Über den Rand geschaut

Bei der regelkonformen Ausführung von Dachrändern spielt neben den handwerklichen Kenntnissen vor allem das Wissen um die jeweiligen Regelwerke und Normen eine entscheidende Rolle. „Viel hilft viel“ ist bei der Angabe der Grundlage für die Bauleistung nicht immer sinnvoll. Wir zeigen, worauf es für den Dachdecker ankommt.

Dachrand Alwitra Remmels
Als Teil eines funktionierenden Flachdachaufbaus zählt auch der Dachrand. Ob als Attika oder Dachrandabschluss ist er oft das einzige Bauteil der Dachfläche, was man von unten betrachtet, erkennen kann. Fotos/Grafiken: Alwitra

Weil am Dachrand verschiedene Materialien aufeinandertreffen, die teilweise auch von unterschiedlichen Gewerken verarbeitet werden, existieren viele Regelwerke. Sie beschäftigen sich alle mit der regelkonformen Ausbildung des Dachrands. Doch welche dieser Regeln ist für wen relevant? Und wann muss ein statischer Nachweis für den Dachrand vorliegen?

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind …

„Friederike“, der letzte Wintersturm, traf Deutschland mit voller Wucht. Und zeigte deutlich, dass das Thema Windlast sowohl für die Abdichtung als auch für den Dachrand eine enorm hohe Relevanz hat. Die Norm DIN EN 1991-1-4 „Windlasten“ des „Eurocode“, bauaufsichtlich eingeführt durch die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), gibt klare Regeln zur Bestimmung anzusetzender Windlasten für Bauwerke und Bauwerksteile. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer baurechtlich relevanter Regelwerke für den Dachrand. Dazu zählen Normen als übergeordnete Vorgaben, übereinstimmend verabschiedet von Berufsverbänden, Sachverständigen, Wissenschaft und Bauaufsicht, wie auch Fachregeln von Berufsverbänden, zum Beispiel von Dachdecker-, Klempner- oder Industrieverbänden. Zu den relevanten Normen gehört die DIN 18531-1 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen“.

Darüber hinaus gilt die DIN 18339 „Klempnerarbeiten“, sofern die „VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)“ vertraglich vereinbart ist. Als relevante Fachregeln gelten ohne Zweifel die „Fachregel für Abdichtungen“ und die „ Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk “, herausgegeben vom Zentralverband des deutschen Dachdeckerhandwerks ZVDH, sowie die Richtlinien für die Ausführung von Klempnerarbeiten an Dach und Fassade des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima ZVSHK.

Regeln gelten für alle

Alle genannten Normen und Regelwerke richten sich gleichermaßen an Planer, Verarbeiter und selbstverständlich auch an die Industrie. Denn aufgrund der Anforderungen werden bestimmte Produktmerkmale beeinflusst. Dazu gehören zum Beispiel das Quergefälle zum Dach bei Mauerabdeckungen oder die Möglichkeit thermischer Dehnungen unterschiedlicher Werkstoffe am Dachrand ohne schädigende Auswirkungen.

Immer den vollen Durchblick?

In den Jahren 2016 und 2017 wurden die meisten der genannten Regelwerke aktualisiert und angepasst. Bei so vielen Regeln und Normen stellt sich natürlich die Frage: Kennen sich hier noch alle Beteiligten aus? Manche der Änderungen sind in der Fülle der durchgeführten Anpassungen bei den Betroffenen eventuell „untergegangen“. Einige Änderungen bilden wiederum den technischen Standard ab, der vor einigen Jahren schon einmal Gültigkeit hatte. Beispielsweise ist der Tropfkantenabstand von Dachrand- oder Mauerabdeckungen in der „Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk“ nach elf Jahren wieder „zurückgeändert“ worden.

Regeln und Normen

Für die fachgerechte Ausbildung des Dachrands existieren viele Regelwerke. Hier eine Zusammenstellung der baurechtlichen Anforderungen an Profilsysteme am Flachdach:

Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke „Windlasten“ EN 1991-1-4:2010-12 (entspricht DIN 1055-4:2005-03, Teil 4 Windlasten)

DIN 18339:2016-09 Klempnerarbeiten

DIN 18531:2017-07 Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen

Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk (Fassung 6-2017)

Fachregel für Dächer mit Abdichtungen „Flachdachrichtlinie“ (Fassung 12-2016)

VOB 2012 (Verdingungsordnung für Bauleistungen) Teil B und C

Richtlinien für die Ausführung von Klempnerarbeiten an Dach und Fassade

Helmut Remmels

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 08.2017.

Letzte Aktualisierung: 13.04.2018

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