Sicherheitshaken am Dach: Dokumentation & Überprüfung

Im zweiten Teil unserer Serie zum Thema Dachhaken erläutert der Autor die Grundlagen und Vorgehensweise einer Dokumentation. Darüber hinaus wird das komplexe Thema „Überprüfung und Inspektion vorhandener Sicherheitsdachhaken“ behandelt.

Sicherheitshaken Teil 2 Groß ZVDH
Bei allem Handeln auf der Baustelle ist immer gesunder Menschenverstand gefragt. Bei der PSAgA gibt es keinen Spielraum für Ausreden. Foto: DDH

Umstritten ist, ob sich aus den in Teil 1 (siehe DDH 20.2019 oder hier ) genannten Normen und Vorschriften direkt ableiten lässt, ob diese eine Einbaudokumentation explizit für Sicherheitsdachhaken verlangen.

Neben den genannten Grundlage aus der Musterbauordnung ist es jedoch Fakt, dass Sicherheitsdachhaken nach DIN EN 517 auch als Anschlagpunkte benutzt werden dürfen und somit eine Dokumentationspflicht naheliegend ist.

Für Anschlagpunkte generell – sinngemäß übertragbar auf TYP B Sicherheitsdachhaken – wird in der DGUV Information 201-056 eine Dokumentation beschrieben. Diese kann darüber hinaus z.B. für Produkte mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) vorgeschrieben sein.

Empfehlung Vorgehensweise Dokumentation

In der Baupraxis ist nachfolgende Vorgehensweise abzuleiten und wird vom ZVDH empfohlen:

a) Für jeden Untergrund und jede Sicherheitsdachhakenart ist jeweils eine Dokumentation zu erstellen.

b) Die erforderlichen Mindestangaben sind der DGUV Information 201-056 zu entnehmen. Demzufolge ist nicht jeder Sicherheitsdachhaken in Wort und Bild zu dokumentieren.

c) Über einen „Dach-Schemaplan“ bzw. eine Übersichtsskizze ist u.a. das Auffinden der Anschlagpunkte bei Schneeräumungsarbeiten zu ermöglichen. Wie bereits erwähnt, gilt die DIN 4426 nicht für Schneeräumung auf Dächern. Bei der Planung und Errichtung baulicher Anlagen sollten jedoch Maßnahmen für die sichere Durchführung von Schneeräumarbeiten berücksichtigt werden.

d) Der Unternehmer sollte eine Unternehmererklärung verfassen und unterschreiben, in der der Einbau gemäß beschriebener einmaliger Dokumentation erklärt bzw. zugesichert wird.

Überprüfung und Wartungsintervalle

Ein schwierigeres Thema ist die Prüfung und Inspektion vorhandener Sicherheitsdachhaken: Einerseits wegen der zerstörungsfreien Umsetzbarkeit, der Diskussion über die Begriffe „Befähigter“ und „Sachkundiger“ oder generell, wer hierzu berechtigt ist und andererseits wegen der Akzeptanz. So hängen nicht wenige Dachdecker ihre Leitern nur in von ihnen selbst eingebaute Dachhaken ein, ungeachtet dessen, wie häufig fremde Dachhaken geprüft wurden oder nicht. Andere wiederum vertrauen auf ihr Gefühl während des Einhängens der Deckleiter, einhergehend mit ein paar ordentlichen Rucken (ein praktikables Prüfgerät für Rüttelproben mit 70kg fehlt in den meisten Werkzeugkisten und ist noch nicht reguliert). Darüber hinaus wird über die Wartungsintervalle diskutiert. Während es Sinn macht, diese Dachhaken im üblichen Wartungszyklus mit zu prüfen, kann dem Anhang 4.1 der DGUV 201-056 entnommen werden, dass Sicherheitsdachhaken keine Vorrichtungen sind, die als Teile eines Verkehrswegs für Dritte bzw. der dafür nötigen Bauteile Verwendung finden sollen.

