Steildach 2012-03-08T00:00:00Z "Wachwechsel" bei den Reetdachdeckern

Gleich zweifach fand ein Wechsel an der Spitze der Reetdachdecker statt. Neue Vorsitzende der Bundesfachgruppe ist Dachdeckermeisterin Katrin Jacobs aus Oldenburg in Schleswig-Holstein und neuer Vorsitzender des Fachausschusses Jonny Paech aus Altefähr/Rügen. Lesen Sie, womit sich die Reetdachdecker ansonsten noch auf ihrer Mitgliederversammlung befassten.

1998 wurde die bisher einzige Bundesfachgruppe, die Bundesfachgruppe Reetdachtechnik, des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks gegründet. Direkte Mitglieder der Bundesfachgruppe sind in der Regel Reetdachdeckerbetriebe, die der örtlichen Dachdeckerinnung und damit der Berufsorganisation des Zentralverbandes angehören. Daneben gibt es auch Gastmitgliedschaften. Die Mitgliedschaft in der Bundesfachgruppe ist kostenneutral. Die Reetdachdecker der Bundesfachgruppe treffen sich mindestens einmal jährlich zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung. Beim diesjährigen Treffen, das in der Reetregion Fischland-Draß in Mecklenburg-Vorpommern stattfand, standen auch personelle Veränderungen an.

Fachausschuss Reet konstituiert

Im Vorfeld des Expertentreffens fand bereits die konstituierende Sitzung des im Herbst 2011 durch die ZVDH-Mitgliederversammlung/Hauptvorstand neu gewählten Fachausschusses Reet statt. Bedingt durch die in der ZVDH-Satzung verankerte Altersgrenze gab es einen Wechsel an der Spitze des Fachausschusses. Der langjährige Ausschussvorsitzende Hans Otto Finke, der die Arbeit des Fachausschusses maßgeblich als deren Vorsitzender seit 1997 geprägt hat, wurde von seinem Nachfolger Jonny Paech gebührend mit einem herzlichen Dank für seine vorbildliche Arbeit verabschiedet. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Friedrich Nissen.

Die Mitgliederversammlung der Bundesfachgruppe stand zunächst noch unter der bewährten Leitung ihres langjährigen Vorsitzenden Manfred Arp. Rund 65 Teilnehmer der insgesamt 86 Mitglieder zählenden Bundesfachgruppe nahmen an der Mitgliederversammlung teil. Neben allgemeinen Regularien standen vor allem technische Themen aber auch Fragen der Ausbildung auf dem Programm.

Modernisierung der Ausbildungsordnung

Bekanntlich strebt der ZVDH bereits seit längerem eine Modernisierung der Ausbildungsordnung an, da einerseits die Technik ständig vielfältiger geworden ist und andererseits die Ausbildungsreife der Jugendlichen nicht immer in ausreichendem Maße gegeben ist. Eine Novellierung der Ausbildungsordnung kann jedoch nur im Konsens mit dem Sozialpartner erfolgen. Nunmehr haben sich die Sozialpartner über das Modell einer dreijährigen Ausbildung mit einer so genannten Schwerpunktbildung im 3. Ausbildungsjahr verständigt. Ein entsprechender Antrag zur Modernisierung wurde bei der zuständigen Arbeitgeberorganisation dem Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin gestellt. Man wird nunmehr in das Verfahren zur Neuordnung der Ausbildungsordnung eintreten. Von den dann hier anstehenden Änderungen sind auch die Reetdachdecker, im Besonderen die Fachrichtung Reetdachtechnik als bisheriger Bestandteil der Ausbildungsordnung betroffen. Es soll aber auch weiterhin die Reetdachtechnik, nunmehr in Form eines

von möglichen fünf Schwerpunkten Berücksichtigung finden. Nicht zu vermeiden ist, dass sich der Zeitraum für die Spezialisierung im Reetbereich von bisher formell einem Jahr auf ein halbes Jahr reduziert. Bestehende Ausbildungsverhältnisse und bis zum Inkrafttreten einer neuer Ausbildungsordnung noch entstehende neue Ausbildungsverhältnisse unterliegen selbstverständlich der noch geltenden Ausbildungsverordnung.

