Weiterhin am Boom vorbei

Nach einem Umsatzrückgang von –2,4 % im vergangenen Jahr hofft die Dachbranche auf Besserung. Das erste Quartal wartet mit ordentlichen Werten auf, Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern schneiden dabei deutlich besser ab als die Masse der Kleinbetriebe.

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Im ersten Quartal planten die Dachdecker überwiegend Investitionen in den Maschinenpark.

Wiederum eine schwächere Umsatzentwicklung als der Gesamtbau – mit dieser Bilanz des Jahres 2015 konnte das Dachdeckerhandwerk nicht zufrieden sein, auch wenn das schwächere Abschneiden gegenüber anderen Baubereichen fast schon Gewohnheit geworden ist. Einen Umsatzrückgang von –2,4 % errechneten die Statistiker für das Dachdeckerhandwerk. Immer deutlicher zeichnet sich damit ab, dass die im Prinzip vielversprechenden Rahmenbedingungen im Gewerk nicht in dem Maße verfangen, wie es sich viele Marktbeteiligte erhofft haben. Exemplarisch dafür steht die Entwicklung im Neubau. Positiv beeinflusst wird die Situation weiterhin von der Attraktivität der Immobilie als Geldanlage und Sachwert. Bauzinsen auf einem historisch niedrigen Niveau, geringe Sparzinsen, Inflationsängste und Befürchtungen rund um die Stabilität des Euroraums bestärkten noch immer viele in der Entscheidung für den Immobilienkauf, trotz gerade in den Metropolen deutlich angezogener Preise, die nach Einschätzung einiger Marktbeobachter bereits Züge einer beginnenden Immobilienblase tragen. Die Zahlen zeigen dabei in eine Richtung: Wurden 2014 insgesamt noch 245.000 Einheiten fertiggestellt, waren es 2015 267.000 Einheiten und für 2016 sogar prognostizierte 302.000 Einheiten. Das viel genutzte Wort vom Neubauboom scheint vor diesem Hintergrund nicht unangemessen. Nur: Dachdeckerbetriebe profitieren von dieser Entwicklung vergleichsweise wenig. Dies liegt zum einen an der Schwerpunktbildung des Neubaus auf dem Mehrfamilienhausbau mit anteilig weniger Dachfläche. Darüber hinaus werden etwa im preisgetriebenen Bauträgergeschäft viele Dächer nicht von regional ansässigen Meisterbetrieben, sondern von Subunternehmerkolonnen bearbeitet.

Das Kerngeschäft ist rückläufig

Die Domäne der „ordentlichen“ Dachdeckerbetriebe bleibt die Sanierungstätigkeiten im Bestand. Doch gerade dieser Markt entwickelt sich rückläufig, wie eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt (siehe Infokasten). Bei einer Erhebung der Heinze GmbH gaben noch 2011 70 % der Befragten die Energieeinsparung als Motivation für eine Sanierungsmaßnahme an. In der aktuellen Bestandsmarktstudie des BBSR waren es nur noch 30 %. Vor allem gesunkene Energiepreise werden als Grund für diesen Trend genannt, „die geringen Öl- und Gaspreise wirken quasi wie ein Narkosemittel“, schreibt der ZVDH in seinem Geschäftsbericht 2015.

Als Kernproblem der betriebswirtschaftlichen Situation ist die Schwierigkeit zu nennen, bei guter Auftragslage höhere Preise zu realisieren, um Preissteigerungen auszugleichen. Faktoren hierfür sind gestiegene Einkaufspreise und vor allem im vierten Jahr in Folge anziehende Personalkostenanteile. Hauptursache für die tendenziell stagnierenden Angebotspreise ist die hohe Konkurrenzintensität im Dachdeckerhandwerk.

Malte von Lüttichau

Die ausführlichen Werte lesen Sie in DDH, Ausgabe 14.2016.

Letzte Aktualisierung: 18.07.2016