Viele Nonnen, keine Mönche

Digitale Temperaturmessung für den Mörtelverstrich, Baustopp und Wartezeit wegen einer Fledermaus, 5.500 Ziegel prüfen, säubern und zwischenlagern – die Sanierung einer historischen Wehrkirche forderte von DDM Klüpfel und seinem Team Flexibilität. Bei der Ausführung zählte das technische Know-how des Innungsbetriebes.

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Modernster Mörtel auf historischen Ziegeln, keine Mönche, dafür Nonnen – bei der Dachsanierung der Jakobskirche in Uphar setzte das Klüpfel-Team auf eine spezielle Verstrichtechnik. Fotos: Fischer Dach

Rund zehn Minuten östlich von Wertheim liegt die beschauliche Ortschaft Uphar mit gerade einmal rund 600 Einwohnern. Schaut man aus der Vogelperspektive auf den verschlafenen Ort, dominieren rote Ziegel die Dachlandschaften. Ein Gebäude, zugleich auch das höchste im Ort, sticht aus der dichten Bebauung hervor: die Jakobskirche nahe dem historischen Ortskern von Urphar. Die Anwohner sind zu Recht stolz auf das historische Bauwerk. So wurde der Ort bereits als steinerner Wehrturm im 8. Jahrhundert erwähnt, zeitgleich mit der ersten dokumentierten Ortserwähnung. In der Zeit des frühen Mittelalters bis zum späten Mittelalter wurde der Wehrbau immer weiter ausgebaut. Dem Turm folgten mit den Jahrhunderten eine Apsis und ein Langhaus. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde in den Turm ein Kreuzbogengewölbe eingezogen. Zu Beginn der Neuzeit im späten 15. Jahrhundert erfolgte der Anbau einer Kapelle mit sechsteiligem Kreuzgewölbe, womit die Kirche ihre heutige Gestalt erreicht hatte. 1949 bis 1953 wurde die Kirche restauriert, wobei zahlreiche alte Fresken aus der Zeit um 1297 freigelegt wurden. Die Restaurierungsarbeiten der Fresken führten zwei renommierte Kirchen- und Kunstmaler durch. Ein weiteres Highlight im Inneren: die Orgel aus dem Jahr 1780 von Orgelbauer Johann Konrad Wehr.

Sanierung unumgänglich


Genau diese Werte sind es, die es nachhaltig vor Feuchtigkeit zu schützen gilt. Nach vielen kleineren Reparaturarbeiten an den Dachflächen entschied sich die evangelische Kirchengemeinde von Uphar zu einer Sanierung der vorhandenen Mönch-Nonne-Deckung. Da die spezielle Sichtvermörtelung der Dachziegel sich nach circa 30 Jahren löste und immer wieder Mörtelfugen abrutschten, war eine Regensicherheit der Eindeckung nicht mehr gewährleistet. Die Nonnendeckung wurde damals mit oberseitiger Sichtvermörtelung anstatt mit Mönchen abgedeckt – quasi eine Mönch-Nonnen-Deckung ohne Mönch. Die Mörtelfugen der Sichtvermörtelung auf der Oberseite der Dachziegel lösten sich und rutschten ab. Durch den dadurch entstandenen Feuchteeintrag waren die Befestigungen der Dachziegel (jeder Ziegel war genagelt) komplett korrodiert und hatten somit keine Funktion mehr.

Warten auf die Fledermaus


In einer beschränkten Ausschreibung sollte ein Unternehmen gefunden werden, welches die Sanierung nach den Vorgaben der Denkmalpflege fachgerecht ausführen kann. Der Fokus lag dabei neben der Wiederverwendung der noch nutzbaren Materialien auf der sensiblen Rekonstruktion des Ursprungs. Da die Fischer Dach GmbH aus Wertheim das Objekt bereits durch diverse Reparaturarbeiten kannte, war der Innungsbetrieb ebenfalls an der Ausschreibung beteiligt und konnte sich aufgrund des passenden Sanierungskonzepts und der guten bisherigen Zusammenarbeit bei der Ausschreibung durchsetzen. Inhaber und Geschäftsführer DDM Jonathan Klüpfel: „Bei der Jakobskirche handelte es sich um eine beschränkte Ausschreibung. Da wir uns regional im Bereich der Denkmalpflege eine interessante und vielseitige Referenzliste aufgebaut haben und das Objekt aufgrund diverser Reparaturarbeiten gut kennen, wurden wir an der Ausschreibung beteiligt. Aufgrund dieses Sachverhalts und nicht zuletzt unseres Sanierungskonzepts bekamen wir schlussendlich den Zuschlag für die Sanierung.“

Bis zum Beginn der Arbeiten und der fließenden Durchführung sollte aber noch etwas Zeit vergehen. Die Auftragserteilung war im Oktober und der Beginn der Arbeiten erfolgte umgehend, da der Winter näherrückte. Es folgte zunächst die Baustelleneinrichtung: Hierzu zählten zwischen den Arbeits- und Schutzgerüsten auch umfangreiche Innengerüste und Abdeckmaßnahmen, um die inneren Werte, insbesondere die wertvollen Fresken, des Bauwerks zu schützen. Weiterhin folgte die Einrüstung und Einhausung des Geläuts, damit die Arbeiten auch bei schlechteren Witterungsbedingungen durchgeführt werden konnten. Klüpfel: „Wir hatten aufgrund des gewählten Sanierungszeitraums zum Ende des Jahres hin zunächst Bedenken. Der Grund für den späten Beginn: Eine einzelne Fledermaus hatte ihr Sommerquartier im Turm der Kirche bezogen und durfte nicht gestört werden. Daher konnten wir mit den Baumaßnahmen erst ab Oktober beginnen.“

Michael Zenk

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH, Ausgabe 22.2017.

Letzte Aktualisierung: 17.11.2017