Hätte der Bau seit 1991 so an Produktivität zugelegt wie die Gesamtwirtschaft, hätte er bis 2019 mit derselben Arbeit rechnerisch rund 2,3 Millionen Wohnungen mehr bauen können. Das ist Wohnraum für rund 4,3 Millionen Menschen, mehr als Berlin Einwohner hat.
Das zeigt eine Auswertung amtlicher Daten durch Benetics AI, die das Unternehmen gemeinsam mit dem Bundesverband Digitales Bauwesen (BDBau) zur Eröffnung der gedatec vorstellt. Vor der Messe Berlin enthüllten beide heute Morgen ein gelbes Ortsschild für eine Stadt, die es nie gab: Hättehausen.
„Die Zeit geht zwischen Baustelle und Büro verloren“
Roland Gerwing, Geschäftsführer des Elektro- und SHK-Betriebs Gerwing Söhne aus Bonn, kennt das aus dem Alltag: „Auf unseren Baustellen arbeiten gute Leute. Die Zeit geht nicht beim Arbeiten verloren, sondern zwischen Baustelle und Büro: beim Dokumentieren, Suchen, Nachfragen und Nacharbeiten, weil ein Plan veraltet war. Genau da hilft uns Benetics AI.“
Wo der Rückstand sitzt
Grundlage sind die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamts (Rechenstand Mai 2026). Neu an der Auswertung ist der Blick in die einzelnen Bereiche des Baus. Die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigem entwickelte sich von 1991 bis 2019 so:
Ausbau (u. a. Elektro, Sanitär, Heizung, Trockenbau): minus 28 Prozent Hochbau: plus 7 Prozent Tiefbau: plus 30 Prozent Gesamtwirtschaft zum Vergleich: plus 28 Prozent Im Ausbau arbeiten drei von vier Erwerbstätigen am Bau. Je Arbeitsstunde gerechnet erwirtschaftete das gesamte Baugewerbe 2019 real rund 12 Prozent weniger als 1991, die Gesamtwirtschaft rund 44 Prozent mehr. Die Auswertung endet 2019, weil die Jahre danach stark von Preis- und Nachfrageeffekten geprägt sind. Nach vorläufigen Zahlen ist der Abstand seither weiter gewachsen.
Ein Hebel liegt in den Betrieben
Vieles am Rückstand liegt außerhalb der Betriebe, etwa Regulierung, Genehmigungsverfahren und der Fachkräftemangel. Die Zahlen sind deshalb kein Urteil über die Menschen auf der Baustelle. Einen Teil haben die Betriebe aber selbst in der Hand, nämlich wie Informationen zwischen Baustelle und Büro fließen.
„KI darf kein Bürothema bleiben“, sagt Ferdinand Metzler, Gründer und CEO von Benetics AI. „Sie öffnet den Menschen auf der Baustelle einen neuen Zugang zur Digitalisierung, und dort liegt der Produktivitätshebel.“
„Digitalisierung am Bau wird oft mit BIM und Großprojekten gleichgesetzt“, sagt Roland Riethmüller, geschäftsführender Vorstand des BDBau. „Dabei zeigen die Zahlen, wo die Digitalisierung tatsächlich am dringendsten benötigt wird: in den ausführenden Gewerken. Dort haben digitale Werkzeuge das größte Potenzial, diese allgemeine Entwicklung zu korrigieren. Wichtig ist nur, dass sie auch im Alltag ankommen.“
Ortsschild, Daten und Gesprächspartner
„Mit der gedatec bringen wir erstmals Elektro, SHK und Dach unter einem Dach zusammen. Hättehausen zeigt, warum das wichtig ist: Ob am Bau produktiver gearbeitet wird, entscheidet sich in den ausführenden Gewerken“, sagt Ruth Senitz, Projektleiterin der gedatec bei der Messe Berlin.
Das Ortsschild steht bis 15. Oktober am Stand von Benetics AI auf der gedatec (Halle 2.2, Stand 324).