Über die Personengruppen, die den Anschlagpunkt nutzen werden, kann die Ausstattungsklasse abgeleitet werden, in diesen Fall Ausstattungsklasse 1 (Personen der Dachberufe). Aus dem geringen Nutzungsintervall leitet die DGUV eine „sehr geringes“ Wartungsintervall von mehr als 5 Jahren ab. Dies mag sich für ein Menschenleben betreffendes sicherheitsrelevantes Bauteil zugegebenermaßen wenig anhören, inhaltlich ist dieser Sachverhalt aber über nachfolgende Argumente abzuleiten:

  • Wie bereits erwähnt können Sicherheitsdachhaken aus feuerverzinktem Flachstahl oder aus verformbarem Edelstahl hergestellt werden und entsprechen nach DIN EN ISO 12944 einer Korrosionsschutzklasse mit einer Alterungsbeständigkeit von mindestens 15 Jahren. Eine Überprüfung der Sicherheitsdachhaken durch eine Sichtkontrolle kann also bezüglich Korrosion im Intervall zeitlich gedehnt werden.
  • Sicherheitsdachhaken sind in Abhängigkeit der Dachdeckungsprodukte und der verwendeten Hilfsmaterialien oftmals nur durch zerstörerische Prüfung (zum Beispiel Entfernung der durch Windsogsicherungsmaßnahmen befestigten Dachziegel) in ihrer mechanischen Befestigung und der Funktionstüchtigkeit bewertbar. Eine kurzfristigere Wartung ist in diesen Fällen kontraproduktiv. Ebenso ist eine sachgemäße Beurteilung des lastaufnehmenden Untergrunds (Holz, Befestiger, Schienensysteme) nur durch augenscheinliche Prüfung möglich.
    Demzufolge ist es ratsam, in Anlehnung an das in der oben genannten DGUV-Information ­aufgeführte Schema zur Prüfung von Anschlageinrichtungen vorzugehen.

DGVU Information
Auszug aus der DGUV-Information 201-056 „Planungsgrundlagen von Anschlageinrichtungen auf Dächern“, Seite 21 Quelle: „DGUV-Information 201-056“, Illustration: hutterdesign

Demzufolge ist es ratsam, in Anlehnung an das in der oben genannten DGUV-Information ­aufgeführte Schema zur Prüfung von Anschlageinrichtungen vorzugehen.
Eine Prüfung ist letztlich nur durch eine Beurteilung des Korrosionsschutzes und der Lastaufnahmefähigkeit über eine Rüttelprobe möglich, die voraussichtlich in der neuen DIN EN 17235 reguliert wird. Diese Prüfung kann in der praktischen Objektbegleitung während der Nutzungsdauer der Dächer, der Inspektion oder der darüber hinausgehenden Wartung durch den fach- und sachkundigen Mitarbeiter des Dachdeckerbetriebs durchgeführt werden.

Wer ist sachkundig?

Wir sehen in der Regel unsere Dachdeckergesellen und -gesellinnen bereits als Fach- und Sachkundige. Ergänzt um Kenntnisse über regelmäßige Überprüfung und über die Anleitung des Herstellers sieht das der gesetzliche Unfallversicherungsträger ebenfalls so. Einige Hersteller von Anschlageinrichtungen für Flachdächer legen jedem Produkt eine Anleitung und ein Formblatt zur Dokumentation bei und geben den Ausführenden somit eine gewisse Handlungssicherheit.

Für die sachkundige Prüfung von Anschlageinrichtungen, die Bestandteil einer baulichen Einrichtung oder Maschine sind, gelten Personen als befähigte Personen, wenn sie als Sachkundige für Anschlageinrichtungen, zum Beispiel gemäß BGG 906, ausgebildet sind.
Zum anderen wird auf Grundsätze verwiesen, die in sich selbst ihre Anwendung auf Anschlagpunkte ausschließen. So findet sich der frühere BG-Grundsatz 906 in dem jetzt gültigen
DGUV-Grundsatz 312-906 wieder, in dem es unter Abschnitt 1 „Anwendungsbereich“ heißt:
„Dieser Grundsatz gilt nicht für die Qualifizierung von Personen, bei denen der Hersteller eine Autorisierung verlangt und/oder besondere Qualifizierungen gefordert sind, wie zum Beispiel für die Überprüfung von:

  • […]
  • dauerhaft befestigten Anschlageinrichtungen (zum Beispiel auf Dächern, an Fassaden und Konstruktionen)
  • […]"

Hans Christian Groß

Den ausführlichen Artikel mit weiteren Hinweisen finden Sie in der Ausgabe DDH 21/22.19


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Letzte Aktualisierung: 19.11.2019