Triales Studium: Überlegene Bildungsrendite

Durch den früheren Arbeitseintritt, ähnliche Gehaltseinstufungen und unbefristete Arbeitsverträge ist der Beruf des Handwerksmeisters dem des Akademikers mindestens ebenbürtig. Das Triale Studium kombiniert beide Bildungswege: Kein Weg für Weicheier - ein Weg für zukünftige Weichensteller, gerade für Dachdecker.

Triales Studium DDM Heiner Lüpkemann
Dachdeckermeister Heiner Lüpkemann ist Mitglied der Dachdecker-Innung Nienburg/Weser. Er engagiert sich dort als Vorsitzender im Prüfungsausschuss und als Landesreferent für Jugendarbeit im Landesverband Niedersachsen-Bremen. Foto: Lüpkemann

Der Mittelstand bildet zusammen mit den vielen kleineren Betrieben das Rückgrat der Deutschen Wirtschaft. Für diese Säule werden schon jetzt händeringend Führungskräfte gesucht. Um den gestiegenen Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, bietet das Triale Studium die besten Voraussetzungen. DDH erklärt Ihnen das Konzept, informiert über die Modalitäten und über Erfahrungen einer Teilnehmerin.

1 Ausbildung, 3 Abschlüsse

Das Triale Studium wird zurzeit für 19 Handwerksberufe angeboten und dauert in der Regel viereinhalb Jahre. Zugangsvoraussetzung ist die Fachhochschulreife, Allgemeine Hochschulreife oder andere Hochschulzugangsberechtigung und ein Ausbildungsvertrag zum Beispiel im Dachdeckerhandwerk. Die Fachhochschulen des Mittelstands (FHM) in Köln , Hannover und Schwerin bieten diese Studiengänge momentan an. Ein entscheidender Pluspunkt dieses Ausbildungsweges ist die Kombination von praxisnaher Ausbildung, Integration in einen Betrieb und wissenschaftlicher Ausbildung. Die Lehrbeauftragten kommen aus der freien Wirtschaft und bilden die Studierenden in kleinen Lerngruppen aus. Die staatliche und auch internationale Anerkennung ist garantiert.

Auslandserfahrungen für Dachdecker: Mehrwert in der Fremde:

Aufgrund des höheren Schulabschlusses wird die Lehrzeit auf zweieinhalb Jahre verkürzt. Neben der Arbeitszeit im Ausbildungsbetrieb ergänzen Berufsschule und überbetriebliche Ausbildung wie gewohnt die Tätigkeit des Lehrlings. Begleitend erfolgt während dieser Zeit zusätzlich das Bachelor-Studium. In Köln erfolgen die Vorlesungszeiten Freitagabend von 17.00 bis 21.15 Uhr und zweiwöchentlich samstags von 8.30 bis 17.15 Uhr. Dazu kommt eine Online-Vorlesung in der Woche von 18.00 bis 21.00 Uhr. Die Schulferien in NRW sind vorlesungsfrei. Unter Vorbehalt des Erreichens des Gesellenbriefes kann dann nach weiteren acht Monaten Vollzeitstudium die Bachelorarbeit in Angriff genommen werden. Diese wissenschaftliche Abschlussarbeit sollte praxisbezogen sein. Die Nutzung sozialer Netzwerke für den Betrieb oder die Erstellung eines Business-Plans mit fiktiver Gestaltung einer Betriebsübernahme könnten hier Themen sein. Für die Ausarbeitung stehen vier Monate zu Verfügung. Danach erfolgt der Besuch einer Meisterschule zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung in den Teilen I und II, Fachpraxis und -theorie. Je nach Terminierung kann die Bachelor-Arbeit aber auch nach der Meisterschule geschrieben werden.

Nadja Gründler
Das Triale Studium soll praxisorientiert Führungskräfte ausbilden und damit die Attraktivität des Handwerks steigern. Nadja Gründler packt zu. Foto: Lüpkemann

Studien-Finanzierung

Das berufsbegleitende Studium wird in der Regel eigenfinanziert. Eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen sind möglich. Hier sollte der Weg über einen Studienkredit aber als letzte Option gewählt werden, um nicht mit zu hohen finanziellen Verpflichtungen ins spätere Berufsleben zu starten. Die Ausgaben können im Rahmen gesetzlicher Vorgaben steuerlich geltend gemacht werden. Unterstützend kann BAföG oder Aufstiegs-BAföG beantragt werden. Bildungsschecks, Bildungsprämien und Bildungsfonds bieten ebenfalls Unterstützung. Schließlich kömmem auch für das Triale Studium Stipendien diverser Stiftungen beantragt werden. Grundsätzlich ist die Frage der Finanzierung individuell zu klären. Die Handwerkskammern geben gerne Auskunft über die zuständigen Adressen.

Nadja Gründler: " Im Studium gefällt mir die bunte Mischung der Teilnehmer aus allen Gewerken bzw. den verschiedenen Handwerksberufen insgesamt wie auch die breite Mischung der Themen, die behandelt werden. Hier erhält man ebenfalls Einblick in die verschiedenen Berufe der anderen Studenten".

Brigitte Latsch

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11.2018.

Letzte Aktualisierung: 24.05.2018