Sicher bei Eis und Schnee

Während Schneefangsysteme bisher in der Regel nicht statisch bemessen und nicht auf die Schneelasten abgestimmt wurden, gilt nun die generelle statische Nachweispflicht.

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Bei der Bemessungsgrundlage von Schneeschutzeinrichtungen ist der Dachdecker generell in der Nachweispflicht. Dabei steht die Berechnung des Widerstandes von Schneefangsystemen gegen herabrutschende Schneemassen ebenso im Fokus wie die Berechnung der statischen Belastung durch die einwirkende Schneelast. Fotos: Creaton

Für den Dachdecker heißt dies konkret: Die objektbezogene Lastermittlung des Schneeschutzsystems. Dabei spielen die Anwendungsfälle „Verkehrssicherungspflicht“ oder der „Schutz tieferliegender Gebäude“ eine maßgebliche Rolle. Die Festschreibung erhöhter Anforderungen hat natürlich ihren guten Grund. Sie resultieren aus den Gefahren, die mit den zunehmenden Wetterextremen infolge der Klimaveränderung größer und unberechenbarer werden. Je extremer die Winter, desto höher die Anforderungen an das Dach. Die bislang gültigen Regeln zur Lastenermittlung für Schneelasten im Fachregelwerk des ZVDH, die auf den niedrigeren Werten der alten DIN 1055 beruhten, wurden auf Basis der Europanorm EN 1991-1-3 verschärft. Das Ergebnis: die DIN EN 1991 Eurocode 1-3: „Einwirkungen auf Tragwerke – Schneelasten“. Sie ersetzt seit 1. Juli 2012 als technische Baubestimmung die bisherige DIN 1055-5 „Schnee- und Eislasten“. (In Österreich wurden die Belastbarkeiten von Gebäudeeindeckungen im April 2006 durch die ÖNORM B 1991-1-3:2006-04-01 gesetzlich neu vorgegeben, wobei die Werte wesentlich erhöht wurden.) Konsequenterweise wurden auch die ZVDH-Fachregeln an die neuen Anforderungen und Normen angepasst, so in den „Hinweisen zur Lastenermittlung“ und dem neuen Merkblatt für Einbauteile bei Dachdeckungen. Der ZVDH hat in seiner Aktualisierung des Regelwerks die Berechnungsgrundlage für die Bemessung der Anlage definiert. Seit Januar 2013 gilt nicht nur eine „Norm-Ausnahme-Berechnung“, sondern eine generelle Nachweispflicht.

Geänderte Spielregeln
Schon früher war der Einbau von Schneefangsystemen nicht völlig ins Belieben des Hausherrn gestellt, sondern ergab sich aus der Landesbauordnung, der Musterbauordnung und der Verkehrssicherungspflicht des Hauseigentümers. In der Musterbauordnung wird Folgendes definiert:
„(8) Dächer an Verkehrsflächen und über Eingängen müssen Vorrichtungen zum Schutz gegen das Herabfallen von Schnee und Eis haben, wenn dies die Verkehrssicherheit erfordert.“
Doch während Schneefangsysteme bisher in der Regel nicht statisch bemessen und nicht auf die Schneelasten abgestimmt wurden, gelten nun erhöhte Anforderungen auch an die Einbauteile einer Dachdeckung. Dabei steht die Berechnung des Widerstandes von Schneefangsystemen gegen herabrutschende Schneemassen ebenso im Fokus wie die Berechnung der statischen Belastung durch die einwirkende Schneelast.

In der Haftung
Dabei müssen – egal, ob Neubau oder Sanierung – alle Schneefangsysteme, die neu auf dem Dach montiert werden, auch berechnet werden. Nur so kann der Eigentümer eines Hauses seiner Verkehrssicherungspflicht auch wirklich nachkommen. Tut er das nicht, muss er generell für die Schäden haften, also zum Beispiel für die Folgen einer Lawine vom Dach seines Hauses, die durch geeignete Schneeschutzmaßnahmen hätte vermieden werden können. Auch für den Handwerker ist eine Beachtung dieser Neuregelung verpflichtend. Denn da sich mit Inkrafttreten der ZVDH-Richtlinie der Stand der Technik ändert, ist wie schon zuvor bei der Windsogsicherung die unzureichende Dimensionierung der Schneesicherung eine mangelhafte Handwerksleistung, für die der Handwerker im Falle eines Falles in der Haftung steht.
Objektbezogene Berechnung
Die ZVDH-„Hinweise zur Lastenermittlung“ fordern die objektbezogene Bemessung von Schneefangsystemen unter Berücksichtigung der systembezogenen Tragfähigkeiten nach Herstellerangabe. Dafür gelten folgende Parameter, die sich aus der geografischen Lage ergeben:
die Schneelastzone
die Höhenlage über Normalnull.

Gewusst, wo! Ganz Deutschland ist Schneelastzone – mal mehr, mal weniger. Analog zur Windzonenkarte für die Berechnung der Windsogsicherung mit Sturmklammern wird Deutschland auf der Schneelast-Karte DIN EN 1991 1-3 auch in Schneelastzonen eingeteilt. Grafik: Creaton

Denn analog zur Windzonenkarte für die Berechnung der Windsogsicherung mit Sturmklammern wird Deutschland auf der Schneelast-Karte DIN EN 1991 1-3 auch in Schneelastzonen eingeteilt. Das heißt: Das Schneeklima wird in den Normen durch eine Schneelastzonenkarte erfasst, welche die Schneeintensität für verschiedene geografische Regionen angibt:

Die Zone 1 umfasst das Rheintal, die Rheinische Tiefebene und Teile Süddeutschlands
Zone 1a die Region um München, Augsburg und Regensburg
Zone 2 große Teile Nord- und Ostdeutschlands
Zone 2a Hochschwarzwald, Rhön und Sauerland
Zone 3 Alpen, Bayerischer Wald, Thüringer Wald, Erzgebirge, Harz und Vorpommern.

Klaus Steinbach

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 1-2.2014.



Letzte Aktualisierung: 17.01.2019