Was als lebendige Präsentation des Dachdeckerhandwerks auf dem Hessentag begann, hat einen besonderen Abschluss gefunden: 5.000 Euro übergaben die hessischen Dachdecker für die Spendenaktion „Ich brauche deine Hilfe“ der Fuldaer Zeitung. Das Geld stammt aus einer spontanen Spendenaktion am Hessentagsstand der Dachdecker-Innung Fulda und des Dachdecker-Zentrums Hessen.
Zehn Tage lang war Fulda beim Hessentag Schaufenster für Kultur, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft – und nicht zuletzt für das Handwerk. Mittendrin präsentierten sich die Dachdecker mit einem Stand, an dem es ausdrücklich nicht nur ums Zuschauen ging. Hier wurde gearbeitet, ausprobiert, gefragt, gelacht und gestaunt. Die Dachdecker-Innung Fulda hatte gemeinsam mit dem Dachdecker-Zentrum Hessen einen Auftritt geschaffen, der die erstaunliche Vielfalt des heutigen Dachdeckerberufs erlebbar machte. Zwischen Schiefer, Metall, Gründach, Werkzeugen, Dachfenstern und virtuellen Dachwelten konnten die Besucher erleben, dass modernes Dachdeckerhandwerk weit mehr ist als Ziegel aufs Dach zu bringen.
Wenn aus kleinen Geschenken eine große Spende wird
Besonders begehrt waren die direkt am Stand gefertigten Alurosen und Schieferherzen. Eigentlich sollten die kleinen handwerklichen Kunstwerke an die Besucher verschenkt werden. Doch die Nachfrage war so groß, dass spontan eine Spendenbox aufgestellt wurde. Eine Entscheidung mit überraschendem Ergebnis: Mehr als 4.800 Euro kamen während der zehn Hessentagstage zusammen. Die Dachdecker-Innung Fulda rundete den Betrag anschließend auf 5.000 Euro auf. Im Rahmen des Landesverbandstages des hessischen Dachdeckerhandwerks in Fulda konnte die Summe nun offiziell an die Aktion „Ich brauche deine Hilfe“ der Fuldaer Zeitung übergeben werden. Das Geld kommt Menschen und sozialen Projekten in der Region zugute. Möglich wurde die Aktion auch durch die Unterstützung von Partnern aus Industrie und Handel. Insbesondere PREFA sowie Rathscheck Schiefer und Dach-Systeme, Dachdecker-Einkauf Süd eG, Niederlassung Eichenzell, und Smolka GmbH & Co. KG stellten Material für die Aktionen auf dem Hessentag zur Verfügung beziehungsweise spendeten es. Die Dachdecker bedanken sich ausdrücklich für diese Unterstützung.
Dachdeckerhandwerk zum Anfassen
Dass die Spendensumme überhaupt entstehen konnte, war letztlich ein Ergebnis des besonderen Konzepts des Hessentagsauftritts. Die Dachdecker wollten ihren Beruf nicht hinter Roll-ups und Broschüren erklären, sondern ihn erlebbar machen. Zeitweise, so schildert es Obermeister Jürgen Bug, sei den Dachdeckern regelrecht „die Bude eingerannt“ worden. Junge Menschen konnten ausprobieren, wie sich Schiefer anfühlt und wie er bearbeitet wird. Kinder durften unter Anleitung selbst Hand anlegen. Erwachsene informierten sich über Dachfenster, Gründachaufbauten und moderne Lösungen rund um das Dach. Aus manchem neugierigen Blick entwickelte sich dabei ein konkretes Beratungsgespräch – etwa wenn ein ausgestelltes Gründach plötzlich die Idee weckte, auch die eigene Garage zu begrünen. Rund zehn bis fünfzehn Mitwirkende sorgten täglich dafür, dass der Stand über die gesamte Dauer des Hessentages besetzt war. Für die Beteiligten bedeutete das lange Tage und ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement. Dahinter stand eine einfache Überzeugung: Wer für sein Handwerk und um Nachwuchs werben will, muss sichtbar und ansprechbar sein.
Ein Innungszeichen entsteht vor den Augen der Besucher
Wie eng im Dachdeckerhandwerk Tradition, Präzision und Gestaltung miteinander verbunden sind, zeigte Ausbilder Leon Hain vom Dachdecker-Zentrum Hessen. Während der ersten acht Veranstaltungstage fertigte er live aus Schiefer ein Innungszeichen mit einem Durchmesser von rund einem Meter. Zum Abschlusswochenende wurde das fertige Werk zu einem besonderen Blickfang am Stand. Auch Schieferherzen, Ornamente und weitere Vorführungen zeigten, wie vielseitig der traditionelle Werkstoff eingesetzt werden kann. Schiefer ist eben nicht nur ein langlebiger und natürlicher Baustoff – in den Händen eines Könners wird er auch zum Gestaltungsmaterial.
Mit der VR-Brille aufs Dach
Traditionelles Handwerk und moderne Technik standen dabei keineswegs im Widerspruch. Ein weiteres Highlight des Auftritts war das Dachmobil mit der neu integrierten virtuellen Dachwelt. Im Kuppelzelt konnten Besucherinnen und Besucher eine VR-Brille aufsetzen und sich auf Dächer begeben, die im wirklichen Leben nicht ohne Weiteres zugänglich wären – unter anderem auf den Kölner Dom. Gerade für die Nachwuchswerbung war diese Verbindung aus realem Handwerk und virtueller Welt ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Denn junge Menschen wollen heute nicht nur hören, dass ein Beruf Zukunft hat. Sie wollen erleben, was sie darin tun, gestalten und erreichen können. Das Dachdeckerhandwerk bietet dafür viele Möglichkeiten: Arbeiten mit unterschiedlichen Werkstoffen, moderne Technik, sichtbare Ergebnisse der eigenen Arbeit und ein Beruf, bei dem handwerkliches Können und Selbstverwirklichung eng zusammengehören können.
Dachdecker zeigen beim Festumzug Gesicht
Präsenz zeigte das Dachdeckerhandwerk auch über den eigenen Stand hinaus. Gemeinsam mit weiteren Handwerksberufen beteiligten sich die Dachdecker am großen Festumzug am Sonntag, 21. Juni 2026. Dazu waren zahlreiche Dachdecker in Zunftkleidung aus der benachbarten Dachdecker-Innung Kassel sowie aus dem Dachdecker-Zentrum Hessen nach Fulda gekommen. Gemeinsam gaben sie dem Dachdecker-Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht. Zu den besonderen Momenten gehörte die Begegnung mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, dem die große Dachdecker-Abordnung ein persönliches Geschenk überreichen konnte.
