St. Peter in Blei

Alljährlich bietet der Dom St. Peter zu Worms die imposante Kulisse für die bekannten Nibelungenfestspiele. In diesem Jahr zeigt sich den Zuschauern endlich auch das nördliche Seitenschiff des Doms wieder in Bestform. Das Dach wurde in den vergangenen Monaten mit Kirchenblei neu eingedeckt.

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Auch die Schiefereindeckung der vier Gauben musste weichen, sie wurden komplett mit Kirchenblei eingedeckt. Fotos: Bennert GmbH

Der 1181 geweihte Dom St. Peter zu Worms zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten der Romanik. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde er mehrfach beschädigt, zuletzt 1945 durch Fliegerbomben. Nach dem Ende des 2.   Weltkrieges hatte man das Dach des nördlichen Seitenschiffs und der angrenzenden Marienkapelle mit Schiefer eingedeckt. Das Schieferdach war mittlerweile undicht. Darunter wies der letzte wertvolle historische Barockdachstuhl aus Holz bereits Feuchtigkeitsschäden auf. Eine neue Eindeckung war dringend erforderlich. Für die Restaurierung sollte der Deckwerkstoff ausgetauscht werden. Bauherr und Architekt entschieden sich für Walzblei.

Mit Kirchenblei gegen Korrosion

Die Ausführung der 550 m² Dachfläche erfolgte dann mit dem Produkt Kirchenblei des Krefelder Herstellers Röhr + Stolberg GmbH. Ausschlaggebend für Kirchenblei war, dass der Dom im Winter beheizt wird. Das jahrhundertealte Dach war für eine solche Nutzung nicht ausgelegt und nur unzureichend belüftet. Ein zu befürchtendes Korrosionsproblem durch Kondensatfeuchte auf der Unterseite der Bleieindeckung wollte man mit der Verarbeitung von Kirchenblei von Beginn an ausschließen. Darüber hinaus bietet dieses Material zusätzliche Sicherheit in der Ausführung. Kirchenblei wurde speziell für die Verarbeitung an historischen Gebäuden entwickelt. Die Besonderheit des Produkts besteht in der Kombination von 2 Materialien. Vorderseitig ist es mit einer walzblanken Oberfläche ausgestattet.

Rückseitig ist es mit einer verzinnten Schutzschicht versehen, die Feuchtigkeit problemlos standhält, ohne dass es zu typischen Korrosionsschäden kommt. Die Vorderseite kann wie klassisch entweder walzblank belassen oder mit Patinieröl eingestrichen werden. Das sichtbare Ergebnis ist die gewohnte bleitypische Patina. Die unsichtbare Zinnbeschichtung auf der Rückseite schützt das Blei und erhöht dessen Haltbarkeit.

Die Holzwulst: unverwüstlich

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Das innenliegende Blech wird bis zum Scheitelpunkt der Rundung geführt.

Die Bleiarbeiten wurden zwischen August 2013 und Januar 2014 ausgeführt. Zum Einsatz kamen 30 t Kirchenblei in der Dicke 2,5 mm. Für die Ausführung wurde als Längsverbindung zwischen den Blechen die Holzwulsttechnik mit verdeckten Kupferhaften gewählt. Der innenliegende Holzkern macht die Verbindung zwischen den Blechen robust und windsogsicher. Sie eignet sich daher besonders für flachgeneigte Dächer und exponierte Lagen. In Worms wurden die Holzwulste direkt auf die Holzschalung aufgebracht.

Inga Richrath

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 16/2014.

Letzte Aktualisierung: 25.08.2014