Seit Oktober 2012 ist Rolf Fuhrmann Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes Rheinland-Pfalz. Im Interview mit DDH spricht der Jurist über seine Ziele, das Verhältnis zu Handwerkskammern und Möglichkeiten, Betriebe stärker an der Verbandsarbeit zu beteiligen.
Herr Fuhrmann, bevor Sie im Oktober 2012 Geschäftsführer des Landesverbandes Rheinland-Pfalz wurden, haben Sie die Handwerksrolle der HwK Koblenz geleitet. Welche Erfahrungen haben Sie aus Ihrer Tätigkeit für die Handwerkskammer mitgenommen?
Vor allem den Kontakt zum Handwerk an sich. Die Arbeit in der Handwerksrolle geschieht sozusagen an der Front, man ist für die gewerberechtliche Bewertung aller Änderungen zuständig, außerdem für Ausnahmebewilligungen und Ausübungsberechtigungen, was durchaus zu Diskussionsbedarf mit Meisterbetrieben und den Verbänden führen kann. Insofern kenne ich diese Problematik auch von der anderen Seite.
Nachdem Sie den Überblick auf viele Gewerke hatten – was ist aus Ihrer Sicht das Spezielle am Dachdeckerhandwerk?
Einerseits die hohen fachlichen und technischen Anforderungen, die an das Dachdeckerhandwerk gestellt werden. Ohne ein anderes Gewerk herabstufen zu wollen: Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich als Frisör oder im Dachdeckerhandwerk tätig bin, das ist eine ganz andere körperliche und technische Herausforderung, allein schon durch die strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus empfinde ich die Dachdecker schon als eine spezielle Klientel, als sehr aufmerksam und mit einer offenen, positiven Streitkultur. Das spornt einen an, Dinge zu bewegen. Für mich persönlich ist es außerdem sehr spannend, dass ich mich in der jetzigen Funktion vielfältigen Bereichen widmen kann, von der Pressearbeit über die Rechtsberatung bis zur Lobbyarbeit.
Welche Themen bewegen die Dachdecker zurzeit aus Ihrer Sicht am stärksten?
Was am meisten an mich herangetragen wird – das mag damit zu tun haben, dass meine Profession bekannt ist –, sind rechtliche Fragen. Dabei geht es vor allem um Ausschreibungen, Leistungsverzeichnisse, um Fragen der Gewährleistung und auch der Materialgarantien. Die sind zwar bekannt, aber in letzter Konsequenz ihrer Bedeutung für die Gewährleistung noch nicht ganz durchgedrungen. Ich glaube, dort besteht weiter die Aufgabe, den Nutzen publik zu machen. Ein weiteres großes Thema ist die Ausbildung – etwa die Qualität der Auszubildenden oder Probleme im Rahmen der vorberuflichen Schulausbildung.
Das Thema Ausbildung steht seit Längerem immer im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel. Wie erleben Sie die Situation in Rheinland-Pfalz?
Ich habe mir vor Kurzem von den Kammern die Zahlen für Rheinland-Pfalz geben lassen, bezogen auf totale Zahlen und bezogen auf den Schulabschluss. Dort konnte man feststellen, dass es durchaus eine Lücke gab vor 3 bis 4 Jahren, momentan aber sogar ein leichter Anstieg festzustellen ist, was mich etwas überraschte. Natürlich erreichen wir nicht das Niveau von vor 10 Jahren, der demographische Effekt scheint aktuell aber nicht so groß zu sein, wie es diskutiert wird. Trotzdem werden wir langfristig natürlich mit Rückgängen zu tun haben. Unser Ziel wird sein, den jetzigen Status quo zu halten und möglichst viele Jugendliche für das Dachdeckerhandwerk zu gewinnen. Wir haben durchaus Innungen, die mit neuen Modellen arbeiten, die in Schulen hineingehen und dort die Attraktivität des Berufes zeigen. Die Innung Rhein-Nahe-Hunsrück hat zum Beispiel eine Nachhilfemöglichkeit für Schüler geschaffen und geht mit einem jungen Meister in die Schulen, um den Beruf vorzustellen. Das halte ich für einen guten Ansatz.
Malte von Lüttichau
Das ausführliche Interview lesen Sie in DDH 20/2013