Wie eine Wundertüte

Bereits nach zehn Jahren stand die grundlegende Sanierung der Dachflächen einer Wohnanlage in Köln auf dem Plan. Es entstand ein mehrlagiger Systemaufbau mit Gefälledämmung und Sumpfzonen, um eine funktionierende Notentwässerung zu gewährleisten. Beim Abriss erwarteten die Schächt & Sohn Bedachungen einige Überraschungen.

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Zehn Jahre jung und schon das zweite Dach – multiple Mängel in der Abdichtung während der Erstellung des ehemaligen Neubaus hatten zum Versagen der gesamten Dachfläche geführt. Das Ergebnis: Viele der modernen Dachgeschosswohnungen hatten feuchte Stellen im Decken- und Wandbereich. Fotos: DDH

An einer Wohnanlage traten bei den vorhandenen vier Wohnhäusern in den ersten zehn Jahren immer wieder Undichtigkeiten in diversen Räumen auf. Betroffen waren zwangsläufig die Wohnungen unter der obersten Betondecke. Der betreuende Innungsbetrieb Schächt & Sohn Bedachungen GmbH aus Hürth, wurde im akuten Notfall immer wieder beauftragt und konnte naturgemäß nur Notreparaturen durchführen. Dies lag unter anderem an dem hier gegebenen Dachaufbau. Auf einer Betondecke war eine übliche Dampfsperre ausgeführt mit der zum Herstellerzeitpunkt üblichen 10 cm Dämmstoffdicke. Die Abdichtung bestand zum Teil aus bituminösen Dächern sowie aus Kunststoffabdichtungen mit hochpolymeren Dachbahnen. Auf allen Dächern waren auf der gefällelosen Unterlage Gründächer mit einem Substrataufbau von über 10 cm, teilweise bis zu 16 cm ausgeführt. Das Schadensbild zeigte sich insbesondere dadurch, dass innen an den Lüfter- und Gullyrohren, also an den vorhandenen Dachbrüchen in der Betondecke, Wasser eindrang. Da im Fall einer Notreparatur eine intensive Suche kaum möglich ist, griff der ausführende Dachdeckermeister hier zu einer Symptombehandlung. Es wurden also im unmittelbaren Bereich des eindringenden Wassers die entsprechenden Dachflächen geöffnet und die vorhandenen Durchdringungen zusätzlich abgedichtet. Hierbei zeichnete sich schon ab, dass die Dampfsperre nicht ausreichend dicht verklebt war und auch nicht als luftdichte Schicht in den Bereichen angeschlossen war.

Als weiter Schaden wurde von vielen Mietern bemängelt, dass in den Obergeschossen im Außenbereich häufig Schimmelpilz auftrat.

Gutachten deckt Mängel auf

Die Hausverwaltung entschloss sich dann, die Ursache der Schäden vom Sachverständigen überprüfen zu lassen. Bei den Untersuchungen und Überprüfungen konnten folgende Mängel festgestellt werden:

Eine unsachgemäß ausgeführte Attika, die überwiegend ungedämmt oder schlecht gedämmt, respektive falsch gedämmt eine Wärmebrücke darstellte. Partiell war der Beton, der an der Attika aufbetoniert war, überhaupt nicht gedämmt, sodass hier praktisch Kühlrippen entstanden, die insbesondere für die Schimmelpilzbildung im Innenbereich verursachend waren.

Bei der Attika wurden noch weitere Regelverstöße festgestellt, die Abdichtung war nicht bis an die Außenkante der Attika appliziert, wie es das Regelwerk erfordert.

Die Abdichtung war auf einer unzulässigen OSB-Holzwerkstoffplatte befestigt, welche nur 19 mm Dicke hatte. Die anerkannten Regeln der Technik fordern bei Holzwerkstoffen eine Mindestdicke von 22 mm und schon zum damaligen Zeitpunkt ein höherwertiges Material als OSB-Platten.

Die Dachflächen wurden in Stichproben untersucht, dazu wurden einige Bereiche freigelegt, manche Bereiche wurden nur in einer Fläche von circa 25 × 25 cm freigelegt. Hier wurden Untersuchungen mit einem Mikrowellenmessgerät durchgeführt.

Bei exemplarischen Öffnungen in der Dachfläche konnte schon deutliche Feuchtigkeit festgestellt werden. Teilweise war applizierte Mineralfaserdämmung, welche insbesondere um die Gullys verlegt war, tropfnass, sodass sie ausgewrungen werden konnte.

Die verlegte Polystyrolwärmedämmung war fehlerhaft verlegt mit entsprechenden Fugenbildern, nicht im Lagenversatz und ebenfalls deutlich durchfeuchtet.

Herbert Gärtner

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 01.2017

Letzte Aktualisierung: 02.01.2017