Seit rund vier Jahren nutzt Dachdeckermeister Frank Hüttemann Thermografie-Kameras für seinen Betrieb. Im Interview mit DDH spricht Hüttemann über den Aufbau des Geschäftsfeldes und seine Erfahrungen mit der Technik.
Wie sind sie zum Thema Thermografie gekommen?
Die Idee war ursprünglich, die Tätigkeiten im Winter etwas auszubauen und die Schlechtwetterzeit zu überbrücken. Meine erste Kamera habe ich Ende 2006 gekauft. Das war schon ein gewisses Kosten-Risiko, damals haben sich auch nur wenige Dachdecker mit Thermografie beschäftigt. Ich wusste daher auch nicht, wie schnell sich die Anschaffung amortisieren würde. Erstes Praxiswissen habe ich bei einem Lehrgang des Herstellers gesammelt. Es hat dann aber zügig mit der geschäftlichen Nutzung von Thermografie-Bildern funktioniert, und als im Januar 2007 noch "Kyrill" über das Land fegte, war ich voll ausgelastet.
Wie haben Sie diesen Geschäftszweig weiter ausgebaut?
Ich konnte relativ frühzeitig eine Geschäftsbeziehung mit dem Essener Umweltamt aufbauen, mit dem ich inzwischen seit mehreren Jahren im Rahmen der Thermografie-Sonderaktion zusammenarbeite. Das Umweltamt bietet in dieser Aktion einen günstigen Thermografie-Gebäude-Check an und leitet die Aufträge an ausgewählte Thermografen weiter. Das sind in jedem Jahr rund sechzig bis achtzig Gebäude, die ich innerhalb dieser Kooperation thermografiere. Gerade bei der ersten Diagnose zeigen sich die Vorteile des Systems: Kunden reagieren ganz anders, wenn ich Ihnen komplizierte energetische Zusammenhänge mit Farben visuell darstelle. Das ist für jeden nachvollziehbar.
Die Thermografie ist bei uns eingebettet in die gesamte Betriebsstruktur, die Erst-Diagnose mit der Kamera ist nur der erste Schritt. Wir kooperieren in einem Kompetenzteam von Gebäudeenergieberatern aus verschiedenen Gewerken und bieten dem Kunden Komplettleistungen und Sanierungskonzepte rund um die Gebäudehülle an. Die Thermografie kommt am Ende einer Maßnahme bei Qualitätskontrolle und Dokumentation aller Arbeiten Wärmedämmung, Fußbodenheizung, Solarthermie und so weiter wieder ins Spiel. Gerade bei Dach-und Fassadensanierungen sind Vorher-Nachher-Thermografien sehr beliebt.
Wie sind sie derzeit ausgestattet?
Inzwischen arbeite ich mit einer größeren Kamera mit mehr Funktionen und besserer Bildauflösung. Auch hier geht der Fortschritt weiter und man versucht natürlich, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Für die kommende Wintersaison werde ich voraussichtlich noch eine größere Kamera anschaffen. Zusätzlich benötigt man noch geeignete Software, um Thermografien zu bearbeiten.
Gehören Thermografie-Kameras bald zur Standard-Ausrüstung von Dachdeckern?
Aus jetziger Sicht eher nicht. Gute Kameras sind in der Anschaffung sehr teuer, man muss sich schon intensiv mit der Materie befassen, sich laufend weiterbilden und viel Arbeit in die Vermarktung stecken. Die Kamera lohnt sich vor allem für Unternehmen und Handwerkskooperationen, die rund um die energetische Sanierung Leistungen und Beratungen anbieten. Die Investition in die Kamera ist dann Teil einer Mischkalkulation. Allerdings werden die Kameras mit der Zeit immer günstiger dass wird sicher einige dazu bewegen, es mit der Thermografie zu versuchen.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem aktuellen Ratgeber