Schlagfertige Referenten, ein schwer aktuelles Thema – an die 130 Dachdeckerinnen und Dachdecker aus Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren dieser Tage in das Revita-Hotel Bad Lauterberg gekommen, um am 22. BFW-Seminar teilzunehmen. Die drei Buchstaben BFW stehen für den Verein „Berufsförderungswerk des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen und Sachsen-Anhalt e.V.“ Und der lädt die Führungskräfte im Dachdeckerhandwerk regelmäßig zu Fortbildungen in geselligem Rahmen ein. Referenten waren diesmal Dachdeckermeister Jan Voges in seiner Funktion als Landesreferent für Digitalisierung im LIV, Karl-Heinz Krawczyk, Landesinnungsmeister aus Baden-Württemberg, der IT-Spezialist Harald Weber und ein Geheimagent, der gar keiner ist, Jörg Peine-Paulsen vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Abteilung Verfassungsschutz. Sie alle hatten ein Leitthema: Digitalisierung, Dachdeckerhandwerk goes digital, na, das kann heiter werden, und wurde es.
Bevor es aber auf die Reisen in das Land der Bits und Byts ging, gab es ganz analog eine Auszeichnung zu verleihen, den BFW-Award. Das übernahm der Vorsitzende Rudolf Behr persönlich. Er ging in diesem Jahr an die Böcker Maschinenwerke GmbH in Werne. Das Unternehmen ist seit 1984 Mitglied im BFW.

In der digitalen Welt dürfen Arbeitgeber längst nicht alles
Was lässt sich nicht alles an Informationen über Menschen aus dem Internet ziehen. Für manchen Arbeitgeber ist das eine echte Fundgrube, und so mancher Menschen hinterlässt so viele Spuren, dass man ohne Probleme ein Profil zu ihm erstellen kann. Doch Vorsicht. Arbeitgeber dürfen viel, aber nicht ihre Mitarbeiterschaft „ausspionieren“. Dr. Frank Biermann, der BFW-Hauptgeschäftsführer, referierte über die bösen Fallen der schönen digitalen Informationswelt. Sein Fazit: Bei aller Freizügigkeit mancher Menschen, es gibt Grenzen, und zwar für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer. Das gilt auch für Veröffentlichungen von personenbezogenen Daten auf der Homepage von Arbeitgebern. Im Zweifel, so Biermann, sei Expertenrat hilfreich. Den gibt es beim LIV.
Nach dem Kurzausflug des Hauptgeschäftsführers legte Jan Voges los. Der Mann ist Dachdeckermeister, Influenzer, Youtuber, Alleinunterhalter im Wort und irgendwie Menschenversteher. Digital, sagt er, das habe was mit den Generationen zu tun, mit Sprache, Selbstverständnis, Ansprüchen, Lebenseinstellungen, Führungsstil, kurz: Digitalisierung ist eine komplizierte Sache. Um Ordnung zu schaffen, nahm er sich die Generationen vor: Silent, Boomer, X, Y, Z und Alpha. Eine jede hat ihre Eigenart, und keine dieser passt zur anderen, was sich offenbar auf die Kommunikation auswirkt. Ein echtes Problem, aber Voges ist der Generationenversteher. Sein Fazit überrascht, denn am Ende sind es wohl das eigene Selbstverständnis gepaart mit wesentlichen Grundwerten.
Der I-Pad-Papst braucht kein Büro
Nach der kräftigen aber schwer heiter ausgeführten Ohrfeige von Jan Voges in Sachen verfehlter Interaktion brauchte es dringend etwas Trost für die digital geplagte Handwerkerseele. Bitteschön. Karl-Heinz Krawczyk lieferte. Der Landesinnungsmeister aus Baden-Württemberg ist der Papst des Büros im I-Pad-Format samt Cloud. Für den passionierten Flieger reicht das aus, um sein Unternehmen zu leiten, seiner Fliegerei zu frönen und auch noch Privatsphäre zu genießen. Er plant, kalkuliert, schreibt Angebote, dokumentiert Baustellen, fakturiert alles mit der Wunderwaffe gegen den Büroblues. Arbeiten, von wo aus man auch möchte, aber nur so viel, wie nötig, dabei mehr Geld verdienen, das klang beinahe nach einer Phantasiewelt. Für Karl-Heinz Krawczyk ist das Realität.
Finden und gefunden werden, aber bitte sicher
Unter dem Schlagwort Optimierung bei gleichzeitig größter Sicherheit könnte man die Referate des zweiten Seminartages zusammenfassen. Zunächst lockte Harald Weber die Anwesenden auf das Glatteis Unternehmensdarstellung im Internet und gelungene Mitarbeiterfindung. Für wen der Begriff SEO-Optimierung neu war, der hat jetzt Klarheiten, warum sich sein Betrieb im Internet sozusagen verliert. Aber: Wie wird man gefunden, und welche Ansprache braucht es? Auch Weber bemühte die Generationen, deren Sprache sowie die Art und Weise der Informationsgewinnung. Ein Fazit: es geht um Themen, Typen und die passenden Schlagworte dazu. Ist doch einfach, oder?
Waren alle auf dem Weg in das Glück bringende „www“, da machte Jörg Peine-Paulsen vom niedersächsischen Verfassungsschutz den Spielverderber: Datenklau, Datenmissbrauch, Spionage, Erpressung – die dunkle Seite des Internets. Überall lauern die bösen Fallen. Und so mahnte er, auf die Sicherheit der Betriebsinformationen und -daten zu achten. Passworte? Cloud? Huch, da war doch was mit der idealen Lösung für ein Büro im Tablettformat. Und jetzt? Peine-Paulsen kennt die Tricks der Bösewichte, am Ende seines Referats galt das auch für die Dachdeckergemeinde. Digitalisierung? Ja, die ist trotzdem gut und richtig.