Topfsanierung mit mehrlippiger Dichtung

In den Hallenschiffen des DHL-Logistikzentrums Hannover laufen die Sortieranlagen und Förderbänder 24 Stunden täglich. Undichtigkeiten der u-förmigen Flachdachfläche erforderten schnelles Handeln. Die Ursache: alte Dachgullys, die teilweise in Schieflage geraten waren. Kurzerhand wurde das 20.000 m² große Dach saniert und 90 neue Gullys sorgen für optimale Wasserableitung.

Topfsanierung Flachdachentwässerung
In Schieflage: Losgelöster Altgully als Quelle von Undichtigkeiten im Halleninneren. Alle Fotos: Sita

Die Zeit lief. An vielen Stellen der weitläufigen Dächer der Verlade- und Packhallen war bereits die Wärmedämmung beeinträchtigt. Feuchtigkeit wurde von innen sichtbar und an manchen Stellen tropfte es schon. Die Herausforderung für das Team der Hetland GmbH war, die Sanierung von insgesamt 22.000 Quadratmeter Flachdachfläche während des laufenden Betriebes zu bewältigen, und das ausschließlich von oben.

Ursachenforschung und Patentlösung

Eine Überprüfung der bestehenden Entwässerung ergab: Die Anschlüsse an das druckbeaufschlagte Rohrsystem waren noch in Ordnung. Ursache der Undichtigkeiten waren alte Dachgullys, die teilweise in Schieflage geraten waren. Da es sich hier um ein Druckströmungssystem (DSS) handelt, galt es eine Lösung zu finden, die die Ablaufleistung der DSS-Bestandsanlage nicht minderte.
Die Problemlösung kam in Form einer Topfsanierung mit Sanierungsgullys.

Miteinander von alt und neu

Dort, wo die 120 mm hohe Mineralfaserdämmung durchfeuchtet war, tauschten die Dachdecker die Dämmung aus. Auch die Töpfe der schadhaften Altgullys wurden ausgebaut. Gully für Gully erfuhr nun ein Upgrade mit den 160 mm Sanierungsgullys, die speziell für die Sanierung bestehender DSS-Anlagen entwickelt wurden.
Insgesamt 90 dieser Sanierungsgullys kamen auf dem weitläufigen Flachdach zum Einsatz. Da die Rohranschlüsse noch funktionstüchtig waren, nutze das Heitland Team ein spezielles System: Mit einer Stutzenlänge von 200 mm ragen die Sanierungsgullys tief genug in den Bestandsaufbau, um kritische Anschlussstellen sicher zu überbrücken. So passten sie mit einem Stutzendurchmesser von 160 mm lückenlos in den alten Gullytopf.

Mehrlippige Dichtung und optimale Fließgeschwindigkeit

Eins der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Element in der Leistungskette, sind die Dichtungen. Um eine dichte Gesamtkonstruktion zu garantieren, ist die Überprüfung der Bestandsdichtungen von größter Wichtigkeit. Bei herausnehmbaren Dichtungen empfiehlt sich generell, die alten Dichtungen durch neue zu ersetzen. Einerlei ob vorhandene oder mitgelieferte Dichtung, die Funktionstüchtigkeit muss bauseits anhand der vorgefundenen Situation eigenverantwortlich auf Dichtigkeit überprüft werden. Auch in Hannover wurden die vorhandenen Dichtringe durch neue ersetzt. Die mehrlippige Konstruktion der Dichtungen gewährleistet eine Rückstausicherung bis zu einer Wassersäule von 2 Metern.

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"Schäden an Abdichtungen"

Wird der Gully-Querschnitt verkleinert, vermindert sich normalerweise auch die Ablaufleistung. Die Leistungsfähigkeit des Sanierungsgullys macht den minimalen Querschnittverlust aber wieder wett. Ein spezielles System verhindert die durch die „Coriolis-Kraft“ (Wirbelbildung) verursachte Lufteinführung und unterstützt die Vollfüllung der Rohre. Mit dem Wirbel würde Luft in der Mitte des Ablaufs eingesogen werden, so dass dadurch die Ablaufleistung verringert wird. So leistet dieses kleine Funktionsteil einen wesentlichen Beitrag, den Unterdruck und die hohe Fließgeschwindigkeit sicherzustellen, die DSS-Anlagen so effizient machen. Die Corioliskraft ist eine Schein- oder Trägheitskraft, die auch dafür verantwortlich ist, wie herum sich Tief- und Hochdruckgebiete auf der jeweiligen Erdhalbkugel drehen. Damit hat sie beispielsweise auch einen maßgeblichen Einfluss auf unser Wetter.

Anschluss nach Wunsch

Während die Wärmedämmung nur in den durchnässten Bereichen erneuert wurde, erhielt das gesamte Dach eine neue Abdichtung mit einer 1,5 mm dicken, gewebeverstärkten PVC-Dachbahn. Um absolute Materialkompatibilität sicherzustellen, wurden die Sanierungsgullys mit einer angeschäumten Wunschanschlussmanschette aus dem gleichen Bahnenmaterial ausgestattet.
Nachdem der Gullykragen kreuzweise mit Tellerbefestigern im Untergrund fixiert war, folgte die Verlegung der Dachbahn, die mit der Anschlussmanschette homogen abgedichtet wurde. Geschützt mit einem Kiesfang sorgen jetzt 90 Sanierungsgullys dafür, dass in den weitläufigen Logistikhallen alles ohne störenden Wassereinbruch laufen kann.

Cengiz Karadeniz

Den gesamten Artikel lesen Sie in DDH Ausgabe 23.19


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Letzte Aktualisierung: 25.11.2019

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