Reetqualität und Insektenbefall

Weiter im Fokus der Reetdachdecker sind die Reetqualitäten und damit einhergehend die Diskussionen um die Alterung der Reetdächer. Diesbezüglich hat die Stickstoffkonzentration in der unmittelbaren Nähe von Reetanbauflächen, aber auch von Reetdächern einen starken Einfluss. Hierzu liegen entsprechende Erkenntnisse durch flächendeckende Untersuchungen an Reetdächern im Bestand in Niedersachsen vor, die nunmehr auf die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ausgedehnt werden. Die Untersuchungen und Forschungen hierzu werden auch zukünftig fortgesetzt.

Daneben wurde in der Mitgliederversammlung über den Befall von Reetdächern durch Insekten wie z.B. Staubläusen diskutiert. Hierzu hat es im Zusammenhang mit hohen Feuchtekonzentrationen als Folge eines wohl zu raschen Bauablaufs in der zweiten Jahreshälfte 2011 konkrete Fälle gegeben. Es wurde deutlich, dass solche Erscheinungen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden können, aber auch stetig beobachtet werden müssen.

Reetdächer standen im Mittelpunkt des Wettbewerbs "Schönes Reetdachhaus 2011". Veranstalter dieses Wettbewerbs, der unter der Schirmherrschaft der schleswig-holsteinischen Ministerin Dr. Juliane Rumpf stand, war der Schleswig-Holsteinische Heimatbund. Frau Dachdeckermeisterin Katrin Jacobs, die der Jury angehörte, berichtete, dass im Mittelpunkt des Wettbewerbs neben der Dachdeckung auch das gesamte Haus bzw. Gebäude stand. Eingereicht wurden sowohl historische, teilweise unter Denkmalschutz stehende Gebäude wie auch moderne Häuser. In einem repräsentativen Ausschnitt der Wettbewerbsarbeiten vermittelte Frau Jacobs die positiven Aspekte des Wettbewerbs für das Reetdach.

Wechsel an der Spitze der Bundesfachgruppe

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden sowohl Manfred Arp als auch Hans Otto Finke durch ZVDH-Vizepräsident Stephan Eickhoff gebührend verabschiedet. Eickhoff dankte Herrn Arp für seine Leistungen als Vorsitzender der Bundesfachgruppe Reetdachtechnik. Er stellte fest, dass der Name Arp unmittelbar mit der Bundesfachgruppe verbunden ist. "So lange es die Bundesfachgruppe gibt, so lange hat sie einen Vorsitzenden und der heißt Arp", so Vizepräsident Eickhoff. Nicht nur innerhalb der Bundesfachgruppe, vor allem auch nach außen, das heißt im gesamten Dachdeckerhandwerk bildete Manfred Arp die Speerspitze der Reetdachdecker.

Ebenfalls lobende Anerkennung hatte Vizepräsident Eickhoff für Hans Otto Finke. Herr Finke war nicht nur stellvertretender Vorsitzender der Bundesfachgruppe, sondern auch langjähriger Vorsitzender des Fachausschusses Reet.

Weitere Themen der Mitgliederversammlung waren Informationen zu den Aktivitäten der Qualitätssicherung Reet (QSR) GmbH und der aktuellen Arbeit des Fachausschusses Reet, wie auch ein Bericht über das erstmals in 2011 in Dänemark stattgefundene internationale Reetdachdeckertreffen. Dieses findet in 2012 vom 10. bis 13.10.2012 im Ausbildungszentrum des Berufsbildungsvereins des Dachdeckerhandwerks Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in Lübeck-Blankensee statt.

Exkursion

Zum Rahmenprogramm der Mitgliederversammlung gehörte auch eine Exkursion in die unmittelbare Region. Am zweiten Veranstaltungstag konnte den Teilnehmern ein positiver Eindruck von repräsentativen Reetdachobjekten in der Region Fischland/Draß, auch einer der deutschen "Hochburgen" für Reetdächer, vermittelt werden.

Artur Wierschem

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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