Zwei für Eckstein

Der Fachkräftemangel ist das Hauptproblem im Handwerk - und das seit Jahren schon. DDM Eckstein beschäftigt zwei Flüchtlinge, die sich vorbildlich integriert haben. Dennoch droht ihnen die Abschiebung.

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Die Migranten haben sich bei Dachdeckermeister Eckstein in Pfahldorf gut integriert.

Die Eckstein Bedachungen GmbH aus Pfahldorf ist ein renommierter Dachdeckerbetrieb in der dritten Generation. Gegründet hat diesen Michael Eckstein im Jahre 1953 mit dem Kapital zweier Schieferhämmer. Heute zählt der mittelständische Betrieb über zwanzig Mitarbeiter in zwei Standorten. Ecksteins haben die gleichen Sorgen und Nöte, wie viele andere Kollegen in Deutschland. Eine davon heißt Fachkräftemangel. Ecksteins haben versucht, dieses Problem anzupacken, nachdem seitens der Politik die Parole ausgegeben wurde, mit Flüchtlingen könne auch der Verknappung motivierter und kompetenter Mitarbeiter entgegengewirkt werden. Wie sich herausstellen sollte, war es kein leichter, aber schließlich doch ein von Erfolg gekrönter Weg. Juniorchef Raphael Eckstein berichtet:

„Wir als Dachdeckerei und Spenglerei haben hier zwei Menschen eine Chance gegeben. Beide haben diese Chance genutzt. Unser kleiner Ort bekam seinerzeit sieben Flüchtlinge zugeteilt. Wir haben kurzentschlossen alle zum Probearbeiten eingeladen. Es war kein Zuckerschlecken. Wir konnten nicht sagen, okay ihr könnt sofort anfangen. Ein schwerer und langer Weg musste gegangen werden bis zur endgültigen Erlaubnis, dass zwei der Geflüchteten bei uns arbeiten dürfen.“

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Schieferherz aus Flüchtlingshand. DDM Ecksteins Helfer befürchten ihre Abschiebung. Fotos: Eckstein

Zwei pakistanische Flüchtlinge hat der Dachdecker eingestellt und angelernt. Muhammad Asfaq hatte als ausgebildeter Schreiner schon bauhandwerkliche Vorbildung und tätigt heute selbstständig Spenglerarbeiten. Auch Asif Mashi, gelernter Frisör, ist für den Dachdecker als Helfer nunmehr unentbehrlich. Beide sind in das betriebliche und soziale Umfeld in Pfahldorf bestens integriert. Sie zahlen Steuern und Abgaben, haben eigene Wohnungen gemietet und sprechen sehr gut Deutsch, da es ohne Kommunikation auf der Baustelle nicht geht.Eine Erfolgsgeschichte - könnte man denken. Leider droht diese an der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu scheitern. Politische Appelle und angewandte Rechtsprechung erzeugen derzeit Widersprüche, die nur schwer zu vermitteln sind und demotivieren. Laut BAMF müssen die beiden das Land verlassen, da Pakistan als sicheres Herkunftsland eingestuft ist. Warum Ecksteins ihre zuverlässigen Mitarbeiter verlieren müssen, kann der Unternehmer nicht nachvollziehen. Für ihn besteht dringender Handlungsbedarf seitens der Politik, Lösungen zu schaffen, diesen Menschen ein Bleibe- und Arbeitsrecht zu erteilen. Um die Situation seiner Mitarbeiter zu verbessern, hat er eine Petition verfasst, die viel Öffentlichkeit erzeugen soll. Darin heißt es: „Darum bitte ich Sie, eine Lösung für solche Fälle zu suchen und zu finden. Wir haben es uns nicht ausgesucht, aber da wir uns sehr schwer tun, Personal zu finden - und das geht sicher nicht nur uns Dachdeckern so - muss alles versucht werden, dass die beiden in unserem Unternehmen bleiben dürfen“.

Brigitte Latsch

Letzte Aktualisierung: 09.04.2018

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