Dachziegel Creaton-Vorstandsvorsitzender Alfons Hörmann blickt auf eine gelungene 125-Jahr-Feier seines Unternehmens zurück und schaut optimistisch in die Zukunft. Über Strategien und Marktentwicklungen in seiner Branche sprach er mit DDH Chefredakteurin Elke Herbst.
Wie hat sich der Markenverbund Creaton innerhalb der Etex Gruppe entwickelt?
Wir haben eine spannende Entwicklung hinter uns mit der Integration der Unternehmen Meindl und Pfleiderer sowie dem Zukauf von Trost. Das waren sicherlich bewegte Jahre. Dennoch ist mein Fazit positiv. Wir haben unter dem Markenverbund Creaton ein gut aufeinander abgestimmtes praxisorientiertes Sortiment mit einem durchdachten Erscheinungsbild. Die Führungs- und Außendienstteams sind gut gewappnet für ihre Aufgaben. Das war eine große Herausforderung, denn wir mußten aus vier Vertriebsmannschaften eine neue große Gesamtmannschaft bilden. Daher gilt mein besonderer Dank in dieser Entwicklung den Menschen des Unternehmensverbund. Nur durch sie werden unsere Produkte weiterentwickelt und verkauft.
Im Wirtschaftskrisenjahr feiert Creaton 125jähriges Jubiläum. Mit welcher Strategie und welchen Maßnahmen gehen Sie durch die Konjunkturkrise?
Mit der 125-Jahr-Feier wollten wir ganz bewußt ein Zeichen setzen. Natürlich kann man darüber streiten ob eine solch große Kundenveranstaltung wie wir sie in Füssen hatten in diesen Zeiten angemessen ist. Aber jetzt, vier Monate nach der Feier, sage ich ganz klar, es war das richtige Signal in den Markt und an unserer Mitarbeiter. Unsere Kunden sind schließlich die Basis für unsere Erfolge. Aktueller Stand ist, das wir per Ende August leicht über dem Vorjahresumsatz liegen. Aus all meinen Branchengesprächen und dem was mir an Fakten vorliegt, glaube ich, das deutschlandweit der Steildachmarkt im einstelligen Minusbereich liegt. Ich schätze dieses Minus auf vier bis sechs Prozent. Das heißt bisher ist das Jahr für uns nicht schlecht gelaufen. Aber natürlich tun wir nicht so, als sei die Welt in Ordnung. Im Bereich der internen Organisationen werden wir weiter Prozesse optimieren. Wie alle Unternehmen sind wir gezwungen noch schlanker zu werden. Auch zeitweilige Kapazitätsreduzierungen sind ein Mittel auf schwächere Märkte zu reagieren. Das A und O um im Dachziegelbereich zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen, ist jedoch die Auslastung der Anlagen. Es gilt also unser Unternehmen so auszurichten, das die Dinge alle passen und wir mit unserem breiten Sortiment auf alle Eventualitäten reagieren können. Wir haben in dieser Hinsicht unsere Hausaufgaben gemacht und gehen gut aufgestellt in 2010 und in die Folgejahre. Vielleicht führt die Krise ja dazu noch intensiver über kundengerechte, energiesparende, innovative Produkte zu diskutieren. Und die Baubranche ist schließlich schon sehr erfahren im Umgang mit Marktkrisen. So paradox es scheint, ich sehe uns eher auf der Chancen- als auf der Krisenseite.
Wie beurteilen Sie die allgemeine Marktsituation in ihren Marksegmenten?
Die Energiekostenverteuerung schreitet unaufhaltsam voran. Wir haben in den letzten sechs Monaten die höchsten Energiepreise bezahlt, die es je im Markenverbund Creaton gab. Den Wettbewerbern wird es nicht viel anders gehen. Das bedeutet, das die Rentabilität der Unternehmen weiter rückläufig ist, denn diese Preissteigerungen können nicht annähernd an den Markt weitergeleiten werden. Da stellt sich natürlich die Frage, können kleinere und mittlere Unternehmen diesem Druck lange standhalten. Daher würde ich für die Dachziegelbranche prognostizieren: die Restrukturierung ist noch nicht vorbei. Anfang der 90er Jahre waren es noch 30 Ziegelhersteller, jetzt sind es noch acht und ich schätze in den nächsten Jahren werden noch fünf oder sechs übrig bleiben.
Sind aus Ihrem Haus in den nächsten Monaten neue Produktentwicklungen zu erwarten?
