Strenger Geruch: Luftundichtheit von Sperrfolien

Feuchte Mineralfaserdämmstoffe riechen streng nach Harnstoff. Bei einem Möbelhaus kam als Schadensursache noch die Luftundichtheit der Sperrfolien dazu. Die Frischluftzufuhr der Belüftungsanlage erzeugte im Gebäude einen Luftüberdruck, der sich über Leckagen ausbreitete.

Luftundichtheit von Sperrfolien Möbelhaus
Extensive Begrünung, Trenn- und Schutzvlies, einlagige Abdichtung und trittfeste Mineralwolle: von oben betrachtet sah das Dach bei den ersten Probeöffnungen „zunächst“ gut aus. Fotos: Holzapfel

Möbelkaufhäuser verwöhnen Kunden mit wohlriechendem Holz, edel duftenden Stoffen und kernigem Leder. Nicht so in einem neu eröffneten Möbelkaufhaus in einer südsächsischen Stadt. Der Betreiber beklagte sich bei seinem Generalunternehmer über strengen Uringeruch in seinen Verkaufsräumen, nachdem man sich vergewissert hatte, keinem Unhold auf der Spur zu sein. Der Sachverständige hatte nach einem Vorgespräch mit der zuständigen Landgerichtskammer den Auftrag festzustellen, welche Ursachen die Geruchsbelästigungen hätten und wie selbige zu beseitigen seien.

Unbekanntem mit Bewährtem begegnen

Als Sachverständiger geht man unbekannten Ursachen am besten durch Öffnen des Daches sowie aufspüren und verfolgen von Wasser- oder Feuchtespuren nach. Der Sachverständige untersuchte also zunächst den Dachschichtenaufbau des Flachdaches, welcher sich wie folgt aufbaute:

  • gefälleloses Flachdach auf zwei Geschossebenen mit extensiver Begrünung

  • Dachabdichtung aus Kunststoff-Dachdichtungsbahn, mechanisch fixiert

  • zweilagige Dämmschicht aus Mineralfaserdämmplatten, in allen Prüfstellen deutlich feucht (schon fühlbar) mit intensivem Geruch

  • Dampf- und Luftsperre aus PE-Folie 0,15 mm

  • Stahltrapezprofil-Dachschale mit Feuchtespuren in den Untergurten

  • Fluss- und Schmutzwasserspuren von oben konnten in keiner der Prüfstellen gefunden werden, Undichtigkeiten der Dachabdichtung waren also auszuschließen.

Untersuchung der Dampf- und Luftsperre – mit überraschendem Ergebnis

Daraufhin wurden die Folienüberlappungen der Sperrfolien freigelegt. Die Überlappungen waren mit eingelegten Klebebändern verklebt, die Verklebungen waren aber über den Untergurten der Stahltrapezprofile offen, teils so groß, dass ein 2-m-Maßstab jeweils in die Überlappungen eingeschoben werden konnte. An den vorhandenen Oberlichtern war die Sperrfolie auf die Bohlenkränze geführt, jedoch nicht an die Aufsatzkränze angeschlossen.

 Luftoffene Sperrfolienüberlappung
Schnell stellte der Sachverständige fest, dass die Klebefunktion der auf einem Stahltrapez liegenden Dampfsperrbahn-Überlappungen nicht funktionssicher ausgeführt waren.

An Brüstungswänden war die Sperrfolie gegen die Blechprofile hochgeführt und verklebt, aber in stehenden Falten offen undicht. Gegen die Außenwände des höher stehenden Gebäudeteils war die Sperrfolie hochgeführt, jedoch war weder eine Innenschalendichtung vorhanden noch ein luftdichter Anschluss der Sperrfolie hergestellt.

Ursachen der Geruchsprobleme

Die Untersuchung des Dachschichtenaufbaus zeigte eine deutliche Feuchteanreicherung der Mineralfaserdämmschicht und Feuchtespuren in den Untergurten der Stahltrapezprofile. Da Fluss- und Schmutzwasserspuren fehlten, musste Tauwasser als Ursache der Durchfeuchtung angenommen werden. Offen vorgefundene Sperrfolienüberlappungen und luftoffene Sperrfolienanschlüsse waren wichtige Hinweise auf die Herkunft der Tauwasserfeuchte. Die Sperrfolie selbst stand in einem feuchtetechnisch ausgewogenen Verhältnis zur Dachabdichtung und Deckschicht, sodass durch den Schichtenaufbau selbst eine Überfeuchtung nicht anzunehmen war. Der Einblick in die Konstruktionspläne des Bauwerks brachte den Auslöser der Geruchsprobleme zutage: Das Möbelkaufhaus war mit einer mechanischen Belüftungsanlage ausgestattet, die während der Öffnungszeiten gefilterte Frischluft in das Gebäude blies. Nachts wurde die Belüftung abgestellt. Die Frischluftzufuhr erzeugte im Gebäude einen Luftüberdruck, der sich über Leckagen in der Sperrfolie auch im Dachraum (hier Wärmedämmschicht) ausbereitete.

Walter Holzapfel

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Letzte Aktualisierung: 21.02.2019