Zukunft Flachdach – immer mit geplanter Nutzung?

Schon zum Zeitpunkt der Planung muss klar sein, welche Nutzung ein Flachdach erfahren darf. Der Planer teilt die Fläche in genutzt oder nicht genutzt ein und ordnet der Nutzung den entsprechenden Aufbau zu. Doch was passiert eigentlich mit den Dächern in Deutschland als zukunftsfähiges Bauteil? Sofern die Themen Technisierung und Aufstockung weiter vorangetrieben werden, muss man sich die Frage stellen: gibt es das ungenutzte Dach eigentlich noch?

Carlisle, Gründach
Bestes Beispiel für eine „genutzte Fläche“: das Gründach. Egal ob extensiv oder intensiv, eine jährliche Begehung zur Wartung und Pflege ist hier unumgänglich. Fotos: Carlisle

Schaut man sich einmal die Entwicklung der frei bebaubaren Flächen in Städten an, kommt man schnell zum Schluss, dass es nur wenig Perspektiven für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums gibt. Allerdings gibt es noch Luft nach oben - Hunderttausende von Quadratmetern Dachfläche der Bestandsbauten stünden der Dachaufstockung zur Verfügung. Allein in Hamburg könnten laut einer Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover so rund 70.000 neue Wohnungen entstehen. Warum bauen wir nicht also schnell eine Stadt über der Stadt? Warum nutzen wir nicht die Häuser, die schon da sind, um auf ihren Dächern nutzbare Flächen zu schaffen?

Um diese Frage sicher beantworten zu können, müssen die betreffenden Flächen erst einmal näher betrachtet werden. Denn nicht alle in der Vergangenheit geschaffenen Dachflächen eignen sich für eine weitere Verwendung. Alles beginnt mit der umfassenden Planung. Die sorgfältige Planung einer Instandsetzungsmaßnahme umfasst die sachkundige Bestandsaufnahme mit dem Erfassen des Zustandes des gesamten Daches sowie einer eingehenden Analyse.

Ermitteln des Ist-Zustandes

Hierzu gehört das Zusammenstellen aller wichtigen Objektinformationen, das Begehen des Daches und die Aufnahme aller erkennbaren Mängel sowie das Öffnen des Daches zur Überprüfung des Zustandes der einzelnen Funktionsschichten.

Dabei können die Anforderungen an den Wärme- und Feuchteschutz, der Nachweis des Brandschutzes und der Windsogsicherheit sowie der Standsicherheit und Statik der Dach- und Tragkonstruktion, die Entwässerungssituation und durch Nutzungsänderungen bedingte Anforderungen an den Funktionsschichtenaufbau nicht losgelöst vom Ist-Zustand betrachtet werden. Wurden die entsprechenden Fragen geklärt und ist zunächst eine Sanierung notwendig, gibt es verschiedene Möglichkeiten

Abriss oder Teilabriss

Wenn die Tragdecke zum Beispiel infolge von Fäulnis oder Korrosion nicht mehr ausreichend tragfähig oder die bauphysikalische Funktion nicht mehr gegeben ist, bleibt meist nur der Abriss oder Teilabriss des Bestandsdaches und ein Neuaufbau. Mögliche Ursachen für eine derartige Beschädigung der Tragdecke können in einer fehlenden oder schadhaften Dampf- oder Luftsperrschicht liegen, aber auch in einer verrotteten oder strukturell stark geschädigten Wärmedämmschicht; beispielsweise aus Kork oder Mineralfaserdämmung.

Abriss der Bestandsabdichtung

Wenn die Bestandsabdichtung das Ende ihrer Nutzungszeit erreicht hat, aber der bestehende Schichtenaufbau noch intakt ist, kann es nach einer Prüfung sinnvoll sein, nur die bestehende Altabdichtung zurückzubauen. Dann wird entweder auf einer neuen Zusatz- oder Gefälledämmung oder direkt auf dem vorhandenen Aufbau eine neue Abdichtung verlegt.

Neue Dämmung

Die Bewertung der vorhandenen Dämmschicht ist abhängig von deren Dicke und Wärmeleitfähigkeit. Das daraus resultierende Dämmverhalten entscheidet über die Anordnung einer Zusatzdämmung. Dabei sind die Anforderungen an den Wärmeschutz nach DIN 4108 sowie der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu berücksichtigen.

Thomas Schneider

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 16/2020.


Baustoffe für Dach und Wand

Das Standardwerk behandelt Herkunft, Herstellung, Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Werkstoffe. Insbesondere im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist der Titel ein unentbehrliches Hilfsmittel und entspricht dem aktuellen Rahmenlehrplan des Dachdeckerhandwerks.

Letzte Aktualisierung: 24.08.2020