Im Sommer endete die Vertriebsallianz zwischen Henkel Wolfin Bautechnik und Renolit/Alkorplan. Wolfin-Chef Klaus Niemann erläutert im Interview die Gründe. Mit DDH Redakteur Johannes Messer sprach er auch über den Solarmarkt und die kommende DACH+HOLZ 2010 in Köln.
In seiner Begrüßung wies der BBW-Vorsitzende Dachdecker- und Klempnermeister Manfred Schröder eindringlich darauf hin, welche große Bedeutung der Innungsarbeit auf allen Ebenen und in allen Bereichen beizumessen ist. "Um unsere Handwerksorganisation langfristig zu sichern, müssen wir die jungen Meister gewinnen und mit ins Boot nehmen. Doch dieses wird nur gelingen, wenn wir ein attraktives Angebot bereithalten, das die Leistungen transparent darstellt", so der Ehrenvorsitzende des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH).
Aus der Praxis
In der Podiumsdiskussion, geschickt moderiert von RA Ulrich Marx, Hauptgeschäftsführer beim ZVDH, berichteten die Teilnehmer über ihre praktische Arbeit. Dem Kreis gehörten Mitglieder unterschiedlicher Innungen kleine und große, städtisch und ländlich strukturierte an. Und so zeigte sich auch schnell, dass es keine Patentlösung für eine erfolgreiche Innungsarbeit gibt:
- Innung Köln: Manfred Schröder, Obermeister der Innung Köln, erläuterte, dass man in der städtisch strukturierten Innung sich ganz neutral der Facharbeit widmet, gelöst vom Sponsoring der Industrie und damit unabhängig sowie ohne gesellige Anlässe. Die Veranstaltungen finden im eigenen Innungshaus immer in den Abendstunden statt und sind in der Regel - je nach Thema - gut besucht. Zur Mitgliedergewinnung werden alle denkbaren neuen Mitglieder angeschrieben und informiert sowie ein unverbindliches Beratungsgespräch angeboten. Regelmäßige Aktionen haben dazu geführt, dass die Dachdecker-Innung in der Rheinmetropole nicht nur bekannt ist sondern auch einen guten Ruf hat.
- Innung Berlin: Die Landesinnung unserer Hauptstadt ist ebenfalls großstädtisch orientiert, beschreitet aber zum Teil andere Wege. Mit der Durchführung einer Dachdeckerparty (anstelle der früher in Berlin üblichen Dachdeckerbälle) wird die Geselligkeit gepflegt. Deutlich gestiegene Mitgliederzahlen in den letzten Jahren (gerade aus Kreisen der Jungmeister) belegen die Richtigkeit dieser Vorgehensweise, so Assessor Rüdiger Thaler, Geschäftsführer der Landesinnung. Natürlich wird in der Landeshauptstadt auch großer Wert auf Fachinformationen gelegt. Mit Kurzvorträgen beim Landesverbandstag kommt man diesem Bedürfnis nach. Schon in den Meisterkursen an der landeseigenen Fachschule in Berlin-Lankwitz werden die angehenden Jungmeister vom Geschäftsführer persönlich über die Vorteile einer Innungsmitgliedschaft informiert, was oft auf fruchtbaren Boden stößt. Bei der Berliner Baufachmesse bautec präsentiert sich die Landesinnung (gemeinsam mit Sponsoren der Industrie) in einer eigenen Halle und erzielt auf diesem Wege weitere Kontakte.
- Innung Bochum: Städtisch orientiert und dicht eingebunden in weitere städtisch strukturierte Nachbarinnung zeigt sich die Situation in der Ruhrgebietsstadt wieder anders. Ihr Obermeister, Stephan Eickhoff, hob denn auch die Besonderheiten seiner Innung hervor. Für die Bindung hält er es für wichtig, die Mitglieder zu den Veranstaltungen rechtzeitig einzuladen und bei Nichtanmeldern und Absagern kurzfristig nachzufassen. Zu Mitgliedergewinnung empfiehlt der Vizepräsident des ZVDH eine zeitlich begrenzte Schnuppermitgliedschaft.
- Innung Euskirchen (Nordrhein-Westfalen): Ganz anders stellen sich die Probleme in ländlich strukturierten Innungen dar. Der Obermeister von Euskirchen, Hans Spilles, legt großen Wert auf die Wahl von Fachreferaten zu aktuellen Themen. Um eine möglichst große Teilnehmerzahl zu erreichen, empfiehlt auch er eine pünktliche Einladung. Bei der Mitgliederakquise setzt er nicht nur auf Anschreiben sondern zusätzlich auf Besuche. Nur im persönlichen Gespräch lassen sich die Vorteile der Mitgliedschaft darstellen. Der Geselligkeit würde man gerne nachkommen, doch zeigen sich die Mitglieder daran nicht erwärmen zu wollen (Anmerkung: offensichtlich besteht im Rheinland hierzu ein Überangebot).
