Sperrfolie: Zwei Fälle, ein Ergebnis

Was passiert, wenn die Verlegung der Sperrfolien als Dampfsperre und Luftdichtheitsschicht auf Stahltrapez mangelhaft ausgeführt ist, schildern wir in zwei Fällen. Wenn der Auslöser auch unterschiedlich war, das Ergebnis der Untersuchung war gleich – und zwar verheerend.

Sperrfolie 3.4
Auch hier wurde die Dampfsperrebene direkt oberhalb der Stahltrapezprofile angeordnet, allerdings in Form einer Dampfsperrfolie. Alle Fotos: Holzapfel

Ein Schadensfall ereignete sich am Neubau eines mehrgeschossigen Bürohauses, dessen Decke aus Stahltrapezprofilen bestand mit Wärmedämmung, Abdichtung, Dampfsperre und innen abgehängten Deckenbekleidungen. Wenige Monate nach Bezug des Gebäudes bemängelten die Bauherren an den Außenwänden ablaufendes Wasser. Architekt und Dachdecker inspizierten die Dachabdichtung, konnten aber keine Leckagen finden. Erst nach Öffnen von Abdichtung und Dämmschicht traten die verheerenden Ursachen zutage:

Beispiel 1: Von Innen her durchgefeuchtet

Als Dampf- und Luftsperre war eine Bitumenkaltselbstklebebahn verlegt, die Querstöße jedoch über den Untergurtgräben durchhängend. Die Klebenähte der Dampfsperre waren dort nicht dicht verschweißt, der notwendige Anpressdruck in der Schweißnaht war wohl nicht zustande gekommen. Gegen die Attika waren die Sperrbahnen hochgeführt, jedoch nicht dicht verklebt, weil der notwendige Voranstrich fehlte, und außerdem waren die Sperrbahnen faltig verlegt, sodass offene Luftleckagen entstanden.

Im Ergebnis war die Abdichtung nicht undicht, jedoch war feuchtetragende Innenluft in die Dämmschicht gelangt, an der Tauzone kondensiert, in den Gräben der Stahltrapezprofile in Richtung auf die Attika und dort an der Außenwand abgelaufen.

Beispiel 2: Folie als Behelfsdeckung

Geradezu dramatisch verhielt es sich auch im Zuge einer Flachdachsanierung über einem Veranstaltungszentrum.

Die Altabdichtung über der vorhandenen Stahltrapezprofil-Dachdecke hatte der Unternehmer in einem Zug abnehmen lassen und als erste Dichtmaßnahme eine Kunststoff-Dampfsperrfolie verlegt.

Der Dachdecker verteidigte sich damit, er hätte exakt nach den Vorgaben der Fachregeln für Abdichtungen gearbeitet, die vorgibt, dass Querstöße über Stahltrapezprofilen mit Blechstreifen zu unterlegen und zu verkleben seien. Die Handwerker hatten zwar diese Regel genau befolgt, sie war aber nicht erfolgreich und nicht ausreichend. Hinzu kam, dass in diesem Fall die Sperrfolie als Behelfsabdichtung eingesetzt war und die Folie keine diesbezügliche Zulassung hatte. Jedermann kann sich vorstellen, wie der Streit um diesen Schaden ausgegangen sein muss.

So geht es richtig: das Wananas-Bad in Herne

Das neu errichtete Hallen- und Freibad in Herne bekam ein leicht geneigtes, wärmegedämmtes Flachdach über einer Stahltrapezprofildecke mit außen liegender Dachauskragung. Es versteht sich, dass der Dampfsperre und insbesondere der Luftdichtheit äußerste Bedeutung zukamen.

Dampfsperre Paradebeispiel
Paradebeispiel Wananas-Bad in Herne: Hier sorgte der baubegleitende Sachverständige dafür, dass sämtliche Längsnähte der Bitumenschweißbahn als Dampfsperre druckfest auf den Obergurten angeordnet wurden. An den Kopfstößen ordneten die Dachdecker druckfeste Sickenfüller an, um ein Durchhängen der Bahn zu verhindern.

Ich hatte daher einen verklebten Dachaufbau und eine Bitumenschweißbahn als Dampf- und Luftsperre vorgegeben. Für die Ausführung war die Vorgabe, die Dampfsperrbahnen in Profilrichtung zu verlegen und Längsnähte über Obergurten zu überlappen und zu verschweißen. Für die Quernähte schrieb ich Sickenfüller aus festen ­Mineraltrapezblöcken vor, die den Quernähten jeweils zu unterlegen waren. So gelang eine absolut dampf- und luftdichte Schicht über der Trapezprofilschale. Um die Luftdichtheit im Bereich der Außenwände sicherzustellen, wurden die auskragenden Dachteile seitlich über Kragträger abgehängt. Die Sperrbahnen konnten so an den Außenwandriegeln herabgeführt und luftdicht verklebt werden.

Walter Holzapfel

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in DDH 16/19


Schäden an Abdichtungen

Zahlreiche Praxisfällle anschaulich erläutert: Die 2. Auflage entspricht dem Stand der aktuellen Flachdachrichtlinie aus Dezember 2016 mit Änderungen November 2017 sowie der neuesten Normgebung.


Letzte Aktualisierung: 30.08.2019