Wie viele Module passen auf das Dach? Diese Frage stellen Kunden oft, bevor jemand oben war. Das kostenlose Programm Tegrona Lite beantwortet sie aus einem einzigen Foto – und nutzt dafür etwas, das jeder Dachdecker kennt: die Deckmaße der Ziegel.
Für eine erste Belegungsplanung braucht es meist ein Aufmaß: Leiter, Gerüst oder eine Drohnenbefliegung mit Auswertesoftware. Tegrona Lite geht einen anderen Weg. Ausgangspunkt ist ein Foto des Daches, aufgenommen vom Boden, mit der Drohne oder als Luftbild. Der Nutzer markiert die Dachfläche, das Programm zieht die Perspektive anhand der Ziegelreihen gerade: Reihen und Spalten verlaufen auf dem Dach parallel und im Bild auf Fluchtpunkte zu, daraus wird die Verzerrung herausgerechnet. Weil dabei die Eindeckung und nicht nur der Umriss gemessen wird, lassen sich auch trapez- und dreieckförmige Flächen entzerren. Den Maßstab liefert der Ziegel. Der Nutzer wählt das Modell aus einem Katalog mit den Deckmaßen von 362 Dachziegeln oder trägt eigene Werte ein; das Programm zählt die Ziegel im markierten Bereich und rechnet daraus die Abmessungen der Dachfläche. Die Deckbreite ist durch den Falz auf ein bis zwei Millimeter festgelegt. In Fallrichtung hängt das Maß von der Lattung ab, hier liegt die Unsicherheit bei etwa fünf Prozent. Für Blech, Schiefer und Flachdach gibt man stattdessen eine bekannte Länge vor. Anschließend werden Schornstein, Dachfenster und Lüfter als Sperrflächen markiert. Das Programm verlegt die Module mit dem gewählten Rand- und Modulabstand, auf Wunsch gemischt hoch und quer; einzelne Module lassen sich von Hand verschieben. Am Ende steht ein A4-Blatt mit Modulzahl, Leistung in kWp, belegter Fläche sowie der Zahl der Mittel- und Endklemmen.
Wie das Programm in der Praxis funktioniert, zeigt ein Referenzobjekt: geplant aus einem einzigen Drohnenfoto, danach so gebaut. Es sind 24 Module mit 11,28 kWp auf 47,95 Quadratmetern, dazu 32 Mittel- und 32 Endklemmen. Die Dachmaße von 13,84 × 6,40 Metern stammen aus der Ziegelteilung, nicht aus einem Aufmaß vor Ort. Die Grenzen sind klar gezogen. Ertrag, Verschattung, Stringauslegung und Statik berechnet das Programm nicht; für die Unterkonstruktion bleibt die Berechnung des Herstellers des Montagesystems maßgeblich. Lassen sich die Ziegelreihen auf einem Foto nicht sicher auswerten, etwa bei einer Aufnahme schräg über die Hausecke, meldet das Programm das, statt ein unsicheres Ergebnis anzuzeigen. Der Katalog der Deckmaße ist auch unabhängig vom Programm frei zugänglich.
Tegrona Lite ist kostenlos und ohne Registrierung nutzbar, im Browser sowie als Programm für Windows, macOS und iPad. Das Foto wird auf dem eigenen Gerät verarbeitet und nicht hochgeladen. Entwickelt wird das Programm von Michael Scherer in Fellbach.
