Tippen auf dem Solardach

Mit dem angestaubten Handwerker-Image will Dachdecker Wicklein aufräumen. Für die interne Kommunikation setzt der Flachdach-Spezialist aus Herbolzheim auf I-Pads und I-Phones. Geschäfte macht er auch mit seinem eigenen Solar-System.

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Mehr als ein Spleen? Ralf Wicklein hat auf seinem Mini ein QR-Code-Zeichen zum Einscannen, das erzeugt zumindest Aufmerksamkeit. Foto: DDH

Wer nach Herbolzheim fährt, stößt im ländlichen Industriegebiet auf einen Dachdecker, der nur noch wenig mit mittelständischen Strukturen gemein hat. Im Eingangsbereich empfängt den Besucher ein Design in hellen Tönen, eine Empfangsdame fragt nach den Wünschen, im EDV-Bereich brummen die Server. Natürlich tragen die Mitarbeiter im Gebäude und auf der Baustelle einheitliche Firmenbekleidung der Marke Schütte-Wicklein. "Das äußere Erscheinungsbild ist mir sehr wichtig", so Firmenchef Ralf Wicklein kein Wunder, bei nahezu hundert Mitarbeitern. Genau 95 Mitarbeiter beschäftigt das Traditionsunternehmen aus Herbolzheim zurzeit. Seit 1971 bietet die Firma Lösungen im Bereich großflächige Dachanlagen und komplexe Fassadenelemente an. Der erste Eindruck täuscht nicht, hier bleibt wenig dem Zufall überlassen, alles ist durchstrukturiert. Wicklein will neue Wege gehen, vom gängigen Handwerker-Image hält er wenig.

Dennoch ist Wicklein so bodenständig, dass er Mitglied der Dachdecker-Innung ist für ihn kein Widerspruch. Engagiert kümmert er sich seit Jahren um den Nachwuchs, mit Erfolg: In diesem Jahr wurde das Unternehmen vom Landesverband Baden-Württemberg für seine besonders engagierte Ausbildungsleistung ausgezeichnet. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hat Schütte-Wicklein im Ländle die meisten Dachdecker-Lehrlinge zu einem erfolgreichen Abschluss geführt, im Schnitt 2,8 Lehrlinge pro Jahr (zurzeit 16 Azubis).

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Das Solarsystem Tratec im Einsatz, hier auf einer Lagerhalle in Teneriffa-Foto: Schütte-Wicklein

I-Pads und Apps auf der Baustelle

Das Unternehmen hat sich auf Flachdächer spezialisiert und arbeitet deutschlandweit. Deshalb ist die Kommunikation bei Schütte-Wicklein ein ständiger Prozess. "Gerade weil wir uns nicht alle täglich sehen können, wollen wir mit Programmen arbeiten, die diese räumliche Entfernung überbrücken. Zum Beispiel hat jede Kolonne ein eigenes Netbook, die Bauleiter verfügen sogar über ein I-Pad und I-Phone, gefüttert mit aktuellen Programmen zu Zeiterfassung und Kalkulationssoftware. Und so wischen, tippen und surfen die Dachdecker auf der Baustelle und bleiben auch in Sachen Software uptodate.

Kreative, unternehmerische Inspiration holt sich der Dachdecker auch bei den 100-Top Dachdeckern Deutschlands. "Diese Gemeinschaft ist ein bunter Mix aus verschiedenen Unternehmensprofilen. Das geht von 5-Mann Betrieben bis zu Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern. Wir treffen uns regelmäßig und profitieren immer voneinander. Selbst von einem kleinen Betrieb kann ich immer noch etwas lernen, meine Ideensammlung hat sich verhundertfacht. Hier bekomme ich zum Beispiel sogar ein Feedback, wie mich meine Mitarbeiter beurteilen", freut er sich über die Transparenz.

Das eigene Solarsystem für Dachdecker

Solar fehlte bis 2006 im Portfolio des Unternehmens. "Eigentlich sind wir viel zu spät auf den Solar-Zug aufgesprungen. Mit Steildachdächern haben wir ohnehin nichts zu tun, das Ganze war uns fremd", gibt Wicklein zu. Bis eines Tages auf der Baustelle drei Solarfirmen Probleme mit der Statik hatten und Wicklein gemeinsam mit seinem Partner Rolf Enderlin eine eigene Unterkonstruktion entwickelte. Aus dieser Notsituation entstand eine Flachdach-Lösung, ohne die Abdichtung zu belasten. Das Produkt Tratec ist eine Unterkonstruktion auf Leimbindern, "wenn die Binder das aushalten, haben wir die Lösung", so Wicklein. "Wir verkaufen keine Solaranlagen, sondern die Konstruktion, das die Lasten in die Gebäudebinder einleitet, nach dem Motto: "PV ja, aber nicht auf Kosten des Daches". Letztes Jahr betrug der Solar-Anteil 30 % vom Umsatz, 2011 waren es nur noch 10 %. Dieser Rückgang war allerdings der Diskussion um die Förderung geschuldet. Deshalb ist der Unternehmer optimistisch, im Solar-Bereich weiterhin auf das richtige Pferd zu setzen: "Im Kombination mit unserem Flachdachwissen bieten sich in diesem Zusammenhang Wartungsverträge an. Die Kunde wollen 20 Jahre Garantie auf Module und das Flachdach. Und das garantieren wir und zwar immer mit Gerüst". Momentan baut Schütte-Wicklein Tratec in den Niederlanden ein, die Unterkonstruktion ist auch schon in Belgien bekannt. Da ist es nur logisch, dass das Unternehmen sich auf der Intersolar 2011 präsentierte, 2012 möchten Enderlin und Wicklein einfach "nur" über die Messe laufen und sich informieren, die Intersolar als Kontaktbörse nutzen natürlich nicht als Handwerker sondern als Problemlöser in Sachen Flachdach.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 24/2011.

Letzte Aktualisierung: 16.12.2013