Wie eine kugelsichere Weste

Praxisfremde Anforderungen, merkwürdige Arbeitsschutzmaßnahmen – mit welchen ­Verordnungen sich Dachdecker plagen müssen, erfuhren rund 200 Gäste im Waldhotel Rheinbach. Eine bundesweite Arbeitsgruppe erstellt zurzeit einen Ratgeber, der auf der Baustelle helfen soll.

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Sprach Klartext mit den Dachdeckern: Christoph Baum verdeutlichte die Knackpunkte im Bereich Sicherheit sehr gut. Fotos: DDH

Arbeitsschutz, Sicherheitssysteme und Verordnungen – trotz vermeintlich trockener Themen kamen rund 200 Gäste Fachtechnischen Tag des Dachdecker Verbands Nordrhein ins Waldhotel nach Rheinbach. Nach den Grußworten des Obermeisters der Innung Bonn/Rhein Sieg DDM und KM Eckhard Behm stellte Moderator Josef Rühle, Geschäftsführer Technik, ZVDH, das Tagungsprogramm vor.

Staubarm aber praxisfremd

„Im Augenblick ein Trendthema der staatlichen Arbeitsschutzstellen: Die staubarme Baustelle“ sagte DDM Tobias Backhaus, Bachelor of Engineering vom ZVDH. Backhaus gab einen Überblick über die Möglichkeiten der Staubreduktion. „Es existieren Grenzwerte, leider sind aber die Vorgaben der Verordnungen recht praxisfremd“, so Backhaus. Andererseits gibt es gesetzliche Verordnungen wie zum Beispiel das trockene Schneiden von Dachziegeln, die jedoch nicht immer beachtet werden. „Nutzen Sie in jedem Fall die Arbeitsschutzprämien der BG BAU, hier können Sie schnell bis zu 300 Euro sparen“, riet er.

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Hände hoch bei der Frage: Wer setzt auf der Baustelle ein ­Sicherheitskonzept um?

Welche Ziele der Ausschuss Arbeitsschutz hat, vermittelte DDM Martin Weihsweiler, Mitglied im Fachausschuss Umwelt, Arbeits- und Unfallschutz des ZVDH. „Wir wollen den Mitgliedsbetrieben ein stimmiges, branchenspezifisches AMS an die Hand geben. Dieser Ratgeber soll einen Standard gegenüber der BG und der Gewerbeaufsichtsamt definieren, damit wir im Zweifelsfall rechtssicher auf der Baustelle entscheiden und somit schon präventiv agieren können. Ziel ist es, dass im Betrieb jeder jedem helfen kann“, so Weihsweiler.

9 von 19 Anschlagpunkte falsch montiert

Wenn im Betrieb niemand die technischen Vorgaben umsetzt, kann es schnell problematisch werden. Anschlagpunkte im Steil- und Flachdach, war das passende Thema von Christoph Baum, der im Auftrag von Breuer Sicherheitstechnik sprach. Der Experte verdeutlichte die Knackpunkte im Bereich Sicherheit sehr gut. „Sie müssen zugelassene Produkte verwenden und ihre Fachkompetenz nachweisen. Leider sind 9 von 10 Anschlageinrichtungen falsch montiert. Verbauen Sie keine Produkte, die nicht vom DIBT geprüft worden sind. Eine Absturzsicherheit funktioniert wie eine kugelsichere Weste und muss auch schriftlich dokumentiert werden“, warnte der Experte für Absturztechnik, der zahlreiche Fragen beantworten musste.


„Fassade will gelernt sein – und das können wir Dachdecker“, so kündigte RA und DDM Thomas Schmitz, Geschäftsführer des Verbands Nordrhein, die Verleihung des Fassadenpreises DDV Nordrhein 2015 an. Sieger ist das Unternehmen Eduard Fuchs aus Düsseldorf. Inhaber Fuchs präsentierte die Dokumentation der anspruchsvollen Fassadenarbeiten. „Wir hoffen, damit Anreize zu schaffen, damit auch Sie mehr Fassaden fertigen“, sagte Fuchs, der den Preis und 1.500 Euro entgegennahm.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 07.2015.

Letzte Aktualisierung: 20.03.2015

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