„Zweiter Frühling für Solar?“

Hat sich der Solarmarkt gesundgeschrumpft? Welche Dachdecker werden jetzt profitieren? Sieben Experten diskutierten in Köln, warum Solar doch noch ein lukratives Geschäft für die Dachdecker wird.

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Runder Tisch: 7 Experten diskutierten im Rudolf Müller Verlag über Solarmärkte von Dachdeckern. Foto: DDH

Herr Bollwerk, Sie haben eine eigene Solar GmbH gegründet. Wann war das und wie kam es dazu?
Dirk Bollwerk: Die Gründung unserer Solar GmbH war 2010 – im Endstadium des alten EEG (Erneuerbare Energien-Gesetz) – relativ spät, obwohl wir uns bereits mit Solar beschäftigten. Der Einstieg war problematisch, denn es gab damals im Solarmarkt unglaubliche Umsätze mit ebensolch unglaublich geringen Margen. Mittlerweile sind die fetten Jahre vorbei . Die 100-KW-Anlagen auf den Bauernhöfen können wir kaum noch realisieren. Unseren Anteil am Geschäftsvolumen würde ich auf rund drei Prozent beziffern. Mittlerweile verbauen wir PV-Elemente eher als 3-KW-Anlage auf einem Einfamilienhaus. Das ist – verbunden mit einer guten Speicherlösung – ein kleiner, aber beständiger Markt.

Klein, aber beständig, können Sie das unterschreiben, Herr Kautz?
Hans-Jürgen Kautz: Nur zum Teil. Für mich ist Photovoltaik schwierig, denn die Kunden sind extrem skeptisch bis verunsichert. Bei der letzten PV-Anlage, die wir verbaut haben, hatte der örtliche Stromversorger Probleme mit der Umstellung des Zählers. Die Anlage konnte nicht ans Netz und ich bekam den Ärger des Kunden ab, nach dem Motto: „Solange ich das nicht einspeisen kann, sehen Sie von mir kein Geld.“

Herr Bremer, Nelskamp hat recht spät den Solarmarkt für sich entdeckt, warum?
Christian Bremer: Wir haben den Markt lange beobachtet und festgestellt, dass der Widerwille bei den Handwerkern sehr groß war. Diese Vorbehalte scheint es jetzt nicht mehr zu geben.

Herr Stockinger, auch Klöber hat lange abgewartet, Produkte für den Solarbereich zu produzieren. Zulange?
Fritz Stockinger: Ich denke nein. Wir haben festgestellt, dass der Solarmarkt von den Dachdeckern lange Zeit nicht forciert wurde. Es gab kaum Anfragen zu dem Thema. Mittlerweile haben wir Produkte wie Dachdurchgänge für PV und Solarthermie sowie Manschetten für den luft-/winddichten Anschluss an die Unterdeckbahn und die Dampfsperre entwickelt. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenz, professionelle Zubehörlösungen. Paneel-Anbieter gibt es genug. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Einfachheit und Schnelligkeit beim Einbau. Denn allein das Beraten der Kunden im Vorfeld und die Koordination bei der Umsetzung sind beim Thema Solar ein Fulltime-Job. Damit kaufe ich mir – wie Herr Kautz schon erwähnt – auch Beratungsrisiko ein.

Herr Löttgen, Schadensfälle sind Ihr Thema. Was macht der Dachhandwerker beim Einbau immer noch falsch?
Ulrich Löttgen: Vor allem beim Flachdach gibt es erhebliche Probleme. Hier wird oftmals durch dachferne Gewerke auf alten Belägen aufgebaut, der vorhandene Dachaufbau nicht sorgfältig geprüft. Der Verarbeiter nimmt eine Probe einer 1,5 dicken PVC-Bahn, dann wird die Anlage auf das Dach gebracht – fertig. So wurde zum Beispiel bei einem Objekt im Duisburger Hafen verfahren: 30.000 m2 Dachfläche mit 20.000 m2 Modulen bestückt. Leider verbaute ein Schlosser die Module und bohrte mit Stockschrauben durch die Abdichtung, der Schaden war immens. Die andere Seite der Problematik ist: Der Ausführende prüft zu selten, ob die statischen Eigenschaften für die zusätzliche Last und die Druckfestigkeit der vorhandenen Wärmedämmung ausreichend sind. Dann kommt noch das Thema Windsogsicherheit dazu. Die Module werden gereinigt, aber die Dachflächen zu selten gewartet. Im Steildachbereich sieht es besser aus. Hier gibt es Probleme, wenn „gebastelt“ wird.

Herr Hauf, welche Hilfestellungen gibt der Dachhandel dem Dachdecker?
Andreas Hauf: Bereits seit 2001 hatten wir das Thema Solar im Fokus und luden zu Foren und Solar-Workshops ein, zu Anfang noch mit bescheidener Resonanz. Wir sehen unsere Hauptaufgabe in der Beratung und Planung für die Dachdecker. Wir haben drei Mitarbeiter, die sich nur mit Photovoltaik beschäftigen, die auf Wunsch auch mit auf der Baustelle sind und vor Ort beratend unterstützen. Von unseren 2.500 Betrieben investieren bisher rund 20 Prozent in erneuerbare Energien. Die Pioniere, die damals eingestiegen sind, tragen heute ein breites Lächeln zur Schau.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag zur Expertenrunde lesen Sie in der DDH EDITION - Band 34, Ratgeber Energieträger Dach.


Letzte Aktualisierung: 16.01.2014