Vorhang auf für den „Tag des Reetdachdeckers"

In Verbindung mit der jährlichen Mitgliederversammlung der Bundesfachgruppe Reetdachtechnik im ZVDH wurde erstmals ein „Tag des Reetdachdeckers“ veranstaltet.

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Volles Haus: Knapp 80 Tagungsteilnehmer nahmen an der Premierenveranstaltung „Tag des Reetdachdeckers“ teil. Fotos: Wierschem

Ende Februar/Anfang März fiel der Vorhang für eine Premiere im Dachdeckerhandwerk: Gemeinsam veranstalteten die Bundesfachgruppe Reetdachtechnik im Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und die Qualitätssicherung Reet (QSR) GmbH den ersten „Tag des Reetdachdeckers“. Im Maritim Hotel Bellevue in Kiel fand die erste große Fachveranstaltung rund um das Thema Reetdachdeckung statt.

Zu den Teilnehmern gehörten neben den Mitgliedern der Bundesfachgruppe Reetdachtechnik auch erstmals Nichtinnungsmitglieder, die sich in ihrem Betrieben schwerpunktmäßig mit der Reetdachtechnik befassen. Da grundlegende Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der Bundesfachgruppe die Zugehörigkeit zu der örtlichen Dachdeckerinnung ist, sollen mit dieser nun grundsätzlich offenen Veranstaltungsform auch Nichtinnungsmitglieder an die Berufsorganisation herangeführt werden.

Alles was Recht ist

Rund 80 Teilnehmer kamen zu der Premierenveranstaltung, darunter knapp 15 Nichtinnungsbetriebe. Ihnen allen wurde ein voll gepacktes Fachprogramm geboten. Nach einer kurzen Begrüßung durch ZVDH-Vizepräsident Stephan Eickhoff übernahm Dipl.-Ing. Thomas Schneider, Technischer Berater des LIV Schleswig-Holstein und dort u.a. Ansprechpartner für die Reetdachtechnik, die Moderation. Über die aktuelle Rechtsprechung zum Bauvertragsrecht, dem auch Reetdachdeckerarbeiten unterliegen, informierte einleitend Rechsanwalt Lennart Moebus aus Neumünster. BGB-Vertrag wie auch der VOB-Vertrag und dessen Auswirkungen standen im Mittelpunkt. Mit zahlreichen praktischen Beispielen verdeutlichte der Referent in anschaulicher Weise die Bedeutung der Thematik. Auf der Baustelle hart erwirtschaftete Erfolge können durch einen unsachgemäßen Umgang mit dem Bauvertragsrecht sich schnell in das Gegenteil umkehren. So nahmen die Tagungsteilnehmer wertvolle Anregungen und Tipps für die tägliche Betriebspraxis mit.

Holzschutz gleich Feuchteschutz

„Tiere im Dach“, konkret im Reetdach war das Thema von Dipl.-Biologe Kai Schütte aus Hamburg.

Auch Reetdächer kommen nicht ohne Holz und Holzbauteile aus. So werden in der Unterkonstruktion regelmäßig Holz und Holzbauteile verbaut. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist der Holzschutz. Über die diesbezüglichen Neuerungen entsprechend der DIN 68800 informierte Sachverständiger und Architekt Martin Mohrmann aus Plön. In einem abwechslungsreichen und spannenden Vortrag verdeutlichte Sachverständiger Mohrmann zunächst, das Holz erst durch Schutzmaßnahmen wie den Holzschutz zu einem nachhaltigen Baustoff wird. Der Fokus liegt hierbei auf entsprechenden vorbeugenden baulichen Maßnahmen und nicht mehr wie in der Vergangenheit auf dem chemischen Holzschutz. Auf diesen wird verzichtet. Eine wichtige Rolle beim Holzschutz hat die Feuchtigkeit und damit der Feuchteschutz. Wird die Feuchte sozusagen vom Holz fern gehalten, so ist kein besonderer Holzschutz erforderlich. Dies setzt voraus, dass die eingebauten Holzteile bereits beim Einbau trocken sind, welches einem Feuchtegehalt von < 20 % entspricht, sind und dann auch weiterhin in diesem Zustand gehalten werden. „Holzschutz ist“, so Mohrmann, „der ewige Kampf mit dem Wasser“. Hierbei wünschte er den Reetdachdeckern viel Erfolg im Sinne des Holzschutzes.

Tiere im Dach

„Reet sollte frei von Insekten, Larven und sonstigen Tieren sein....“ und „....sind bei einer Lieferung und beim fertig gedeckten Dach kleinere Mengen von Insekten und Larven nicht zu vermeiden....“ heißt es unter anderem im Produktdatenblatt für Reet, welches die Anforderungen an das Naturprodukt Reet als Dachdeckungsstoff beschreibt. Und in der Tat finden sich immer wieder Insekten verschiedenster Art in und auf den Reetdächern. Das führt dann häufig zu Kundenreklamationen. Dipl. Biologe Kai Schütte vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg berichtete hierzu über den aktuellen Stand der Forschungen zu dieser Thematik, welche den Reetdachdeckern bereits seit längerer Zeit bekannt ist. Er machte deutlich, dass Tiere immer auch Reetdächer „nutzen“ werden.

Neues Produkt: Reetplatten

Eine Produktinnovation stellte Tom Hiss von Hiss-Reet in Bad Oldesloh vor: Aus Reet vorgefertigte Reetplatten, die überdeckend auf Lattung oder einer vorhandenen Reetdeckung verlegt werden. Sie sind nicht unbedingt als preiswerte Alternative zu einer traditionellen Reetdeckung, sondern eher als zeitliche begrenzte Übergangslösung gedacht. So kann zumindest vorübergehend zum Beispiel bei denkmalgeschützten Gebäuden der Charakter der Reetdachdeckung gewahrt bleiben, weil womöglich momentan die finanziellen Mittel für eine vollständige Reetdachdeckung nicht verfügbar sind.

Artur Wierschem

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 08.

Letzte Aktualisierung: 21.03.2014