdeckerbetriebe zwar viel zu tun, es bleibe aber vergleichsweise wenig übrig, „und das können wir auch belegen.“ Der ZVDH-Diplom-Ökonom bezeichnete die seit 2016 sprunghaft angestiegene Entwicklung im Baugewerbe als „ungesund“. Die eher flache Entwicklung im Dachdeckerhandwerk habe hingegen auch ihr Gutes, „manchmal ist es besser, Wasser von lange gleichbleibender Qualität zu trinken.“ Zumal sich endlich auch bei den Angebotspreisen eine Entwicklung nach oben zeige, die Voraussetzung, um gewinnorientierter zu arbeiten. „Die Dachdecker haben es verstanden“, schloss Fink. Dass mit „den Dachdeckern“ stets eine Gruppe von sehr unterschiedlich strukturierten Betrieben gemeint ist, zeigten einige Zahlenbeispiele: So erwirtschaften die 72 größten Betriebe mit 10% vom Gesamtumsatz aller Dachdecker ebenso viel wie die 6.780 kleinsten Betriebe. Dies liegt auch an der noch immer großen Verbreitung von Kleinstbetrieben – 45 % aller Betriebe haben 1-3 Mitarbeiter.

Wohin geht Europa?

Eine Blick aus der Vogelperspektive auf die europäische Entwicklung lieferte der Impulsvortrag von Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. Marx blickte dabei auf die Anfänge der „Erfolgsgemeinschaft Europa“ zurück und verdeutlichte ihre Errungenschaften – vom freien Binnenmarkt über das Wirtschaftswachstum bis hin zur Überwindung der Teilung Europas im Kalten Krieg. Die unbestreitbaren Vorteile des heutigen Europas werden aber zunehmend verdrängt von negativer Wahrnehmung der europäischen Gegenwart – Bürokratiemonster, Angst vor Überfremdung, Nationalismen. Nun stehe Europa am Scheideweg, konstatierte Marx und zeigte vier mögliche Zukunftsszenarien des „Hauses Europa“ auf, die die Friedrich-Ebert-Stiftung entwickelt hat. Marx plädierte für eine Abkehr vom einheitlichen Zusammenwachsen oder Auseinandergehen, es gehe vielmehr um gute Lösungen. Der Meisterbrief sei ein gutes Beispiel, wie sich eine nationale Lösung als Stabilitätsfaktor bewährt habe. Sein Fazit: „Wir brauchen nicht das Europa des kleinsten gemeinsamen Nenners, sondern ein Europa des Best Practice mit gemeinsamen Leitlinien.“

Fachregeln in BIM integriert

Dachkonvent Claudia Büttner
Claudia Büttner stellte die aktuellen und geplante Marketing-Maßnahmen in den Kanälen Whatsapp, Instagram und Snapchat vor.

Einen ganz anderen Blick in die nahe Zukunft bot der Vortrag von Gerald Faschingbauer, Geschäftsführer beim Softwarehaus Dr. Schiller & Partner. Gemeinsam mit Rudolf Bleser, Geschäftsführer der Rudolf Müller Mediengruppe, zeigte Faschingbauer, wie Zentralverband, Softwareentwickler und Medienhaus gemeinsam eine Lösung entwickelt haben, das Fachregelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks in den BIM- (Building Information Modeling) Prozess zu integrieren. Der BIM-Datenaustausch nach ISO 16739 (IFC) werde durch eindeutige Schlüsselnummern für Bauteileigenschaften unterstützt. Zu den verknüpften Daten gehörten neben den Fachregeln auch die DIN-Baunormen und die VDI-Richtlinien. Rudolf Bleser verwies auf die Steigerung der Produktivität durch die Integration in die Anwendung. „Darüber hinaus schaffen wir Sicherheit unter dem Aspekt der Technik des Rechts. Das ist, was alle wollen am Bau.“ Abschließend stellten Marketing-Geschäftsführer Guido Vandervelt und Pressesprecherin Claudia Büttner, die den Dachkonvent moderierte, die neue Bewerberplattform vor. Zurzeit steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie die junge Zielgruppe von Schülerinnen und Schülern auf die Seite gezogen werden kann. Claudia Büttner stellte dazu die aktuellen und geplanten Marketing-Maßnahmen in den Kanälen Whatsapp, Instagram und Snapchat vor. Auf der DACH+HOLZ International werden zudem zwei Jugendbotschafter unterwegs sein.  //

Malte von Lüttichau

Letzte Aktualisierung: 11.12.2017

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