Standfest und spanfrei

Randabstände, Eindringtiefe, Auflager – bei der Montage von Traglatten muss der Dachdecker einige Parameter berücksichtigen, insbesondere am Lattenstoß. Schnell sitzt der Nagel schief oder die Stirnseite ist gespalten. Dachdeckermeister, Tüftler und Dozent a. D. Gottfried Thiel aus Mayen kennt das Problem seit Jahrzehnten. Im Ruhestand kam ihm dann die Idee – die wir gerne vorstellen.

Traglatten_Aufmacher
Latte über dem Sparren schneiden, Verschnitt, Späne und Fummelei waren gestern – mit einem Produkt, dem Dachlattenstoßverbinder, soll die Verlegung der Traglattung wirtschaftlicher werden, so Erfinder DDM Gottfried Thiel. Fotos: Thiel

Traglatten haben als Deckunterlage die Aufgabe, die Lagesicherung von Dachdeckungen, wie beispielsweise Dachziegeln oder Dachsteinen, zu gewährleisten. Darüber hinaus –
und dies ist ein oft wenig beachteter Aspekt – gewähren Dachlatten dem Dachdecker in ihrer Eigenschaft eine erhöhte Durchsturzsicherheit. Die Zeiten, in denen 24 × 48er-Latten verbaut wurden, sind vorbei. Die Verletzungen auf Baustellen durch gebrochene Latten wurden nachweislich reduziert. Nicht zuletzt dank der Bemühungen diverser Berufsverbände wie ZVDH und Holzbau Deutschland in Kooperation mit der BG BAU, die den Dachlatten immer höherwertige Qualitäten abverlangten. Heute wird die Dachlatte als „Arbeitsplatz“ gesehen (siehe auch DDH 12.2017, Seite 32 und 33). Doch jede Latte ist nur so stark wie ihre schwächste Stelle – in dem Fall wahrscheinlich immer der Lattenstoß.

In der Regel liegt der Dachlattenstoß auf der Konterlatte. Die vorgeschriebenen Randabstände können bei diesen Konstruktionen aufgrund der zu schmalen Auflage nicht eingehalten werden und es kommt zu Aufspaltungen an den Dachlattenenden. Natürlich werden heute – und so schreibt es auch das Regelwerk vor – bei Sparren unter 70 mm Breite zwei Konterlatten oder alternativ ein Konterbrett als Auflage montiert.

Lesen Sie hierzu auch das Fachbuch "Dachtabellen" von Friedhelm Maßong

Ruhestand – von wegen


Einer, der sich mit Lattungen aller Art auskennt, ist Gottfried Thiel. Der Mayener Dachdeckermeister war von 1968 bis zum Jahr 2002 Dozent am Bundesbildungszentrum in Mayen. Fast 40 Jahre unterrichtete er angehende Gesellen und Meister in den Werkhallen der Bundesfachschule. Erst als er in den Ruhestand ging, hatte er die nötige Zeit und den kreativen Freiraum, sich über die Problematik von Lattenstößen Gedanken zu machen. „Bei meinen wiederkehrenden Besuchen in den Werkhallen der Fachschule (Anm. d. R.: Er wohnt nebenan) beobachtete ich immer wieder die Meisterschüler beim Einlatten der Dachflächen von vorgegebenen Biberschwanzmodellen. Immer wenn sie über den Sparren die Lattenköpfe zusammenfügen mussten, zeigten die Traglatten Risse und die Tragfähigkeit war nicht mehr gegeben. Selbst mit einer zweiten Konterlatte war die Konstruktion aufgrund der schmalen Sparren ziemlich instabil.“ Zu Hause dann kam dem ehemaligen Fachlehrer die Idee: Es müsste ein Profilblech geben, welches zwei Lattenstirnseiten miteinander verbindet, die Last abträgt und, anders als bei üblichen Dachlattenverlängerungen, nicht geschraubt oder genagelt werden muss. Ein U-Profil mit zwei circa 10 bis 15 mm umgelegten Seiten an der Unterseite – die Idee vom Dachlattenstoßverbinder war geboren.

Michael Zenk


Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH, Ausgabe 17.2017.


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Letzte Aktualisierung: 25.08.2017