News 2010-09-28T00:00:00Z "Probezeit" bestanden

Jörg-Dieter Mann bleibt nach einstimmigem Votum bis 2013 Landesinnungsmeister. Der Blick auf Mitglieder- und Ausbildungszahlen zeigte: Der Landesverband hat seine Hausaufgaben gemacht.

Landesinnungsmeister Jörg-Dieter Mann war erfreut: Trotz Spätsommerwetter und der zur Zeit fast übergroßen Nachfrage nach Dachdeckerleistungen in Berlin hatten sich zahlreiche Dachdecker und Firmenvertreter zum 6. Landesverbandstag in der Handwerkskamm am Mehringdamm zusammengefunden, um Beschlüsse für die Zukunft zu fassen und auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Für Mann das erste Jahr als Landesinnungsmeister und Grund genug, den Vorstandskollegen und dem Team der Geschäftsstelle um Geschäftsführer Ruediger Thaler für die Unterstützung seiner Arbeit zu danken. "Ein Jahr Probezeit", habe er sich erbeten, um zu prüfen, ob er das Amt mit Beruf und Familie vereinbaren könne. Nun "stelle ich mich gerne für den Rest der Amtszeit zur Verfügung wenn Sie mich möchten."

Einstimmiges Votum für Mann

Die Abstimmung und das einstimmige Votum der Landesinnung, Jörg-Dieter Mann zum Landesinnungsmeister bis 2013 zu wählen, sollte erst im späteren Verlauf der Sitzung erfolgen. Zunächst blickte Mann auf die vergangenen zwölf Monate zurück. Diese Bilanz fiel ausnehmend positiv aus. Eine gute Ausbildungsquote, ein wachsender Anteil von zahlenden Gastmitgliedern und trotz einiger Insolvenzen stabile Mitgliederzahlen werden übertroffen von einem sehr hohen Auftragsbestand. Mann: "Es gibt kaum einen Kollegen, der über zu wenig Aufträge klagen kann, viele haben unglaublich viel zu tun." Mann nannte dafür vier Gründe:

Das Konjunkturprogramm hat gewirkt

Die EnEV 2009 erhöht die Nachfrage nach Maßnahmen in der Wärmedämmung

Im Raum Berlin herrscht ein Sanierungsstau, nicht nur bezogen auf Altbauten, sondern auch bei mangelhaft ausgeführten 8-10 Jahre alten Maßnahmen

Auf der Nachfrageseite gibt es einen Trend hin zu Sachwerten.

Insgesamt, so Manns Fazit, hofften die Berliner Dachdecker, "dass es im nächsten Jahr so weitergeht." Schatzmeister Matthias Dölle gab einen Überblick über den Haushalt der Innung, bevor Ruediger Thaler die aktuellen Aktivitäten des Verbandes zusammenfasste. Dabei verwies Thaler zunächst auf die zahlreich angebotenen Serviceleistungen, unter anderem den wöchentlichen Newsletter, diverse Rahmenabkommen mit Automobilherstellern und zur Verfügung gestellte Vertragsmuster. Auch gegen unsauber arbeitende Konkurrenz wie Dachbeschichter erfahren Berliner Dachdecker Unterstützung. Zwar gebe es keine Möglichkeit, so Thaler, Dachbeschichter abzumahnen, der Verband stelle seinen Mitgliedern aber ein Argumentationspapier für Kundengespräche zur Verfügung. Um Mithilfe bat Thaler in Sachen Dachhaie, die inzwischen sogar unter dem Namen etablierter Innungsbetriebe im Markt auftreten: "Wenn Sie Kontaktdaten von Dachhaien bekommen, geben Sie uns die Information."

Höchste Ausbildungsquote seit zehn Jahren

Eine positive Bilanz zog Thaler beim Thema Ausbildung, in Berlin gebe es die höchste Zahl an Dachdecker-Azubis im ersten Lehrjahr seit zehn Jahren. "Riesenkompliment an Sie, das spricht für Ihre Weitsicht." Um den Beruf in der sich zuspitzenden Nachwuchssituation bis 2014 wird es noch einmal 25 Prozent weniger Schulabgänger in Berlin geben attraktiver zu gestalten, hatte die Berliner Dachdecker-Innung im Mai und Juni außerdem mit großem Erfolg Radiowerbespots geschaltet. Dank des finanziellen Entgegenkommens des Senders Kiss FM wird die Aktion im kommenden Jahr wiederholt. Als zweiten Schwerpunkt der Nachwuchswerbung stellte Thaler Schulklassenbesuche der Dachdeckerschule vor: "Viele Schüler haben vor ihrem Besuch wenig Ahnung und keine hohe Meinung vom Beruf vor Ort dreht sich das Bild dann um 180 Grad."

Seinen ersten Auftritt beim Berliner Verbandstag hatte ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. Marx skizzierte in seinem Vortrag drei zentrale Herausforderungen für das Dachdeckerhandwerk - neue Technologien, Beratungskompetenz und den Fachkräftemangel. Marx beschränkte sich bei seiner Analyse nicht auf Appelle an Dachdeckerunternehmen, sondern betonte zugleich, welche Aufgaben der Verband bewältigen muss.

Aktueller Stand der Fachregelentwürfe

Auf den aktuellen Stand der Fachtechnik brachte in gewohnt kenntnisreicher Manier Josef Rühle, Geschäftsführer Technik beim ZVDH. Rühle berichtete über die zur Veröffentlichung anstehenden Fachregelentwürfe:

Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk

Merkblatt zur Bemessung von Entwässerungen

Windsoglasten auf Dächern mit Dachziegel und Dachsteindeckungen

Merkblatt äußerer Blitzschutz auf Dach und Wand

Merkblatt Solartechnik für Dach und Wand

Rühle fasste die Änderungen zusammen und wies auf Konsequenzen in der Praxis hin. Ein Beispiel: Für die Windsoglasten bei Dachziegeln und Dachsteinen wird es künftig drei Verklammerungsgruppen geben, insgesamt wird in der Dachreihe stärker differenziert und häufiger verklammert werden. First, Traufe und Ortgang werden nahezu immer verklammert.

Bernd-M. Höke, Bereichsleiter Schaden der Signal Iduna, blieb mit seinem Vortrag im Thema. Er stellte für die Sturmschadenbeseitigung ein neues Konzept zur Beauftragung durch Gebäudeversicherer vor. Zum Hintergrund: Die Versicherungswirtschaft hatte ursprünglich ein Projekt vorangetrieben, ausschließlich mit ausgewählten Betrieben sämtliche Reparaturen von Sturmschäden vorzunehmen. Nach intensivem Widerstand der Verbände gegen diese Lösung wurde nun eine neue Lösung gefunden: Die Sturmschadenbeseitigung (nur) durch Innungsbetriebe dank einer exklusiven Regulierungsempfehlung der Versicherer für die organisierten Handwerker. Höke stellte die Inhalte der Regulierungsempfehlung in seinen Einzelheiten vor. Derzeit befindet sich die Regelung noch in der abschließenden Phase eines Pilotprojekts, DDH wird über die weitere Entwicklung berichten.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 20/2010.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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