Sicher auf der Sprosse

Wie lang darf eine Leiter maximal sein? Wie hoch muss sie über den Anlehnpunkt hinausragen? Ab welcher Dachneigung dürfen Auflegeleitern von Dachdeckern nicht mehr eingesetzt werden und wie genau hängt man sie auf?

Sicher auf der Sprosse
Sind alle Sprossen intakt, sind die Standfüße in Ordnung, ist die Spreizsicherung der Stehleiter beschädigt – und ist die Leiter überhaupt geeignet? Foto: ABS Safety

Leiterstürze führen seit jeher die Statistiken der Absturzunfälle an. Zu den am stärksten betroffenen Gewerken gehören dabei der Hoch- und Dachbau. Trauriger Fakt: Die Unfallursache ist trotz regelmäßiger BG-Aktionen und klarer Empfehlungen nach wie vor in neun von zehn Fällen eine Fehlbenutzung. Dabei genügen oft ein sorgsamer Blick und einfache Hilfsmittel, um zu verhindern, dass die Leiter kippt oder wegrutscht. Stürze mit der Leiter werden daher immer noch unterschätzt. Dabei haben sie nicht selten komplizierte Brüche und schwere Kopfverletzungen zur Folge. Defekte Leitern sind jedoch eher selten die Unfallursache. Hauptgrund für die rund 9.000 Leiterunfälle, die sich laut Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft jedes Jahr auf Deutschlands Baustellen ereignen, ist das Verhalten der Anwender. Leitern werden allzu oft nicht sicher aufgestellt, es werden ungeeignete Leitern verwendet – oder der Nutzer lehnt sich schlichtweg zu weit hinaus und bringt die Leiter so aus dem Gleichgewicht. Leidtragende sind laut Statistik der DGUV meistens Dachdecker, Zimmerer und andere im Hochbau tätige Handwerker.

Aufstellen, anlegen oder auflegen

Aufstell-, Anlege- und Auflegeleitern gehören zur festen Ausrüstung des Dachdeckers. Sonderlich kompliziert sind diese Hilfsmittel nicht; dennoch müssen Berufstätige bei der Nutzung von Leitern ein paar Dinge beachten, um den teils schwerwiegenden Unfällen vorzubeugen. Zunächst sollte jede Leiter vor der Verwendung kurz auf Mängel untersucht werden: Sind alle Sprossen intakt, sind die Standfüße in Ordnung, ist die Spreizsicherung der Stehleiter beschädigt – und ist die Leiter überhaupt geeignet? Denn wer seinen Arbeitsort zum Beispiel nur erreicht, wenn er auf die oberste Sprosse seiner Anlegeleiter steigt, der nutzt eine deutlich zu kurze Leiter und provoziert einen Sturz. Zudem dürfen Anlegeleitern nur dann als Aufstieg genutzt werden, wenn die zu erreichende Plattform nicht höher als 5 m liegt. Als Aufstieg genutzt müssen Anlegeleitern deutlich über die (Dach-)Kante hinausragen, und zwar mindestens 1 m. Nur so kann man die Dachfläche sicher betreten – und vor allem sicher verlassen. Dachdecker und Co. sollten zudem darauf achten, dass die Leiter gerade und sicher aufgestellt ist, sodass kein Wegrutschen begünstigt wird. Dafür müssen die Leiterfüße sicher und auf einer Höhe stehen. Zusätzliche Stabilität bieten Traversen am Leiterfuß oder Spitzen, die sich beim Aufstellen in weiche Erdböden bohren. Zudem sind manche Fußtraversen dazu geeignet, Höhenunterschiede auszugleichen. Auch oben muss die Leiter sicher angelegt werden. Stark abgerundete Untergründe wie Laternenmaste oder Rohre sind dafür grundsätzlich ungeeignet. Ein möglichst planer und fester Untergrund sorgt für einen sicheren Stand. Zusätzlich kann man die Leiter mit einer sogenannten Leitersicherung versehen. Diese ergänzt die Leiter um zwei Haken, sodass sie rutschfest an Kanten angelegt werden kann. Alternativ kann man eine Leitersicherung allerdings auch direkt an der Fassade, Dachkante oder Regenrinne fixieren. Der Vorteil: Man stabilisiert auf diese Weise nicht nur die Leiter, sondern markiert zugleich vom Boden aus leicht erkennbar einen sicheren Zugang zur Dachfläche. Auch bei der Verwendung von Auflegeleitern sind einige Aspekte zu beachten: Zunächst muss die Leiter möglichst mittig in den Sicherheitsdachhaken eingehängt werden.

Michael Podschadel

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 04.2017

Letzte Aktualisierung: 26.02.2018