Wir haben im laufenden Jahr 52 Produktneuheiten umgesetzt, die überwiegend auf der BAU in München zu Beginn des Jahres vorgestellt wurden. Wir sind also noch mitten in dieser Produktoffensive für die Markteinführung und Etablierung. Das wird uns noch ins nächste Jahr hinein begleiten. Das bedeutet, es gibt in den nächsten Monaten zunächst keine spektakuläre Produktneuheit. An der Farb- oder Zubehörkonstellation arbeiten wir natürlich ständig. Es sind also eher die kleinen Schritte, die da in naher Zukunft kommen.
Nachhaltiges, energieeffizientes Sanieren und Bauen sind zurzeit Schlagworte. Wie ordnen Sie in diesem Zusammenhang ihre Produktpalette und ihre Firmenphilosophie ein?
Obwohl wir nicht -wie zum Beispiel die Dämmstoffhersteller- vom ersten Moment an vom energetischen Bauen und Sanieren profitieren, ist das Thema für uns wichtig. Und bei Komplettdachmodernisierungen kommt ja dann auch wieder der Dachziegel ins Gespräch. Hier bleibe ich trotz der Studien der Dachstein-Industrie dabei, der Dachziegel ist durch seine wesentliche längere Lebensdauer als Werkstoff im Vorteil. Damit macht er einen möglicherweise höheren Energiebedarf bei der Herstellung mehr als wett. Die Marktanteile beweisen eindringlich, das dies nicht nur die Dachziegelhersteller, sondern auch die Bauherren so sehen.
Regelwerke, Normung, Förderprogramme, Sonderlösungen - der Dachdecker muß sich ein immer größeres Basiswissen aneignen um seine Arbeiten fach- und kundengerecht auszuführen. Wie unterstützen sie als führender Hersteller Ihre Handwerkerkunden dabei?
Wir waren eines der ersten Unternehmen, die sehr früh über Jahre hinweg mit Dachdeckerseminaren Praxis-Austausch-Konstellationen umgesetzt haben. Das führen wir heute mit zahlreichen Dachdeckerschulen weiter. Mit knapp 100 Menschen im deutschen Außendienst verfügen wir außerdem über eine große Stärke in der täglichen Beratung. Das bedeutet, das jeder Außendienstmitarbeiter maximal zwei bis vier Landkreise betreut und somit in maximal einer Stunde bei seinem Kunden vor Ort sein kann. Die Seminararbeit hat sich somit etwas in die praktische Marktarbeit verlagert. Hatte der Außendienst früher seine Routinereiserouten, so macht er heute objektbezogene Termine um mit dem Handwerker vor Ort Details zu besprechen oder Probleme zu lösen. Auch die Kommunikation der Handwerker hat sich dahingehend verändert. Konkrete Fragen zu konkreten Aufträgen stehen im Fordergrund. Für das Handwerk ist das wahrscheinlich die größte Herausforderung der Zukunft, neben dem technischen Grundlagenwissen genaus so das kaufmännische und das rechtliche Grundlagenwissen zu besitzen. Wir werden unsere Handwerker dabei mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen, persönlich, schriftlich oder durch unsere zahlreichen Angebote im Internet.
Zum Schluß ein Blick über die Grenzen. Wie sieht die Unternehmensentwicklung in ihren ausländischen Märkten aus?
Unsere ausländischen Aktivitäten sind breit gefächert und müssen sehr differenziert bewertet werden. Eine relativ stabile und gute Entwicklung haben wir in den Beneluxländern. Österreich, Slowenien und Kroatien laufen ebenfalls gut, was für unser ungarisches Werk in Lenti gut ist. Leider haben wir direkt in Ungarn zurzeit eine etwas schwierige Entwicklung. Noch problematischer ist es in Rußland, der Ukraine oder Tschechien, also in den Ländern, in denen wir in der Vergangenheit schöne Erfolge hatten. Insgesamt haben wir eine paradoxe Situation, denn nach Jahren in denen der Export die tragende Säule unserer Auslastung war, ist es nun wohl wieder der deutsche Mark, der uns trägt. Er ist zwar nicht der erfreulichst wachsende, aber der stabilste. Innerhalb von 12 Monaten fand also ein kompletter Paradigmenwechsel statt. Dies ist eine Spiegelbild unserer momentanen Unternehmenskultur. Selbst die Mittelfrist-Strategien müssen permanent neu angepaßt werden. Nichts ist mehr für Ewig.
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