Metallkehlen am Steildach

In unserer neuen Serie „Metalldeckung – Details für die Praxis“ beleuchtet Klempnermeister Klaus Siepenkort diverse Alltagssituationen, die im Bereich Klempnertechnik vorkommen. Teil 1 beschäftigt sich mit dem Thema Metallkehlen am Steildach.

Standard-Kehle mit einer Kantung und einfachem Wasserfalz
Eine der gängigsten Kehlvarianten im Ziegeldach: die unterlegte Standard-Kehle mit einer Kantung und einfachem Wasserfalz links und rechts. Foto: DDH

Gemeinsam haben alle eines: sie werden unterlegt ausgeführt. Varianten gibt es dabei einige, wie der Beitrag zeigt.

Als Kehlen bezeichnet man Wasser führende Verschneidungslinien von Dachflächen die die Aufgabe haben, dass Niederschlagswasser sicher zur Dachrinne abzuleiten. Die Ausführung von Kehlen richtet sich nach der Art der Dachdeckung, der Neigung der Dachflächen, der Kehlneigung, den baulichen Gegebenheiten und den örtlich auftretenden Niederschlagsmengen. Wir haben im Beitrag diverse Ausführungsvarianten für die unterschiedlichen projektspezifischen Anforderungen zusammengefasst.

Standardkehle nicht immer stabil

Das Standard-Kehlprofil mit einer Kantung und Wasserfalzen an jeder Seite wird bei Metall-, Ziegel- oder Pfannendeckungen eingesetzt. Ein Nachteil dieses Kehlenprofils ist jedoch die geringe Stabilität. So wird durch Transport, Montage oder Eindecken mit Dachsteinen oft der Wasserfalz niedergedrückt.

Ein Schutz gegen auftreibendes Wasser ist an diesen Stellen somit nicht mehr gegeben. Besser, jedoch etwas aufwändiger, ist die Verwendung von ausgesteiften Kehlen. Zusätzliche Kantungen machen das Profil stabiler und schützen vor Deformierungen.

Mit Mittelsteg, vertieft oder als Schichtstück

Kehlen mit mittlerem Steg werden bei Verschneidungen von Dachteilen mit unterschiedlichem Gefälle eingesetzt. Der angekantete Steg verhindert bei Starkregenereignissen das Einschießen des Niederschlagswassers vom steilen in den flachen Dachteil. Der Steg sollte etwa 60 bis 80 mm hoch ausgeführt werden. Bei Dachteilen mit unterschiedlichem Gefälle und Kehlneigungen von weniger als 15° werden vertiefte Kehlen eingesetzt. Die Kehlenvertiefung beträgt mindestens 20 mm und der gesamte Wasserlauf mindestens etwa 80 mm. Kehlen mit Schichtstücken, sogenannte Nocken, können bei Deckungen ab einer Kehlneigung von 25° verwendet werden. Die Länge und Breite der Nocken richtet sich nach den Abmessungen des Deckwerkstoffes. Die Überdeckung der Nocken untereinander beträgt mindestens 140 mm bei Dachneigungen über 45° und bei Dachneigungen unter 45° mindestens 160 mm.

Befestigung von Kehlen und Stoßverbindungen

Grundsätzlich ist bei der Befestigung der Kehlen zu beachten, dass die freie temperaturbedingte Längendehnung der einzelnen Bauteile ermöglicht wird. Deshalb sollten die Kehlbleche indirekt mittels Haften befestigt werden. Bei Kehlen von mehr als 8 m Länge, deren Stöße wasserdicht, z.B. durch Löten, Schweißen, Nieten und Doppelfalzung mit Dichteinlage, ausgeführt werden müssen, ist der Einbau von Dehnungsausgleichselementen erforderlich. Die häufigste Verwendung finden Dehnungselemente mit Dilatationsstreifen aus Synthesekautschuk.

Die Stoßverbindungen können ab einer Kehlneigung von 15° als einfache Überdeckungen mit angereiften Kanten erstellt werden. Durch das Anreifen der Blechkanten verhindert man das Eindringen von Niederschlagswasser durch Kapillarwirkung. Die Überdeckung der Kehlbleche ist abhängig von der Kehlneigung. Sie beträgt mindestens 100 mm bei einer Kehlneigung über 22° und mindestens 150 mm unter 22°. Bei einer Kehlneigung unter 15° werden die Kehlenstöße wasserdicht miteinander verbunden.

Tipp: In den meisten Fällen wird die Gradzahl der Dachneigung angegeben. Sie darf jedoch nicht mit der Gradzahl der Kehlneigung verwechselt werden. Die Kehlneigung ist immer kleiner als die Dachneigung.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11/2020

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Letzte Aktualisierung: 14.05.2020