2013-10-22T00:00:00Z „Mit Einsatz geht es“

Jahrelang ist die Nachwuchssuche ein Selbstläufer, doch plötzlich bleiben die Bewerbungen aus. Als Klaus Wilhelm diese Erfahrung macht, geht er kurz entschlossen in örtliche Schulen, stellt seinen Betrieb vor und ist überrascht: Erst kennt kaum ein Schüler den Beruf, nach dem Vortrag wollen einige direkt Dachdecker werden.

Junge Dachdecker auszubilden war für Klaus Wilhelm immer selbstverständlich. Fast seit Bestehen seines Betriebes – die Eintragung in die Handwerksrolle erfolgte 1991 – hat der Dachdeckermeister Schüler in die Lehre aufgenommen. Mit seinen rund 40.000 Einwohnern und drei weiterführenden Schulen gab es in Königswinter stets eine gute Nachfrage nach Lehrstellen. Das änderte sich erst 2012: „Letztes Jahr fing es an, es kamen einfach keine Bewerbungen rein. Das war all die Jahre über nie ein Problem gewesen.“

Plötzlich fehlten Bewerbungen

Als sich 2013 wiederum nichts tat, ergriff Wilhelm die Initiative. Kurz entschlossen fuhr der Rheinländer zur Haupt- und Realschule Oberpleis. „Ursprünglich wollte ich an der Schule nur einige Flyer auslegen, eine Kontaktperson hatte ich nicht. Als ich mich im Schulsekretariat vorgestellt habe, sprach mich eine Lehrerin an und nahm mich spontan mit in ihre Klasse. Vor den Schülern habe ich dann vor allem über meinen eigenen Werdegang gesprochen, wie ich mich von der Lehre langsam hochgearbeitet und schließlich selbstständig gemacht habe. Im Prinzip habe ich angefangen mit einer Garage, einer Leiter und einem Anhänger – ohne finanzielle Unterstützung aus dem Elternhaus.“

Für viele der Schüler, die über einen ähnlichen Hintergrund verfügen, eine fesselnde Geschichte. Wilhelm erzählte von Verdienstmöglichkeiten als Lehr­ling und Meister, den verwendeten Materialien am Dach und „dass man in den ersten drei Monaten jeden Abend ins Bett fällt“. Zunächst aber – und das überraschte ihn – musste Wilhelm die Schüler überhaupt erst mit dem Berufsbild vertraut machen.

Den eigenen Werdegang schildern

„Ich hatte den Eindruck, den Weg weisen zu müssen“, beschreibt Wilhelm seine Ausgangssituation in der Klasse. Die Schüler waren zwar interessiert an seinen Ausführungen, hatten die Möglichkeit, Dachdecker zu werden, jedoch nie in Betracht gezogen oder kannten den Beruf nicht einmal. Zwei Schüler hörten besonders genau zu: Patrick Kübler und Patrick Rohrmann gehörten zu den sieben Schülern, die im Anschluss an den Vortrag bei Dachtec eine Bewerbung einreichten, zu den dreien, die im Frühjahr 2013 ein Praktikum begannen, und sind seit August die beiden neuen Azubis des Betriebes.

Patrick Kübler: „Mein Interesse war sofort geweckt. Herr Wilhelm erzählte, der Job sei anstrengend, aber auch vielseitig und abwechslungsreich.“ Sein Mitschüler Patrick Rohrmann: „Ich fand es super, dass Herr Wilhelm in die Schule kam und sich vorstellte, das macht sonst keiner. Deshalb habe ich mich dort sofort beworben." Beide Schüler wechselten ihr 10 Monate dauerndes, die Schule begleitendes Praktikum und sattelten vom Zweiradmechaniker und DHL Kurier auf Dachdecker um. In ihren vorherigen Stellen machten die Schüler die Erfahrung, dass sie weniger ausgebildet, sondern vor allem als billige Arbeitskräfte genutzt wurden. Das war bei Dachtec von Anfang an anders. Patrick Kübler: „Gleich am ersten Tag durfte ich mit aufs Dach und mir wurde direkt alles gezeigt und erklärt. Danach war ich komplett begeistert vom Beruf und dem Betrieb.“

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 20/2013.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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