Volle Fläche oder vollflächig?

Es handelt sich um eine Abdichtung einer Dachterrasse, die ein Gefälle < 2% aufweist. Neben der fehlerhaften Ausführung im Bereich der Stoffwahl (untere Lage mit "Normalbitumen-Schweißbahn"), kommt eine mangelhafte Ausführung bei der Verarbeitung der Werkstoffe hinzu.

2.5.6.2 Dachabdichtungen aus Bitumenbahnen

(1) Dachabdichtungen aus Bitumen- oder Polymerbitumenbahnen werden in

der Regel mehrlagig ausgeführt.

(3) Bei mehrlagigen Dachabdichtungen sind die einzelnen Lagen parallel zueinander mit Versatz zu verlegen. Die Lagen müssen miteinander vollflächig verklebt werden.

(6) Eine hohlraumfreie Verklebung ist unter Baustellenbedingungen nicht immer erzielbar. Einzelne z. B. durch Unebenheiten entstehende, geringfügige Hohlräume können nicht ausgeschlossen werden.

2.5.6.2.1 Verklebung

(5) Beim Schmelzverfahren werden Bitumenschweißbahnen erhitzt, die zu verklebenden Bitumenschichten angeschmolzen und die Bahnen unter Andrücken eingerollt.

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Die beiden oben ausgeführten Aussagen aus der Fachregel für Abdichtungen Flachdachrichtlinie bilden das Kernstück der nachfolgend ausgeführten Probleme.

Hintergrund:

Es handelt sich um eine Abdichtung einer Dachterrasse, die ein Gefälle < 2% aufweist. Neben der fehlerhaften Ausführung im Bereich der Stoffwahl (untere Lage mit "Normalbitumen-Schweißbahn"), kommt eine mangelhafte Ausführung bei der Verarbeitung der Werkstoffe hinzu. Das führt in der Folge zu einem gerichtsanhängigen Verfahren.

Der gerichtsbestellte Sachverständige stellt bei einem ersten Ortstermin fest, dass die Verklebung der Lagen der Abdichtung nach seiner Auffassung mangelfrei ist. In seinem schriftlichen Gutachten führt er aus, dass er lediglich zwei kleinere Bereiche in der Fläche ermittelt habe, in denen er nicht ausreichend verklebte Verbindungen festgestellt habe. Die Größe dieser Bereiche gibt er mit den ca.-Maßen 0,08 m x 0,015 m und 0,12 m x 0,07 m an. Bezogen auf die Gesamtfläche (ca. 7,0 m²) betrachtet der gerichtsbestellte Sachverständige diese Bereiche als geringfügig und damit die ausgeführte Leistung als mangelfrei.

In seinen weiteren Ausführungen stellt er zudem fest, dass er in den unverklebten Bereichen keinerlei Unebenheiten, z. B. in der Unterkonstruktion, erkennen konnte. Die unzureichende, wenn auch seiner Meinung nach geringfügige, Verklebung führt er auf eine nicht ausreichende Wärmezufuhr während des Arbeitsvorgangs zurück.

Der Abschnitt 2.5.6.2.1 Verklebung der Fachregel führt aus, dass die Bitumenschweißbahnen erhitzt (Deckbitumen der unteren Lage und Schweißbitumen der oberen Lage) und dann unter Druck miteinander verklebt werden.

Nach Auffassung des Autoren können bei korrektem Erhitzen und ausreichendem Druck keine Fehlstellen in der oben genannten Größenordnung entstehen. Dieses insbesondere nicht unter dem Aspekt, wonach in den unverklebten Bereichen keine Unebenheiten, die gem. Abschnitt 2.5.6.2.(6) geringfügige Hohlräume tolerabel machen würden, vorliegen. Derartige Unebenheiten können eigentlich nur dort entstehen, wo sich eine Überhöhung der unteren Bahn durch die Überlappung im Naht- und gleichzeitig Stoßbereich ergibt. Die Hohlräume können dann allerdings bei fachgerechter Verarbeitung der Bahnen die Größe eines ehemaligen 5 D-Markstücks nicht wesentlich überschreiten.

Dabei muss zusätzlich beachtet werden, dass es gerade bei Polymerbitumen-Schweißbahnen mit Elastomeranteilen in Kombination mit Polyestervlieseinlagen ( z. B. PYE PV 200 S5 DO) zu Schrumpfungen in Längsrichtung kommen kann. Im Nachhinein können ursprünglich angedrückte Bereiche aus geringfügigen Vertiefungen herausgezogen werden.

Unebenheiten, die sich z. B. aus einer unzulänglichen Unterkonstruktion aus Beton, hier Kiesnester oder herausstehende Kieselsteine, ergeben, sind vor Ausführung der Leistungen zu rügen, es sind wirksam Bedenken anzumelden. Derartige Mangelbereiche müssen egalisiert werden, um eine schaden- und mangelfreie Abdichtung zu ermöglichen.

Unverklebte Bereiche im Bereich von Unebenheiten dürfen nur die Ausnahme darstellen, nicht aber eine automatische Legitimation und dieses schon gar nicht in der ebenen Fläche. Der Fachmann muss davon ausgehen, dass großflächige nicht verklebte Bereiche in der ebenen Fläche auf eine insgesamt zweifelhafte Ausführung der Leistungen schließen lassen. Ein sicheres Indiz dafür ist der Umstand, dass die Talkumschicht des Deckbitumens der unteren Lage und die dünne PE-Folie, die als Verklebeschutz der Bahnen während der Lagerung dient, nicht angeschmolzen sind.

Eine Definition von "geringfügig" ausschließlich über den prozentualen Anteil an der Gesamtfläche darzustellen, hält der Autor zudem für sehr zweifelhaft und der Sache nicht dienlich. Dieses selbst dann nicht, wenn sich die Bereiche zusammengenommen im Promillebereich bewegen.

Im vorliegenden Fall wurde bei einem erneuten Ortstermin festgestellt, dass weitaus größere Teilbereiche nicht verklebt waren. Großflächig waren weder die untere noch die obere Lage in den jeweiligen Schichten angeschmolzen.

Es ergab sich also eine mit Bitumenbahnen vollgelegte Fläche, aber keine vollflächig verklebte Abdichtung; oder auch: zwei Lagen Abdichtungsbahnen, aber keine vollflächige zweilagige Abdichtung.

Letzte Aktualisierung: 31.01.2011