So weit die Füße tragen

Die letzten 140 Kilometer auf dem Jakobsweg mit Dachdeckermeistern in Zunftkleidung. Wie aus einer verrückten Idee, eine imposante Reise wurde.

Jakobsweg_Treppe
Die Pilgergruppe vor der Kathedrale in Santiago de Compostela Foto: Christian Giesen

Es schien eine „Schnapsidee“ zu sein, die eine Handvoll Dachdeckermeister am Rande des Bundeskongresses in Freiburg im Mai 2013 entwickelten: Wir gehen gemeinsam das letzte Stück des Jakobsweges bis nach Santiago de Compostela und zwar komplett in Zunftkleidung. Einer nahm die Sache besonders ernst und kümmerte sich um die Organisation. Jürgen Gerbens, Dachdeckermeister und Geschäftsführer der GFW-Dach Gesellschaft zur Förderung des westfälischen Dachdeckerhandwerks in Eslohe, stieß durch Zufall auf das Reiseunternehmen Pilgino, dass sich auf den Pilgerweg spezialisiert hat.

Wir sind dann mal weg

Nachdem die Gruppe komplett war, stand fest: es werden insgesamt 140 km aufgeteilt in sechs Tagesetappen bis nach Santiago de Compostela gewandert. Pilgerherbergen und Pilgerabendessen wurden vom Veranstalter vorgebucht. Ebenfalls inklusive: der Transport unseres Gepäcks zum jeweils nächsten Etappenziel, so dass wir „nur“ mit unserem Tagesrucksack wandern konnten. Zum Abschluss in Santiago de Compostela dann der Besuch der Pilgermesse und einen Tag Pause. Danach ging es nach genau einer Woche wieder nach Hause.

Der Weg ist nicht das Ziel

Ein Fazit vorneweg: wohl alle Teilnehmer waren mehr als beeindruckt über das Erlebte auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Die 16-köpfige Gruppe, die sich bis dahin nur aus dem beruflichen Umfeld kannte, hat einen echten Gruppenspirit entwickelt, obwohl jeder für sich und im eigenen Tempo wanderte. Zum Frühstück und zum Abendessen traf man sich gemeinsam, um vom Tag und den Wandergeschichten zu berichten. Der Weg ermöglicht einem Begegnungen mit Menschen aus aller Welt und alle haben automatisch das gleiche Ziel: ankommen in der Pilgerstadt Santiago de Compostela. Das sorgt für ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl, egal, wer man ist und woher man kommt. Bekräftigt wird dies durch den gemeinsamen Gruß „Buen Camino“ (Guten Weg!), den man dutzendfach auf den Etappen hörte. Klar wurde außerdem: Der Weg ist nicht das Ziel, sondern das tatsächliche Ankommen am großen Pilgerplatz vor der Kathedrale. Ein Ziel zu erreichen, auch wenn man Rückschläge, Schwächephasen, Hindernisse und Schmerzen überwinden muss, ist ein großartiges und sehr befriedigendes Gefühl.

Elke Herbst auf dem Jakobsweg
Auf dem Weg und fast schon da: Elke Herbst auf dem Pilgerweg nach Santiago Foto: Ulrich Lutter

Das war auch in unserer Gruppe die herausragende Erkenntnis. Belohnt wurde die Gruppe am Ziel mit einer sehr pulsierenden Mischung aus Tourismus, Universitätsstadt und Pilgerort mit einer schönen Altstadt und einer prunkvollen Kathedrale. Höhepunkt war sicher die Pilgermesse, an der hunderte Menschen teilnahmen, und die Tour über die Dächer der Kathedrale. Die acht Dachdeckermeister haben ihr Wort gehalten und sind jeden Meter in Zunftkleidung gewandert. Das sorgte für viele große „Hallos“ bei den anderen Pilgern und sie sind nun auf vielen Erinnerungsfotos der internationalen Jakobsweg-Pilgerschaft verewigt .

Elke Herbst

Welche Dachdecker mitliefen steht in DDH 12/2014.

Weitere Bilder von der Reise auf Facebook .

Letzte Aktualisierung: 16.06.2014

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