- Innung Sachsen-Anhalt Süd: Als sehr schwierig erweist sich die Innungsarbeit in den östlichen Landesteilen. Obermeister Andreas Schmidt begründete dieses mit der konjunkturell nach wie vor unbefriedigenden Situation in den neuen Bundesländern. Der Landesinnungsmeister von Sachsen-Anhalt wählt für seine Innung den Weg von Fachreferaten zu aktuellen Themen (nicht nur Technik). Sein Tipp: die Regularien möglichst kurz zu halten, da diese nur die wenigsten Mitglieder interessieren. Im Gegensatz zu Euskirchen wird zur Geselligkeit jährlich eine Party durchgeführt (Anmerkung: offensichtlich besteht hier ein Nachholbedarf).
Die Tagungsteilnehmer nutzten die Chance, die vielfältigen Tipps, Hinweise und Anregungen zu hinterfragen oder in Frage zu stellen; es schloss sich eine rege Diskussion an.
Auf sieben Säulen zum Erfolg
Zu Beginn der Obermeistertagung hatte Hauptgeschäftsführer RA Ulrich Marx die neuen ZVDH-Leitlinien für die Verbandsarbeit vorgestellt. Hierin wird die Vorgehensweise an die Herausforderungen der Zukunft beschrieben; unter anderem der zu erwartende Fachkräftemangel (demografische Bevölkerungsentwicklung), die neuen Technologien (Gebäudehüllenmanagement) und die Intensivierung fachlich fundierter Beratungstätigkeit (Marketing im Dachdeckerhandwerk). Auch die anderen Säulen der Leitlinien enthalten wertvolle Hinweise für eine erfolgreiche Innungsarbeit.
Dipl.-Psych. Claus Philippi, Geschäftsführer der Beratergruppe für Verbands-Management (B’VM), Stuttgart, beleuchtete die Innungsarbeit aus ganz anderer Sichtweise. Er behandelte die Frage, welche Interessen ein mögliches neues Mitglied hat und wie man diesem positiv begegnen kann, zum Beispiel mit einem qualitativ hochwertigen Leistungsprofil. "Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können", so der Psychologe. Er empfahl den Obermeistern von Zeit zu Zeit eine Mitgliederbefragung durchzuführen um ein Feedback zu erhalten. Und weiter: "Diese arbeiten müssen Sie nicht alleine durchführen, entwickeln Sie Ihren Vorstand zum Team."
Aktuelles aus der Betriebswirtschaft
Aufbauend auf die bereits erschienenen ZVDH-Unternehmerinfos: Lohnzusatzkosten (Juni 2008), Stundenverrechnungssätze (Juli 2009) und Formblätter Preise (Oktober 2009) kündigte Dipl.-Ökonom Felix Fink, ZVDH-Bereichsleiter Wirtschaft, eine vierte Ausgabe: Wie muss eine Rechnung aussehen? an; eine weitere Ausgabe wird ebenfalls noch in diesem Jahr folgen. In den vom Zentralverband, den Landesverbänden und den Innungen selbst geschlossenen Rahmenverträgen mit Herstellern und Dienstleistern sieht der Dipl.-Ökonom ein probates "Lockmittel" zur Mitgliedergewinnung und -bindung. Weiterhin kündigte er die Zusammenlegung vom DDH Konjunkturbarometer mit den eigenen Erhebungen an, um so ein noch repräsentativeres Ergebnis zu erhalten.
Mit dem Hinweis auf die Fortsetzung der Kampagne Die Wirtschaftsmacht von nebenan vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) leitete Felix Fink zum nächsten Referat über. Frank Hopstein vom Kampagnenbüro des ZDH aus Berlin ging auf die resonanzstarke Kampagne ein und erläuterte die bereits durchgeführten und noch durchzuführenden Maßnahmen in der ganzen Fülle unterschiedlicher Facetten.
Den Abschluss der Obermeistertagung bildete der Vortrag von Dachdeckermeister und Auditor Josef Rühle, Geschäftsführer Technik beim ZVDH. Der Referent berichtete über Aktuelles aus der Fachtechnik in der ihm eigenen, gewohnt engagierten Art. Kein Teilnehmer verließ die Tagung vorzeitig, alle waren an den Ausführungen zur Fachregelarbeit interessiert. Dabei standen Themen wie die Fachinformation Windsogsicherung (die noch in diesem Jahr erscheinen wird), die Fachregel Metallarbeiten (hier berichtete Rühle von den schwierigen Gesprächen mit dem ZVSHK) und das Merkblatt Bemessung Entwässerung im Mittelpunkt.
Fazit: Kosten-Nutzen-Denken ausschlaggebend
Auf der Obermeistertagung erhielten die Teilnehmer wertvolle Anregungen für ihre Innungsarbeit. Dabei zeigte sich schnell, dass es ein patentiertes Erfolgsrezept nicht gibt. Ausgerichtet auf die Struktur der jeweiligen Innung sind neue, individuelle Wege zu beschreiten. Dazu ist eine transparente Leistungsdarstellung unter strickten Kosten-Nutzen-Denkens erforderlich die Ehre der Mitgliedschaft alleine reicht nicht (mehr).
Hans G. Rüschenpöhler
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