Dr. Dach eröffnet Sprechstunde: Problemlösungen und Diskussionen

Nachwuchsprobleme, Behördenquälerei oder fachtechnischer Notstand – in unserer neuen Rubrik Dr. Dach geben wir ihren Problemen das passende Podium. Schreiben Sie Dr. Dach, was Ihnen im Dachdeckeralltag auffällt und was nervt.

Dr. Dach, Brigitte Latsch, Dachdecker
DDM Brigitte Latsch kennt aus eigener Erfahrung die Nöte und Sorgen der Dachdecker. Foto: DDH

Das Stöhnen ist groß. Alle reden davon, dass der Mittelstand wegbricht. Vor allem kleine Betriebe leiden unter überbordender Bürokratie und Vorschriften, die sich nur Theoretiker einfallen lassen können. Was aber bestimmt nicht hilfreich ist: Ignorieren der Vorschriften. Der selbstständige Handwerksmeister im Kleinbetrieb ist in einer prekären Situation. Natürlich will man alles richtig machen, aber seien wir ehrlich, sämtliche Vorschriften und Regeln zu erfüllen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es fehlt oft an Zeit, an Einsicht der Kunden und am Willen der Mitarbeiter. Manchmal ist es auch schlicht und einfach Unwissenheit über neue Vorgaben. Aber es wird nicht gejammert, es wird angepackt und weitergemacht. Bestenfalls geht alles gut, schlimmstenfalls endet man im Ruin, weil dieses oder jenes falsch gemacht wurde.

Wir haben überlegt, welche Rolle DDH dabei spielt. Vorrangig, und das ist der erste Schritt, können wir Ihre Probleme kundtun. Leider können wir sie nicht alle lösen, aber wir wollen uns kümmern. Bestenfalls – so stellen wir uns das vor – können wir Ihnen helfen, einige davon aus der Welt zu schaffen oder Ansprechpartner zu vermitteln. Wenn wir IHR Dilemma veröffentlichen, wird sich hoffentlich eine rege Diskussion ergeben. In loser Folge, aber regelmäßig, soll eine Serie mit Ihren Beiträgen und Anregungen entstehen. Es soll ja auch helfen, sich ganz einfach mal so richtig auszu… sprechen. Den Anfang machen wir zum Thema „Unternehmererklärung“.

Herzliche Grüße aus der Redaktion

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Unternehmererklärung, ignorieren statt ausfüllen?

Vor ein paar Wochen erklärte ein Dachdecker, dass er noch nie eine Unternehmererklärung abgegeben habe. Die Vorschriften der EnEV erfülle er auch nicht immer, da die Bauherren sich einfach verweigerten. Auf Nachfrage, ob er keine Angst vor Sanktionen habe, bemerkte er schulterzuckend: „Kontrolliert ja doch keiner“.

Auch wenn es tatsächlich noch keine Regel ist, dass private Bauherren und somit auch Ihr Auftragnehmer kontrolliert werden, ist es keine gute Idee, „Mein Name ist Hase“ zu spielen. Es gibt Fälle, in denen ein Bußgeld verhängt wurde. Man kann die EnEV nicht umgehen oder durch eine Vereinbarung mit dem Kunden aushebeln. Hier würde auf beiden Seiten ein Bußgeld fällig. Der Kunde aber ist verantwortlich für deren Einhaltung. Natürlich kann der Kunde innerhalb eines bestimmten Zeitraums das von außen sanierte Dach von innen selbst dämmen – zumindest beim Steildach meist ohne große Probleme technisch möglich. Aber der Unternehmer sollte sich dann schriftlich bestätigen lassen, dass er über die Nachrüstpflicht informiert hat und dass der Kunde sich verpflichtet, diese auszuführen. Auch wenn es ein bürokratischer Aufwand ist, das alles kann in der Unternehmererklärung festgehalten werden. Hierin wird nicht nur die regelkonforme Ausführung bestätigt. Wenigstens jedoch muss auf der Rechnung der Hinweis stehen, dass der Dachdecker den Kunden über das Gesetz und die damit verbundenen Pflichten informiert hat.

Kein Gesetz ohne Ausnahme

Die Verordnung hält natürlich auch etliche Ausnahmeregelungen bereit. Eine davon wäre die Befreiung wegen unbilliger Härte nach § 25 EnEV. Diese liegt vor, wenn die Anforderungen im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer bzw. bei Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können. Hier wären zum Beispiel Zusatzkosten zu nennen, die die einer Dämmmaßnahme noch übersteigen, wie Verbreiterung des Dachüberstands und von Fensterbänken, die Erneuerung sämtlicher Anschlüsse oder An- und Aufbauten. Die untere Bauaufsichtsbehörde kann auf Antrag des Bauherrn eine Ausnahmeregelung erteilen und befreit von den Anforderungen der Verordnung. Der Aufwand hier ist ebenfalls nicht unerheblich, da Zusatzkosten und Einsparpotenzial gegengerechnet werden müssen, aber zwingend notwendig. Die Ausnahme muss von der Behörde genehmigt werden und ist vom Bauherrn vorzulegen. Viele Ausnahmeregelungen bietet auch die Ausführungsverordnung, die das Deutsche Institut für Bautechnik Berlin auf einigen hundert Seiten erarbeitet hat.

Download: Unternehmererklärung EnEV 2014

Quelle: ea-tut.de

Dr. Dach auf Whats-App

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Foto: WhatsApp

Die leidigen Verordnungsvorschriften, Ärger mit dem Bauherrn, die technisch wirklich richtigen Ausführungsdetails, Architekten ohne Praxiswissen und natürlich die Suche nach passenden Mitarbeitern – auch wenn die Aufträge da sind, die Probleme werden nicht weniger. Wir nehmen ihre beruflichen Sorgen ernst und geben ihnen mit unserer neuen Serie „Dr. Dach“ das passende Podium. Onlineplattformen, wo schnell mal gelikt und gemotzt wird, sind dafür oft kaum geeignet. Wir drucken ihren Leserbrief ab, nehmen uns der Dinge an und versuchen eine passende Antwort zu finden. Schicken Sie uns Ihre Geschichten – die, die Sie ärgern – die, die Ihnen Kummer bereiten – die, die Sie verzweifeln lassen – und gerne auch die, die von Ihnen mit Happy End gelöst wurden. Wir freuen uns auf zahlreiche Zusendungen. Damit es schnell und einfach geht, senden Sie uns gerne auch die Nachricht über Whatsapp, unter der Nummer: 0160-2910507 oder per Mail an red.ddh@rudolf-mueller.de .

Wir melden uns – versprochen.

Brigitte Latsch



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Letzte Aktualisierung: 13.03.2020

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