Diesen Satz hört man häufig auf der Baustelle. Bei kurzen Kontrollen oder kleinen Reparaturen fühlen sich Dachhandwerker nicht zuletzt aufgrund ihrer Routine vermeintlich sicher. Der tatsächlichen Gefahr schaut kaum einer gerne ins Auge.
Es zeigt sich Immer wieder, dass Handwerker auf Dächern ungenügend gesichert sind, speziell bei Instandhaltungs- und bei Wartungsarbeiten. Wie oft fällt bei solchen Arbeiten der Satz: "Ich geh‘ mal schnell was reparieren". Das sind dann die Situationen, in denen oft keine Sicherung angewendet wird. Oft erscheinen auch dem Bauherrn die Kosten für die "überflüssige" Einrichtung einfach zu hoch. Dabei ist der Aufwand für Schutzeinrichtungen in keinem Verhältnis zu den Folgekosten eines Absturzes zu sehen.
Die Folgen solcher Fehlannahmen stellen sich, in Zahlen ausgedrückt, so dar: Knapp ein Drittel der tödlichen Arbeitsunfälle auf dem Bau ereignen sich rund um das Dach. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersuchte alle tödlichen Arbeitsunfälle der Jahre 1998 bis 2000. 34,9 Prozent ereigneten sich durch Abstürze. Dabei stellten die Abstürze von Dächern mit 28 Prozent den größten Anteil dar. Die Bau BG ermittelte von 2000 bis 2002 insgesamt 902 Durchsturzunfälle. Generell sind solche Ab- und Durchstürze meist mit schwersten Verletzungen oder dem Tod verbunden. Die Schutzmaßnahmen gegen Absturz für Bauarbeiten regelt die UVV, BGV C 22 Bauarbeiten in den §§ 12 und 12 a. Für Absturzsicherungen gilt die Rangfolge: 1. Seitenschutz, 2. Auffangeinrichtungen und 3. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz.
Der Seitenschutz im Volksmund auch "Geländer" genannt besteht aus Handlauf, Zwischenräumen und Fußleiste beziehungsweise Bordbrett. Dieser gilt allgemein als effektivste Absturzsicherung. Hier sind jedoch zusätzliche temporäre (EN 13374:2004) oder permanente Seitenschutzeinrichtungen (Musterbauordnung der Arbeitsstättenverordnung) zu wählen. Und da beim Aufbau des Seitenschutzes ebenfalls eine erhöhte Absturzgefahr besteht, ist auch der Gerüstbau entsprechend zu sichern.
Auffangeinrichtungen in Form von Netzen, Drahtgeflechten, Überdeckungen oder ähnlichem finden oft dort Anwendung, wo Lichtkuppeln, Lichtbänder, lichtdurchlässige Dachplatten oder Faserzement-Wellplatten das Dach decken. All diese Bauelemente gelten als nicht durchtrittsicher. Entsprechend stellen lichtdurchlässige, nahezu flächenbündige Dacheinbauten seit jeher eine große Gefahr dar. Gerade im Winter bei Schnee oder durch starken Witterungseinfluss sind sie oft nur schlecht oder gar nicht von den übrigen Elementen zu unterscheiden.
Temporär oder permanent
Die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSA) unterscheidet temporäre und permanente Systeme. Mit der temporären horizontalen Absturzsicherung kann der Nutzer die bei der Errichtung des Bauwerks permanent eingebauten Einzelanschlagpunkte miteinander verbinden. Ein bequemes und sicheres Begehen des Daches ist damit leicht möglich. Der Vorteil einer solchen Lösung ist die relative Kostenersparnis beim Erstellen des Bauwerks sowie die geringen Anschaffungskosten. Der Nachteil besteht darin, dass der Nutzer dann doch die Arbeit "mal eben schnell" ausführt, ohne vorher an die eigene Sicherheit zu denken und die Anlage nicht installiert. Und das, obwohl die Installation nur wenige Minuten dauert und im Idealfall zwanzig Meter Spannweite bei gleichzeitiger Nutzung von zwei Personen erreicht.
Als permanente Absturzeinrichtung wird eine Aluminium- oder Edelstahlschiene eingesetzt. Die am häufigsten gewählte und wirtschaftlichste Lösung für permanente Systeme ist die Sicherung mit einem acht Millimeter dicken Edelstahlseil. Dieses wird über die Einzelanschlagpunkte durch einen Anfangs- und Endpunkt sowie über fahrbare Zwischenhalter mit dem Bauwerk verbunden. Die Lösung kann auf jedem Dach durch verschiedene Befestigungen zum Beispiel für Stehfalz-, Folien- oder Pfannendächer bereits in der Bauphase eingerichtet oder nachgerüstet werden. Hierbei muss, wie bei allen anderen Einrichtungen auch, die statische Tragfähigkeit der Unterkonstruktion berücksichtigt werden.
Der Vorteil der permanenten Absturzsicherung ist die ständige Verfügbarkeit. Es werden keine zusätzlichen sicherheitsrelevanten Vorbereitungsarbeiten für die Instandhaltung des Daches benötigt. Das System stellt eine maximale Zuverlässigkeit dar, da es speziell für das Gebäude konfiguriert wurde. Es ist bequem für die Nutzer, da der Läufer mühelos ohne ihn umzuhängen über die Zwischenanker gleitet. Für den Nutzer gibt es keinen Nachteil, lediglich der Bauherr muss etwas höhere Kosten bei der Erstellung seiner Immobilie berücksichtigen.
Bei der Anschaffung sollte bedacht werden, dass die Systeme leicht zu warten sind, über einen Absturzindikator verfügen und sich der Läufer an jeder Stelle des Systems mühelos auf- und abnehmen lässt, wie zum Beispiel beim Skyline-System von Skylotec. Eine horizontale permanente Lifeline gliedert sich sauber geplant mühelos in die Architektur des Gebäudes ein.
Alexander Merl